Carl Maria von Weber an Adolph Martin Schlesinger in Berlin
Dresden, Montag, 23. November 1818

S. Wohlgebohren

Herrn Adolph Martin Schlesinger

berühmten Buchhändler und

MusikVerleger

zu

Berlin

Geehrtester Freund!

Ich bin Ihr Brief und Noten Schuldner. Giengen meine DienstGeschäfte mit meinem Willen Hand in Hand, ich wäre beides nicht. Es muß mir gewiß selbst sehr daran gelegen sein besonders die leztere Last von mir zu wälzen, weil ich dann wieder aufs neue mit Ihnen andere Verträge eingehen kann. Doch will ich wenigstens jezt die Brief-Schuld tilgen, indem ich Ihnen zugleich nebst meiner Frau freundlichst für die durch H: Mendel heute überbrachten Musikalien danke. Ich sehe mit wahrhafter Theilnahme Ihre Geschäfte wachsen und gedeihen. Bey Gelegenheit des Freymüthigen fällt mir eine Anfrage des H: Profeßor Wendt in Leipzig ein, der sich bei mir erkundigte wie es mit Ihren Ideen zu einer Musik: Zeitung stände. Er hat aus Schuld des Verlegers /: Brokhaus :/ das Kunstblatt vor der Hand aufgegeben,* und scheint Lust zu haben mit Ihnen anzubinden. das Kunstblatt war wirklich ein treffliches Blatt, und füllte eine wirkliche Lükke in der Kunstlitteratur aus. Schreiben Sie mir doch bald hierüber Ihre Meynung, damit sich sodann H: P: Wendt selbst mit Ihnen in Berührung sezzen könne. derselbe über[n]ahm auch mit Bewilligung Kinds, den 2t Text zu meiner JubelKantate, wodurch sie ein noch allgemein brauchbareres Konzertstük wird. Wegen der Korrektheit Ihrer Artikel muß ich Ihnen sagen daß es nicht an denen liegt die die Correctur besorgen, sondern lediglich an denen Stechern die nicht gehörig darnach corrigiren. ich habe den Fall in meinen Sachen gehabt wo ich ein und dieselbe Stelle in 2 Correcturen korrigirte, und sie doch hernach im Abdruk wieder fand. Sie müßen es da machen wie der seel: Gombart, der seinen Stechern für jeden nach der 2t Correctur noch vorfindenden Fehler mit einer ordentlichen GeldAbzugStrafe belegte, da gaben die Herren schon Achtung.       Ich hoffe nun endlich bis Schluß dieses Jahres mit meinen Dienst Arbeiten worunter diesen Augenblik wieder eine neue Meße zur Feyer der JubelHochzeit unserer Majestäten im Januar 1819 fertig zu sein, und dann über meine eignen Ange|legenheiten thätig herzugehen. Ich mache Ihnen zu dem Ende folgenden Vorschlag. Ich biete Ihnen an

 1. Ein Heft von Sechs Etuden für Pianoforte.

 2. Ein Heft Volkslieder.

 3. Ein Heft FestGesänge. 3 und 4stimmig

 4. Ein Heft Lieder.

 5. Eine GelegenheitsKantate für FamilienFeste, am Klavier

*

 6. leichte Variationen über ein Rußisches Thema.

*

 7  Aria für Tenor.

*

 8. Aria zur Oper Helene, für Mad: Grünbaum geschrieben.  Part, und KlavierAuszug*

 9. Aria für Mad: Milder geschrieben.

10. ein Heft Solfeggi.

11. Meine JubelKantate, in Partitur und KlavierAuszug.

12. Meine Jubel Ouverture. in Stimmen, und KlavierAuszug.

zusamen für die Summe von zweihundert Friedrichsd’or.

beim Empfang der Manuskripte zahlbar.

Ich sage Ihnen aufrichtig daß es mir daran gelegen ist eine bedeutende Summe auf einmal zu erhalten, doch werde ich mich um meiner eigenen Beruhigung willen, hüten eher etwas in Zahlung zu nehmen bis alles vollendet ist. Wollte ich die Sachen vereinzeln, könnte ich obige Summe* wohl höher bringen, aber ich find es billig und beßer für den Verleger wenn es so beisammen bleibt.

Sprechen Sie wie immer Ihre Meynung frey aus.
Meine Frau grüßt Sie freundlichst und ich bin wie immer, mit alter Freundschaft Ihr ergebener Freund
CMvWeber

Apparat

Zusammenfassung

dankt für die durch Mendel übersandten Musikalien; erkundigt sich nach Ideen zu einer Musikal. Zeitung, für die sich auch Wendt interessiere, dessen Verleger das "Kunstblatt" aufgegeben habe; Klage über Korrekturmängel; erwähnt neue Arbeiten u. bietet ihm eine Reihe von Werken zum Verlag an;

Incipit

Ich bin Ihr Brief und Noten Schuldner

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

Textzeuge

Lörrach (D), Lörrach, Museum am Burghof
Signatur: Br. 56

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (3 b.S. einschl. Adr.)

Überlieferung

Textkonstitution

    Einzelstellenerläuterung

    • "… Kunstblatt vor der Hand aufgegeben,": Das Leipziger Kunstblatt für gebildete Kunstfreunde, insbesondere für Theater und Musik, Leipzig: Brockhaus, 1817–1818 erschien bis 15. Oktober 1818
    • "… GelegenheitsKantate für FamilienFeste, am Klavier": Laut Tagebuch meint Weber hier die soeben komponierte Kantate „Natur und Liebe“. Schlesinger veröffentlichte aber auch „Schöne Ahnung ist erglommen“ gemeinsam mit „Zwei Kränze zum Annentag“ und „Lebenslied am Geburtstage
    • "… Variationen über ein Rußisches Thema.": Im Tagebuch notiert Weber, er habe Schlesinger Variationen über ein Zigeunerlied angeboten.
    • "…   Aria für Tenor .": wohl die Arie mit Chor, die er auch bereits Peters angeboten hatte.
    • "… Grünbaum geschrieben.  Part, und KlavierAuszug": Der Vermerk „Part, und KlavierAuszug“ bezieht sich auf Punkt 7–9, die mit Klammer zusammengefasst sind.
    • "… vereinzeln, könnte ich obige Summe": Loch durch Einriß

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