Endlich vorliegend: Die Partituredition des „Freischütz“ innerhalb der WeGA

Nun ist er endlich da: Webers Freischütz (Serie III, Bd. 7a und 7b der WeGA), mit dem sich die Zahl der bislang erschienenen Bände der Ausgabe auf 30 erhöht.

Die zweibändige Edition der Partitur (mit der Musik zu Akt I bis III in dem 482 Seiten starken ersten Band und dem Kritischen Bericht in Band 2 mit 324 Seiten) wurde gemeinschaftlich herausgegeben von Gerhard Allroggen (Hamburg), Solveig Schreiter (Berlin) und Raffaele Viglianti (Maryland), die Redaktion des Bandes hatten Joachim Veit und Frank Ziegler. Die Textteile des zweiten Bandes stammen von Solveig Schreiter und Joachim Veit. Damit hat die digitale „Edition“ innerhalb des BMBF-Projekts Freischütz Digital nun endlich auch ihr „analoges“ Pendant. Dabei ergänzen sich beide Editionsformen in idealer Weise: Die bei Schott International im Rahmen der WeGA erschienene Partitur stellt eine historisch-kritische Edition des Notentextes im traditionellen Sinne dar, die digitale Variante enthält keinen Edierten Text, sondern stellt nahezu alle editorisch bedeutsamen Quellen zu Einsicht zur Verfügung und erlaubt so dem Benutzer eine Kontrolle editorischer Entscheidungen nicht nur anhand des gedruckten Kritischen Berichts, sondern durch eigenen Einblick in die Quellen. Zudem bietet die digitale Edition (in teils noch vorläufiger Weise) Übertragungen der einzelnen Quellen und vielfältige zusätzliche Materialien an (die Zielsetzung dieser sich weiterentwickelnden digitalen Variante ist also eine völlig andere, zumal es in dem BMBF-Projekt darum ging, neue Möglichkeiten exemplarisch zu erkunden und zu demonstrieren).

Die Edition innerhalb der WeGA enthält neben einer eingehenden Darstellung der Entstehung von Libretto und Komposition sowie der Hintergründe der Uraufführung auch eine detaillierte Beschreibung der acht erhaltenen (von ursprünglich 41) autorisierten Kopien Webers. Zu den in Webers Ausgabenbuch erfassten Abschriften wurden alle gegenwärtig noch ermittelbaren Informationen zusammengetragen. Die Rezeption des Werkes konnte dagegen nur in groben Umrissen beschrieben werden, ein eigenes Kapitel befasst sich mit den postumen Partiturausgaben des Werkes.

Der Anhang enthält neben den ursprünglich zur Vertonung mit vorgesehenen, aber nicht komponierten Texten auch Webers Erläuterungen zur scenischen Umsetzung der Wolfsschluchtszene sowie eine Reihe von Pressedokumenten zur Uraufführung und den ersten Reprisen der Oper in Berlin. Zahlreiche weitere Rezeptionsdokumente sind auf der Website der WeGA (bzw. über die nach Orten geordneten Liste in Freischütz Digital) zugänglich. In den Abbildungsanhang wurden u.a. die Bühnenbilder von Carl Gropius (soweit überliefert sogar in Farbtafeln) aufgenommen, ferner die Kostümfigurinen zur Berliner Uraufführung.

Zwar kann die Edition bei diesem Werk (von marginalen Ausnahmen abgesehen) nicht wirklich mit „neuen Noten“ aufwarten, aber in dem Bereich, auf den Weber stets besonderen Wert legte – die zweite Schicht der Komposition mit Artikulations-, Phrasierungs- und Dynamikanweisungen oder Hinweisen zur Agogik – enthält die neue Partitur doch zahlreiche Abweichungen zu den älteren Ausgaben. Bewusst wurde an Stellen, die mehrdeutig bleiben oder Entscheidungen des Interpreten erfordern, die von Webers Partiturautograph (das die Hauptquelle der Edition darstellt) vermittelte Offenheit bewahrt, um die Vielfalt von Interpretationsmöglichkeiten, die Weber wichtig zu sein schienen, nicht einzuschränken.

Der Partitur soll möglichst bald der von Weber selbst erarbeitete Klavierauszug folgen, die Herstellung einer praktischen Edition von Partitur und Stimmen dieses Werkes gehört dann zu den Aufgaben des Verlags. Derweil haben in der WeGA die Arbeiten an einem weiteren der großen Opernwerke Webers begonnen: sein Schwanengesang Oberon wird die nächste wichtige Opernedition. Vorab wird, wie beim Freischütz-Textbuch , eine kritische Edition der englischen und deutschen Fassung des Librettos bei Allitera erscheinen, wiederum herausgegeben von Solveig Schreiter.

Joachim Veit, Mittwoch, 6. Dezember 2017

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