Caroline von Weber an Carl Maria von Weber in London
Dresden, Samstag, 4. März 1826 (Nr. 5)

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erhalt. und beantw. London d: 12t   März 1826.
durch No. 10t  abgeschikt d: 14t --------------

Du wirst Dich wundern, mein geliebter theurer Carl, daß ich Dir heut schon wieder schreibe, aber es hat nebst meinen Wunsch mit der guten Männe zu plaudern noch andere wichtige Gründe. Der wichtigste aber ist, daß ich mich von Dir recht tüchtig will loben laßen. Doch nun in der Ortnung erzählt, und der Herr Gemahl hat sich zu hüten nicht etwa ehr böse zu werden ehe er nicht den Brief zu Ende gelesen.: kaum warst Du abgereist mein Alter, als der junge Kaskel* zu mir kam, mich mit besorgter Miene zu fragen ob wir noch Geld bey Balabene hätten, und als ich ihm ja antwortete meinte er, es wäre wohl in dieser Zeit am sichersten das Geld im Kasten zu haben. Da ich aber Dein Zutraun zu Kleinwächter kenne lies ich mich nicht gleich ängstlich machen. Ich ging zu Basangs erkundigte mich da, sprach mit unsren Freunden, und alle waren der Meinung jetzt sey kein Banquier sicher. Du kanst glauben mein Carl, ich habe viel Sorgen und Angst ausgestanden, und wachend und träumend nichts gesehen wie Banqerotte. Ein paar Tage später kömt Kaßkel wieder und warnt mich zum zweiten mal, weil viel Wiener Häuser gefallen, mit denen Ballabene in Verbindung war. Mein guter Geist giebt mir entlich den Entschluß ein ihm zu folgen und Ballabene um das Geld zu bitten. In Kaßkels Gegenwart entsiegelte ich Deinen Schlüßel nahm die Wechsel heraus, und Kaskel muste den Schlüßel gleich wieder mit seiner Petschaft versieglen, wobey er sich nicht genug über meine Ängstlichkeit wundern konnte. Ich schrieb an Ballabene, auf Kaskels Rath, daß du mir zu einer hipotekarischen Anleihe Statspapiere zum Verwechseln zurükgelaßen hättest, da diese aber seit Deiner Abreise so bedeutent gefallen wären, so bäte ich um seinen Rath, ob es nicht beßer wäre das Kapital was bey ihm stende einstweilen dazu anzuwenden. mit nächster Post bekam ich einen recht artigen Brief von ihm, nebst der Versicherung das Herr Banquier Zeis angewiesen sey mir gleich das Kapital aus zuzählen. Nun war ich wohl eines Theil froh, aber auch wieder so besorgt ob Du nicht böse sein würdest daß ich gar keine Ruhe mehr hatte, und mich auch nicht getraute Dir etwas davon zu schreiben aus Furcht Du mögtest Dich ärgern. — Aber nun laß uns Gott danken bester Mann für daß was ich gethan, denn gestern kam die Nachricht von Ballabenes Banqurott, und noch dazu ein recht schlimmer! Kaum 60 Prozent bezalt er. Meinen Schreck und meine Freude kann ich Dir nicht beschreiben, und du kanst glauben, weniger um: des geretteten Geldes willen, als weil mir die Männe doch nun nicht zürnen wird. Die Intreßen werden wir wohl zur hälfte verlieren, aber das schmerzt doch nicht so, als | Ich wollte nun auch keinen Postag versäumen, um Dir die ganze Sache zu schreiben damit die schlimme Nachricht Dich nicht etwa erschrekt. Wie gnädig ist der liebe Gott gegen uns! wie auffallend hat er uns wieder vor dem Kumer beschützt, das sauer Ersparte zu verlieren. —  Schon daß ich den Muth hatte so ein Geschäft ohne dich zu unternehmen, ist mir wie ein halbes Wunder. Den jungen Kaskel kanst Du gelegendlich ein paar Worte des Dankes schreiben. Der Banquier Egg kam heut früh auch, mich zu bitten, Dir zu schreiben Du mögtest von den Kredittbrief auf das Londner Haus keinen Gebrauch machen, warum will er Dir schon selbst schreiben.      Gestern habe ich auf ein Briefel von der guten Männe gehofft, aber leider vergebens — es kann aber auch wohl von Paris erst Montag einer komen. Ich will mich auch gewiß nicht ängstigen! hat doch Gott uns wieder einen so auffallenden Beweiß seiner Gnade gegeben, daß es Sünde wäre ihm nicht mit ganzen Herzen zu vertraun. Die Fürstenau weiß von diesen Brief nichts, sie mag im nächsten wieder mit schreiben. Sie und die Kinder sind recht wohl. Lüttigau war auch eben hier, und trägt mir 1000 Grüße auf. Du kanst denken welchen Antheil Rothe und Kellers pp an diesen Begebenheiten nahmen, besonderst Rothe, der sich redlich mit mir geängstigt hatt. Das Geld habe ich nun leider im Hause, und wie ein ächter Geizhals gehe ich nun gar nicht mehr von der Stelle. Was soll nun damit geschehn? Papiere können wir jetzt nicht kaufen, die sind zu unsicher. Wäre es nicht gut das Geld dem Keller als erste Hipotek zu geben? er will es nicht ehr haben bis zu Johanni, wo das Haus schon halb fertig ist. Rothe und Engelhart meinen, es wäre dort am sichersten. Ich bitte geliebter Carl bestimme darüber, ehe ich nach Hosterwitz ziehe, denn ich könnte nicht ruhig sein wenn ich das Geld noch im Hause wüßte[.]

