Konzert von Johann Peter Pixis am 22. Juli 1816

Tonkunst zu Prag.

Am 22. d. hatten wir durch die große musikalische Akademie des Hrn. J. P. Pixis, Tonkünstler aus Wien, ein für diese Jahreszeit seltenes Vergnügen; sie enthielt folgende Stücke:

1. Ouverture von seiner Composition, die mit einem sehr kräftigen Adagio beginnt, und auf die überraschendste Art in den Allegrosatz übergeht, welcher größtentheils thematisch durchgeführt, und mit mannichfaltiger Instrumentazion unterstützt ist, wurde mit lautem Beyfall aufgenommen.

2. Conzert, für das Pianoforte in Es-dur gleichfalls vom Konzertgeber. Neuheit in der Erfindung der schwierigsten Passagen in 1ten Allegro, die glücklich gewählte und effektvolle Begleitung des Adagio von 3 Violoncellen, 3 Hörnern, einem Contrabaß und Paucken, dann ein lebhaftes feuerströmendes Rondo, wo erstaunende Schwierigkeiten mit melodischen Sätzen vereinbart, die Aufmerksamkeit der Zuhörer fesseln, stempeln dieses Conzert zu einem sehr interessanten Kunstprodukte unserer Zeit.

3. Variationen für die Violine, komponirt und gespielt von dessen Bruder Hrn. F. W. Pixis, Lehrer der Violine am Conservatorium der Musik, hörten wir hier zum Erstenmal. Ein recht gefälliges und singbares Thema, sechsmal in neuer Form, stets mit neuem Aufwande der Kunst und Grazie wiedergegeben und mit wahrhaft riesenmäßigen Schwierigkeiten ausgeschmückt, die mit bewunderungswerther Leichtigkeit und Sicherheit überwunden wurden, erwarben dem Künstler den einstimmigsten und lautesten Beyfall.

4. Polonaise, concertante fürs Pianoforte und Violin, komponirt von J. P. Pixis und gespielt von beyden Brüdern. Selten findet man ein Tonstück der Art, wo diese beyden Instrumente in so schönem Verein die ihnen eigenthümlichen Rechte behaupten als eben hier. Besonders gelang es dem Componisten, die größten Schwierigkeiten, die beyde Instrumente gleichsam in einem Wettkampfe zu bestehen haben, auf eine ganz originelle Art immer in das melodische Thema wieder aufzulösen. Das Ganze ist von schöner Wirkung und ward von dem Brüderpaar mit einer Kraft und Präzision ausgeführt, daß dem Zuhörer kein Wunsch übrig blieb.

5. Cavatine von Nasolini, gesungen von Madame Grünbaum, geb. Müller. Der Zauber ihrer Stimme, die Stärke ihrer Empfindung und die neuen geschmackvollen Verzierungen, mit welchen sie diese an sich so einfache und von aller harmonischen Mannigfaltigkeit entblößte Tonkunst ausschmückte, erwarben ihr den rauschendsten Beyfall.

6. Caprice auf dem Pianoforte allein vom Hrn. J. P. Pixis. Hier entfaltete der Künstler in gedrängter Kürze seine ganze Stärke auf diesem Instrumente; nach einem Eingang von ernstem Charakter, verlor er sich nach und nach unter steigenden Schwierigkeiten in ein Prestissimo, das mit außerordentlicher Kraft und Präcision durchgeführt ward. Seltene vollgriffige, gewagte Sprünge über 2 bis 3 Oktaven mit der größten Schnelle verbunden, Doppelgänge in beyden Händen zugleich von der künstlichsten Art, und eine durch lange Sätze fortdauernde Vollstimmigkeit, welche ihm durch die weite Spannung seiner Hand um so leichter möglich ward, geben diesem Klavierspieler eine Eigenthümlichkeit, wodurch er Bewunderung zu erregen im Stande ist.

Mit dem Accompagnement ward der Konzertgeber von den Zöglingen des Conservatoriums unter der Leitung des Direktors Hrn. F. D. Weber unterstützt, wozu ihm das Direktorium des Vereins zur Beförderung der Tonkunst in Böhmen auszeichnend, die Bewilligung ertheilt hatte. Wir bemerkten aufs Neue mit Wohlgefallen die Fortschritte, welche dieß jugendliche Orchester in der Begleitungskunst zu Tage legte, indem es diese in jeder Rücksicht schwierigen Compositionen mit bewunderungswerther Genauigkeit und Feuer vortrug.

Apparat

Zusammenfassung

Konzert des Pianisten Johann Peter Pixis aus Wien in Prag, unter Beteiligung von dessen Bruder Friedrich Wilhelm P.; auf dem Programm standen v.a. Werke der Brüder

Entstehung

zwischen 22. und 29. Juli 1816

Verantwortlichkeiten

Überlieferung

  1. Kaiserlich Königlich privilegirte Prager Zeitung, Jg. 3, Nr. 212 (30. Juli 1816), S. 843

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Kaiser (Schriften), S. 91–93 (Nr. 96)

Textkonstitution

  • „in“sic!

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