Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater, 25. März 1814

Ständisches Theater in Prag.

Am 25. März wurde zum Besten des Spitals der Barmherzigkeit von einer Gesellschaft Theaterfreunde in böhmischer Sprache aufgeführt: Die Belagerung Prags von den Schweden, oder: Böhmische | Treue und Tapferkeit, vaterländisches Schauspiel in 5 Aufzügen von J. N. Stiepaneck. Das geschichtliche und lokale Interesse dieses vaterländischen Schauspiels, welches der Dichter noch durch eingewebte Episoden zu erhöhen wußte, lieh der gelungenen Darstellung desselben die lebhaftesten Farben der Vergegenwärtigung, wozu die Dekoration des Altstädter Rings auf unserer Bühne und die Theilnahme der jungen Studierenden an der Handlung, die sich einst unter ihrem Anführer Georg Plachy so rühmlich auszeichneten, täuschend mitwirkte. Denn mit jugendlicher Begeisterung thaten sie den Belagerern in der Bestürmung des Berg-Thors so kräftigen Widerstand, daß dieses Kriegsgetümmel (eine sonst von gewöhnlichen Statisten in’s Lächerliche hinübergespielte Scene) uns bei ihrem Andringen, Zurückweichen, und unter Siegesgeschrei erneuerten Angriffen auf den Kriegsschauplatz selbst versetzte, und das Furchtbarschreckliche der Vergangenheit im Bilde sehen ließ. – Unter den Darstellern zeichnete sich auch heute Hr. Kaupowsky als Feldmarschall Graf von Kolloredo durch ein edles, tiefgefühltes Spiel zu seinem Vortheil aus; und nicht minder wirkten zum Gelingen des Ganzen Hr. Wildt als Bürgermeister Kurt von Rosenthal, Dem. Schamberg als Judith, dessen Tochter, Hr. Nigrin als Fahnenträger Przichowsky, Hr. Klitzpera als Georg Plachy, Anführer der Studenten, so wie Hr. Ruscheck als schwedischer Feldherr Königsmark und Hr. Swoboda als Ottowald durch eine lebhafte, patriotischbeseelte Darstellung ihrer Rollen. Mit sprechender Natur gab Hr. Haklik den Bräuer auf der Altstadt, den biedern Paul Trmanusch, und bewirkte durch ein gleiches Zusammenspiel der Mad. Karl als sein Weib Anastasia und Nanette Musyl ihre Tochter, in den munteren Zwischenscenen eine nöthige Erholung des Gemüths, die das komische Spiel des Hrn. Brinke als schwedischer Korporal Jodok, eines feigen, gefräßigen Kriegsknechts, angenehm fortführte. – So hatte sich der Dichter des Beifalls zu erfreuen, welcher nur das Resultat einer Arbeit seyn kann, die den Kräften und Talenten der Darsteller, so wie dem patriotischen und lokalen Interesse der Zuschauer, für welche er schrieb, so angemessen ist, wie dies Volksschauspiel. Möcht’ er uns auch bald in einem Lustspiel die Sitten seiner Landsleute im Spiegel sehen lassen, um den würdigen Beinamen Volksdichter immer mehr zu verdienen. —

Apparat

Zusammenfassung

Aufführungsbesprechung

Incipit

Generalvermerk

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Charlene Jakob

Überlieferung

Textzeuge

Allgemeiner Deutscher Theater-Anzeiger, Jg. 4 (1814), Nr. 22, S. 86–87

Textkonstitution

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