Max Maria von Weber an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Altenburg, zwischen Freitag, 21. und Montag, 31. Oktober 1842

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[…] Ich wollte, Ihr säßet hier mit mir in dem allerliebsten Neste mit seinem hohen Schlosse, das so fürstlich-väterlich auf die gesegneten Gaue herabschaut. Das Land steigt in sanften fruchtbaren Wellen; schöne Baummassen krönen die Höhen; Dörfer und Weiler, wohlhäbiger noch als im Königreiche Sachsen, zieren die Täler. Das Leben in Altenburg selbst ist schnell geschildert: es ist eben eine kleine Residenz. Im Angesicht des Hofes dominiert die Aristokratie, verschmilzt aber, sobald sie sich von obenher unbeobachtet glaubt, sofort mit dem Volke. So ergibt sich ein fortwährendes Anziehn und Abstoßen, was auf die Einheimischen spaltend und zerstückelnd, auf den Fremden gehässig wirkt. Die Decenz wird mit lächerlicher Strenge beobachtet; niemals sieht man Damen und Herren Arm in Arm; überall, nicht nur an öffentlichen Orten, sondern auch in Gesellschaften, sitzen beide Geschlechter stets in verschiedenen Sälen […] – Übrigens bin ich eine Art kleiner König hier, da ich auf dem hiesigen Bahnhof keinen Vorgesetzten habe und der Einzige, der mir überhaupt zu befehlen hat, in Leipzig residiert. So könnte mein Leben sich recht lieb und angenehm gestalten, wenn ich irgend einen ansprechenden Umgang finden könnte. Aber die jungen Leute sind hier alle Philister, daß Gott erbarm! […]

Apparat

Zusammenfassung

beschreibt die Verhältnisse in Altenburg, wo er seinen Dienst bei der Bahn angetreten hat, beklagt, dass er keinen ansprechenden Umgang finden könne

Incipit

... Ich wollte, Ihr säßet hier mir mir

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Frank Ziegler

Überlieferung

  • Textzeuge: Max Jähns, Friedrich Wilhelm Jähns und Max Jähns. Ein Familiengemälde für die Freunde, hg. von Karl Koetschau, Dresden 1906, S. 201

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