## Title: Carl Maria von Weber an Gottfried Weber in Mannheim. München, Freitag 29. und Samstag 30. November 1811 ## Author: Weber, Carl Maria von ## Version: 4.3.0 ## Origin: http://weber-gesamtausgabe.de/A040441 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ S: Wohlgebohren Herrn Licentiat Gottfried Weber in Mannheim Liebster Bruder! Deine Briefe vom 21t 8ber und 10 und 20t 9ber habe ich richtig erhalten. dein lezter Brief ist etwas mit jener Bitterkeit erfüllt, die ich recht wohl fühle und begreiffe, ergo auch nicht übel deute, [we]shalb du dir die Erklärungen hättest sparen können. daß du mir der sich in Hinsicht seiner [Th]ätigkeit eben nichts vorzuwerfen zu haben glaubt – dergleichen schreibst – könnte ich übel [n]ehmen, wenn ich nicht wieder fühlte, daß es einem wohl thut, wenn man seine Meinung [ein]mal von der Leber wegsagen kann. dieß im Allgemeinen jezt zu deinem Briefe in Specie. Von Beer habe ich seit undenklichen Zeiten keine Zeile gesehen. d: 26t 8ber erhielt ich einen Brief von Vogler worin er mir seine Ankunft in München Ende November meldet, ich antworte sogleich, sage daß ich nur bis 1t December hier bliebe, und weder Vogler noch Beer, noch ein Buchstaben ContreOrdre kömt. es thut mir sehr wehe ihn nicht mehr zu sehen, und mit Beer hätte ich viel zu sprechen. deine Rezension Eleg: pp p p p [ha]be gelesen. alles bon. deine Sonate betref: habe ich unsrer Verabredung gemäß nach Leipzig geschrieben, in zeit von 3 Wochen bin ich selbst da, und dann laß mich nur sorgen. Mit Winter habe ich gesprochen, und da ich ihm versicherte daß du keine Ansprüche auf ein Präsent machtest, so will er mit Vergnügen eine deiner Meßen in der HofKirche aufführen auch mit Fränzel habe ich deshalb gesprochen. der wünscht das Trichordium von Vogler sobald als möglich zu haben. ich habe es ihm in deinem Nahmen versprochen, schikk es ihm also so schnell wie möglich, und eine deiner Meßen dazu. schreibe dann auch an Winter, sage ihm einige höllische Höflichkeiten, daß ich dir geschrieben, daß er unter seiner Direction eine deiner Meßen aufführen wollte, daß du sie bereits dem H: Direktor Fränzel geschikt, und ihm empfiehlst p p p p: dem grösten Theil des HofMusik Personals habe ich auch davon gesprochen, du bist also kein Fremdling hier mehr. du siehst daß ich nicht müßig bin, versäume nur keine Zeit, und wenn du die Kosten nicht scheuest so schikke sie schon ausgeschrieben, das befördert die Aufführung. dieß alles giebt freilich keine Gelegenheit zu öffentlicher Erwähnung, aber du wirst doch in der Kunstwelt bekannter, und füllst den dir gebührenden Plaz. Roek ist nach Dijon? warum nicht nach Paris? von Prag aus erscheint das o. seit 10 Tagen arbeite ich alle Nächte bis 3 Uhr und eben ist es auch ½ 4 Uhr, weshalb ich dir nur das nöthigste schreibe, da ich übermorgen abreise. von Gombart habe Gestern einen Brief bekommen, worin er mir meldet daß deine Quart: fertig sind. ich werde sie nun gleich vornehmen. von Gänsb: habe ich auch Briefe. er hat sich des Hesperus der in Brünn herauskomt schon versichert, und allbereits einen Auszug der Münchner Z: dahin gesandt. Meine Gratulation zu Gottfriedels Tag komt spät, aber immer doch ächt und gerecht, wie mein herzlicher Kuß o. und Gott gebe daß wir ihn bald wieder vereint celebriren. ich errinnere mich nicht genau ob Hoffmann, oder Schauspieler Fuchs in Darmstadt das Archiv [von] mir hat hat, schreibe an einen davon. Dein Aufsaz über die Schönberger |: die […] hier ist :| hat viel Sensation gemacht. Aufsäzze zu schreiben hatte ich bis jezt [noch] keine Zeit, aber bald wirst du Legion- | weise zu lesen bekomen in M: Z: pp: der Kopf ist mir so wüst von dem vielen Arbeiten, daß ich dir nichts mehr schreiben kann, alles herzliche an Gustel[.] schreibe bald, und vergiß nicht daß ich ewig der alte bin W. München d: 29t 9ber 1811. Soeben komme ich von lhrer Majestät der Königinn, wo Sie mir eine herr[liche] goldne Medaille auf einer Seite mit Ihrem Bild, und auf der Andern die Inschrift, zum Andenken gab. du kannst denken daß es mich freute. Adieu.