Bei der Knobloch war ich auch heute, aber es schien mir als wäre die gute Henickstein sehr betrübt — wenn nur denen nicht auch etwas pasiert ist. Die Wöcherin und das Kind sind wohl. Alle grüßen bestens. Die Benekes in Berlin die nach dem Banqerott entflohn waren, sind eingeholt, und sollen nächstens am Pranger stehn, und sodann ins Zuchthaus komen. Solche leichtsinnige Menschen sind nicht zu bedauren, aber die armen | Ballabenes dauren mich sehr.

Das Wetter ist jetzt bey uns recht schön, und ich hoffe mein guter Carl hat eine recht glükliche Uiberfahrt gehabt. Mit welcher Sehnsucht warte ich auf Nachricht!! doch Geduld! wenn ich auch noch so sehr zappele es kömmt doch kein Brief ehr.      Nun weiß ich aber auch nichts mehr, denn Neues ist nichts gepasiert. Na, lobe mich nur immer ein bißel, das soll mir der schönste Lohn für meine Sorge und Unruh sein.      Die Kinder sind gott lob! recht wohl auch mit mir geht es beßer, wenigstens nimt der Husten doch ein bischen ab.

Gott segne Dich mein Geliebter Theurer Carl + + +.      behalte mich lieb ich küße Dich 1000mal ewig Deine treue Lina.

Editorial

Summary

teilt ihm mit, dass Ballabene banquerott ist und sie auf Anraten des jungen Kaskel das dort befindliche Geld sich habe auszahlen lassen, und bittet ihn um Entscheidung, was damit geschehen soll, ob sie evtl. eine Hypothek auf das Kellersche Haus davon zahlen soll; private Mitteilungen

Incipit

Du wirst Dich wundern mein geliebter Theurer Carl

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Tradition

  • Text Source: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: Mus. ep. Caroline von Weber 5

    Physical Description

    • 1 DBl. (4 b. S. einschl. Adr.)
    • mit Empfangs- u. Beantwortungsvermerk Webers
    • Siegelrest
    • PSt.: a) DRESDEN | 4. März 26 b) F P O | MR: 13 | 1826

Text Constitution

  • “zum Verwechseln”added above
  • “als”crossed out
  • “um”uncertain transcription
  • “… auch keinen Postag versäumen, um”möglicherweise Korrektur aus „und“
  • “zu”added above
  • “Wöcherin”sic!

Commentary

  • “… Alter, als der junge Kaskel”Vermutlich Carl Kaskel.

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