## Title: Kuxe in Carl Maria von Webers Besitz ## Author: Frank Ziegler ## Version: 4.14.0 ## Origin: https://weber-gesamtausgabe.de/A090138 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Friedrich Hellwig hatte am 24. November 1821 in Annaberg „Fünfzehn und Fünf Achttheil“ Kuxe des „Benedicts Hoffnung Stolln“ sowie des „Gott Beschert Glück Stolln“ bei Sehma im Erzgebirge (Sehmatal bei Annaberg) erworben. Kuxe waren finanzielle Anteile an Bergwerken bzw. Gruben, dokumentiert durch Kux-Scheine, also eine frühe Form der Kapitalanlage (Aktien vergleichbar); im Conversations-Lexikon von 1819 heißt es unter dem Stichwort „Kux, Kuxe“: „die Benennung jedes der hundert acht und zwanzig Theile, in welche ein Bergwerk oder eine Zeche (Schmelzhütte) eingetheilt wird […]. Ein Kux wird, wenn das Ganze in Gesellschaft gebaut und unter die einzelnen Theilnehmer vertheilt ist (Bergantheil), in diesem Falle zu den liegenden Gründen des jedesmaligen Besitzers gerechnet.“ In Binders Allgemeiner Realencyclopädie liest man: „Kux nennt man beim Bergbau und Hüttenwesen einen gewissen Antheil an dem Ertrage einer einzelnen bergmännischen Unternehmung […]. Die Inhaber […] bilden eine Art Actiengesellschaft; sie schießen die Kosten durch verhältnißmäßige Beiträge […] zusammen u. theilen den Gewinn […] unter sich [...]. Die Beiträge werden vierteljährig einkassiert, und ebenso auch der Ertrag verteilt. […] Wer einen K. zu einem neuen Bergwerksunternehmen kauft, thut dieß nur in der Hoffnung, daß dasselbe später Ausbeute geben und diese ihn für die Zubuße, die er Anfangs und vielleicht mehre Jahre hindurch zahlen muß, entschädigen werde. Ein solcher K. hat daher eigentlich keinen Werth, ausgenommen, wenn sehr wahrscheinliche Aussicht auf eine baldige Ausbeute vorhanden ist.“ Der „Benedicts Hoffnung Stolln“ war eine erst 1820 in Betrieb genommene Brauneisen-Grube; gefördert wurde Limonit (auch Brauneisenerz). Im „Gott Beschert Glück Stolln“ fanden sich u. a. Braun- und Kalkspat mit Schwefelkies. Zwei seiner Kuxe trat Hellwig Anfang Dezember 1821 „mit allen dazu gehörigen Befugnißen und Klagerechten“ an Weber ab, wie aus den im Weber-Nachlass befindlichen Unterlagen sowie aus Webers Zahlungsnotiz im Tagebuch am 3. Dezember 1821 hervorgeht. Weber dürfte sich davon eine günstige Geldanlage versprochen haben. Der ersten Zahlung folgten bis in den Sommer 1823 weitere „Beiträge“ von jeweils 4 Talern und 8 Groschen, die Weber in der Regel quartalsweise im Tagebuch festhielt; Hinweise auf Gewinnausschüttungen fehlen über den gesamten Zeitraum. Dann wurde der Betrieb des „Benedicts Hoffnung Stolln“ eingestellt. Eine entsprechende Nachricht enthielt vermutlich Caroline von Webers Brief, den Weber am 6. Oktober 1823 in Wien erhielt, so wäre jedenfalls sein Hinweis im Antwortbrief vom selben Tag zu verstehen: „Den Bergbau will ich noch fortsetzen, da ich einmal schon so viel hineingestekt habe.“ In der Abrechnung mit Ehefrau Caroline nach der Rückkehr aus Wien am 10. November fehlen im Tagebuch dann Hinweise auf diesbezügliche Zahlungen. 1825 finden sich in Webers Tagebuch drei weitere Vermerke über (nun allerdings reduzierte) Zahlungen, wobei am 2. September ausdrücklich von einem Kuks (nicht zweien) die Rede ist, vermutlich nun nur noch in Verbindung mit dem „Gott Beschert Glück Stolln“. Nach Webers Tod entschloss sich die Witwe zum Verzicht auf die Anteile; am 7. September 1826 äußerte sie gegenüber dem Justizamt in Dresden: „Da der Verstorbene sowohl als auch ich, die unterzeichnete Wittbe in der letzteren Zeit stets Zubuße zu entrichten gezwungen gewesen und die Aussichten und Hoffnungen zu Erlangung von Ausbeute höchst unzuverläßig sind, so will ich mich hiervon bey dem Bergamte lossagen.“ Caroline von Weber betonte, dass sie „die Uiberzeugung habe, daß bei dem Fortbauen dieser beiden vom Defunct [= Verstorbenen] besessenen Kuxe durch die unausgesetzte Entrichtung der Zubuße mehr Verlust als jemals ein Gewinn“ zu erwarten sei. Die erhoffte Kapitalanlage erwies sich – wie so oft bei kleineren Bergbaubetrieben – als Verlustgeschäft.