Carl Maria von Weber an Carl Friedrich Peters in Leipzig
Dresden, Donnerstag, 16. April 1818

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Herrn Musikalien Verleger

C. F. Peters Wohlgeboren zu Leipzig.

Die Vorwürfe, mein lieber Hr: Peters die Sie mir wegen der bisherigen Nichterfüllung meines Versprechens machen, sind mir ein erfreulicher Beweiß Ihrer freundschaftlichen Achtung, und ich kann Ihnen nicht besser beweisen wie sehr ich dies zu erkennen weis, als daß ich Ihnen ausführlich darauf das Nothwendige erkläre. Die Werke die seit jener Zeit von mir in Berlin erschienen sind, waren alle schon früher in den Händen H: Schleßingers. und gegenwärtig noch bin ich ihm 3 Werke schuldig,die ich ihm vermöge eines am 10t Januar 1817 abgeschloßenen Vertrags, schon d:1t März 1817 hätte abliefern sollen. Meine Dienstgeschäfte aber, die mir andre große Arbeiten, z: B:|: die Vermählungs Cantate, und jetzt eine große Messe für die ich beyläufig gesagt von Sr: Majestät einen schönen Brillant Ring erhalten habe, eine Auszeichnung, deren sich vor mir kein hiesiger KapellMstr zu erfreuen hatte :| auferlegten, haben mir durchaus nicht einmal erlaubt meine Verbindlichkeiten zu erfüllen, geschweige denn neue Arbeiten vorzunehmen.

Ich spreche Ihnen mit vollster Überzeugung und von Herzen aus, daß ich nicht nur Ihren Verlag, sondern Sie Persönlich sehr hoch schätze, und gewiß mit den freundschaftlichsten Gesinnungen gegen Sie erfüllt bin. auch durchaus nichts vorgefallen ist, was mich darin hätte anderst bestimmen können.

Hingegen muß ich noch folgendes erwähnen, was Sie als ein so rechtlich denkender Mann, gewiß eben so billig und recht von meiner Seite finden werden. Sie sprechen von Schlesinger sehr verachtend und übel. Leider habe ich das schon von mehreren Seiten eben so hören müßen, und kann allerdings darin auch eine Sperrung des Verschleißes meiner Werke sehen. Aber so wahr dieses sein mag, so wenig habe ich doch bisher Ursache mir dem Benehmen Schleßingers gegen mich unzufrieden zu sein, ja ich bin ihm sogar zu Dank verpflichtet, da ich ihm seit Jahr und Tag Werke schuldig bin, die er gleich bey Abschluß des Kontrakts schon baar honorirt hatte. Daß er wegen meiner vielen Geschäfte, mich nicht nur nicht mahnte; sondern im Gegentheile mir manche auffallende Aufmerksamkeit erzeigte. Stellen Sie sich nun in meine Stelle, und sagen Sie selbst ob es Recht von mir gehandelt wäre, wenn ich mich nicht sogleich ganz von einem Manne abwendete, der mir noch durchaus nichts als Artigkeiten erwiesen hat.

So viel mein lieber Freund um Ihnen deutlich zu machen, daß weder Mangel an Achtung für Ihren Verlag, noch an wahrhaft freundschaftlicher Gesinnung für Sie die bisherige Nichterfüllung Ihres Wunsches herbeigeführt hat.

Um Ihnen aber auch zu beweisen daß es nicht immer so bleiben soll, biete ich Ihnen folgende Werke an

Große Scena und Aria für Tenor ital. mit Chor 15 Frid. dor in Gold
Desgleichen, deutsch für Mad. Grünbaum geschrieben 15 -
Concertino für das Horn 12 -
– für Harmonichord, Harmonica oder Terpodion pp 12 -
Ein Heft Volkslieder 12 -
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zusammen 66 Frid. dor

bey Empfang des Mscs. zahlbar.

Später würd’ ich auch Gelegenheit haben Ihnen Clavier Sachen pp zu überlassen. Wenn ich mich zu den Fabrik-Arbeiten so mancher meiner Collegen verstehen könnte, sollte es mir nicht schwer fallen mehr zu schreiben, aber ich ergreiffe nicht eher die Feder als bis mich der Genius wirklich dazu treibt.

Ich hoffe Sie nun überzeugt zu haben, daß ich Sie nie verkannte, sondern immer mit der freundschaftlichsten Achtung gegen Sie erfüllt war, mit der ich auch ferner bleiben werde
Ew: Wohlgebohren
ergebener
C. M. von Weber.

Apparat

Zusammenfassung

Antwort auf Mahnung wegen versprochener Kompositionen; hält dem negativen Bild Schlesingers bei Peters seine positiven Erfahrungen entgegen; bietet zum Beweis seiner Freundschaft eine Reihe von älteren Werken zum Verlag an.

Incipit

Die Vorwürfe, mein lieber Hr: Peters, die Sie

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

Textzeuge

Kopie: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. II B, 1. b., Nr. 115, S. 62-64

Überlieferung

  • Baron (London) ???
Weitere Textquellen
  • Hirschberg77, S. 26–27, Nr. 32;

Textkonstitution

  • "nicht": überschrieben.

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