Richard Wagner an Julius Benedict in London
Dresden, Dienstag, 3. September 1844

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Herrn Benedict

Sehr geehrter Herr,

es ist uns Allen in Dresden, die wir den Gedanken fassten u. pflegten, Weber hier ein Monument zu setzen, so sehr erfreulich, in unserm Schwesterlande Männer wie Sie an der Spitze eines Vereines zu sehen, der zur Vervollständigung unseres Unternehmens so wichtig mitzuwirken im Sinne hat, dass ich mich gedrungen fühle, Ihnen dies hiermit ganz besonders auszusprechen. Niemand wie Sie, der Weber im Leben so nahe stand, kann berufener sein, eine Idee zur Ausführung bringen zu helfen, die wir am Ende nur anregten. Von diesem Glauben eingenommen erlaube ich mir Ihnen folgende Mittheilungen zu machen.

Durch Weber’s Sohn, Max, werden Sie hinlänglich erfahren haben, dass unsere Idee ist, die Uebersiedlung der Asche Weber’s als den ersten Grundstein des für ihn zu errichtenden Monumentes anzusehen. Diese Uebersiedelung selbst soll aber ein, dem Künstler angemessenes durchaus prunkloses und von Ostentation entferntes Ansehen erhalten, ja, wir sind, um allen Misdeutungen hu entgehen, die zumal der bescheidenen Wittwe des Verewigten als widerwärtige Kränkungen erscheinen müssten, soweit gegangen dem grösseren Publikum gegenüber den Anschein zu behaupten, als ob diese Uebersiedelung nur der Gegenstand einer Familien-Angelegenhe(?)[Familien-Angelegenheit] sein solle, wenngleich die wahren Freunde des Geschiedenen es unmöglich zugeben können, dass bei solch einem Acte die Familie der Hinterlassenen auf irgend eine Weise materiell mitwirken dürfe. Durch Max von Weber erfahren wir nun, dass das von Ihnen projectirte Conzert zu Gunsten eines Monumentes, in dieser Saison nicht mehr zweckmässig zu Stande kommen dürfte, und ich erlaube mir daher, Sie darin zu bestätigen, dies Conzert ja erst dann zu Stande bringen zu wollen, wenn die äusseren Umstände sich so günstig wie möglich für ein gutes Resultat gestalten. Die Einnahme desselben möge nicht nur der Ankündigung, sondern auch der Wirklichkeit gemäss blos für ein Weber zu errichtendes Monument bestimmt sein. Die geringen Kosten für die prunklose Uebersiedelung der Asche des Geschiedenen sind sogleich aus einem hier längst bereit liegendem Fond zu decken, und es kann dies nicht der Gegenstand weiterer Erörterungen sein.

Sogleich nach der hier stattgefundenen Beisetzung der irdischen Ueberreste Weber’s, wird das Dresdener Comité diesen Act öffentlich anzeigen und zu Beiträgen für das Monument auffordern. Wir hoffen, dass dieser Plan auch Ihren Ansichten, sehr geehrter Herr, entsprechen möge, und im Namen Vieler ersuche ich Sie daher jetzt schon, uns mit Ihrer wichtigen Hülfe kräftig zur Seite stehen zu wollen.

Sehr erfreut, bei dieser Gelegenheit mich Ihnen genähert zu haben, empfehle ich mich Ihnen mit grösster Hochachtung alsIhren
ganz ergebensten
Richard Wagner

Apparat

Zusammenfassung

Über Wagners Rolle bei der Überführung von Webers Asche nach Dresden

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

  • Textzeuge: Bayreuth (D), Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung (D-BHna)

    Provenienz

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Friedrich, Sven, Zwei unpublizierte Briefe Richard Wagners, in: wagnerspectrum, Jg. 7, H. 2/2011, S. 223f.

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