## Title: Rezension: “Szene und Arie der Atalia” (WeV E.5 / E.5a) und “Szene und Arie zu Lodoïska” (WeV D.7 / D.7a) von Carl Maria von Weber. Verlag A. M. Schlesinger, Berlin ## Author: Adolph Bernhard Marx ## Version: 4.14.0 ## Origin: https://weber-gesamtausgabe.de/A033491 ## License: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ II. Recensionen.I. Musica Vocale per uso de’ concerti: #lb#1. Litt. C. Scena ed Aria d’Ines de Castro per il Tenore, con Cori etc. da Carlo Maria di Weber. Op. 53. Berlin bei A. M. Schlesinger. Pr. 2 Thlr. 14 Gr. #lb#2. Litt. D. Scene und Arie für Sopran u. s. w. von Karl Maria von Weber. Op. 56. Berlin bei A. M. Schlesinger. Pr. 1 Thlr. 18 Gr. #lb#Beide mit Pianoforte- und Orchester-Begleitung.Schon im ersten Jahrgange dieser Zeitung*)*) No. 25, S. 217. sind zwei Webersche Scenen den Konzert-Sängerinnen empfohlen worden. Auch diese beiden verdienen die allgemeine Aufmerksamkeit und den Vorzug vor dem bei weitem größten Theile der in Konzerten gang und gäbe Compositionen. No. 1 muß Weber für italische Sänger geschrieben haben; dies beweiset die undeutsche, ganz italische Auffassung. Die Scene fällt in den Moment, wo der königliche Vater des Don Pedro (nachher Pedro der Grausame) zwischen den Rathschlägen einer mild ausgleichenden und einer hochfahrenden, aufreizenden Partei schwankend, vom Infanten begehrt, daß er seine Gattin Ines de Castro und seine Kinder verlasse, den Widerspenstigen verhaften läßt, und dann sein eignes Mißgeschick beklagt. Dieser an sich so reiche Moment ist nicht mit mehr Tiefe und Leidenschaft behandelt, als der Italiener eben wünschen und ertragen mag. Sanft, aber ziem lich ruhig beginnt die milde – stolz, aber nicht eben heftig die strengere Partei, jene in vierstimmigem Chor, diese, ein Baßchor im unisono. Beider Wechselrede unterbricht der König mit einer Tirade, die sich kein italischer primo uomo besser wünschen könnte, wenn sie einen Triller hätte. König's TiradeNach einer Unterredung (in Recitativ) mit dem Infanten beginnt des Königs Arie, von beiden Chören sehr gut gehoben, mit Anklängen aus den Einleitungssätzen durchflochten und in der nun einmal erwählten italischen Weise ganz trefflich. Wir Deutsche freilich, wenn wir im Agitato z. B. diese Stelle hören Agitato_no, no, no denken eher an einen Figaro, der sich rühmt, in der Gaunerei übertreffe ihn keiner, „no no no no no no no no!“ als an einen zornigen und verzweifelnden König. Aber per uso de’ concerti gehts schon. Ganz anders steht es um No. 2. Hier haben wir unseren herrlichen, deutschen Weber, der seinen Gegenstand treu und warm umfaßt und aus tiefem Gemüthe die Gemüther der Zuhörer sich gewinnt. Damit wir den fremden Schnickschnack nur bald vergessen, stehe hier das Thema des Allegro: Allegro-Thema_a | Allegro-Thema_b In dieser Innigkeit und in Einem Guße ist nun ein vorhergehendes Adagio und das Allegro con fuoco geschrieben und verdient die Liebe aller empfindungsvollen Sängerinnen. In beiden Scenen ist das Orchester sehr gut behandelt und der Klavierauszug eben so gut, wie die Fabrikate der gewöhnlichen Klavierauszüge – nicht. #lb#M.