WeGA, Serie III, Bd. 10a: Schauspielmusiken II
Addenda und Corrigenda

Musik zu Karlo (WeV F.20)

Vom verschollenen Autograph der Komposition konnte ein historisches Foto ermittelt werden (vgl. dazu ausführlicher Weberiana, Heft 23 von 2003, S. 119–126, inklusive Abbildung), das den ursprünglichen Befund wiedergibt: Webers Reinschrift, auf einer Seite eines kleinen querformatigen Blattes mit zehnzeiliger Rastrierung notiert und wie der Entwurf A/ew auf den 13. Februar 1820 datiert, enthält 25 Takte für drei Singstimmen ohne instrumentale Begleitung. Somit ist anzunehmen, dass die in den bislang bekannten Quellen K+1 und K+2 überlieferte Form des Werks, wie sie Eingang in die Gesamtausgabe fand, nicht Webers Original, sondern eine Bearbeitung fremder Hand darstellt. Sicher von Weber stammen nur die Vokalstimmen (in der Gesamtausgabe die T. 18–23, 32–37, 46–49, 61–69 ohne Bläser). Einzufügen ist eine Wiederholungsanweisung nach T. 16 (in der Edition T. 49). Zu korrigieren sind die Dynamik in T. 17 (in der Edition T. 61, pp statt p), die Akzentsetzung in T. 2 und 23 (in der Edition T. 19 bzw. 67: Akzent zwischen den Systemen S2 und A, also auch für A gültig) sowie die Notation des Schlusstaktes (T. 25 = T. 69 der Edition) mit einer Brevis statt einer Ganzen. Die inkonsequente Akzentsetzung in T. 62 der Edition (= T. 18 des Autographs) in den Kopien K+1 und K+2, die im Kritischen Bericht auf S. 248 angesprochen wird, beruht lediglich auf einer Fehlinterpretation in den Kopisten-Abschriften: Weber bezeichnete jeweils alle drei Singstimmen. In T. 233 (Edition T. 683) wird von Weber dagegen lediglich der Ton von S2 (f1) mit einem Akzent hervorgehoben; dies wurde in beiden Kopien fehlinterpretiert und in K+1 auch aufS1, in der K+2 auf alle Singstimmen bezogen. Ohne Einfluss auf die Werkgestalt sind minimale Abweichungen in der Bogensetzung (in A in T. 5=22 und 21=65 teils zu lange, teils zu kurze bzw. fehlende Bögen, die gemäß der Silbenunterlegung so zu korrigieren sind, wie in der Edition gesetzt) sowie in der Interpunktion der Textunterlegung.

Das Wiederholungszeichen nach T. 16 signalisiert, dass Weber eine andere Vorstellung vom Einsatz seines Chores hatte, als dies bei der Berliner Uraufführung umgesetzt wurde. Im Schauspiel wird in Szene V/3, die in einer Klosterkirche angesiedelt ist, der Dialog der handelnden Personen durch den „Chor der Nonnen“ untermalt, die zu Beginn in die Kirche ein- und dann wieder ausziehen. Weber schwebte ein a-cappella-Gesang vor, der offenbar entweder während des gesamten Dialogs zwischen Zäzilie und Schwester Therese erklingen soll, oder der Dialog sollte jeweils während der Fermaten (die Wiederholung mitgerechnet insgesamt sieben), also zu gehaltenen Akkorden des Frauenchors, gesprochen werden. Blankensee fügte dagegen in der gedruckten Ausgabe seines Schauspiels die Anmerkung ein: „Zwischen den Pausen der Gesangsstrophen und auch während ihres Verhallens werden die folgenden Verse [...] gesprochen.“ (vgl. Textwiedergabe S. 327). Der Textdruck erschien allerdings erst 1835, es ist also denkbar, dass Blankensee den Hinweis erst nachträglich anbrachte und damit auf Erfahrungen aus der Berliner Einstudierung reagierte; eine zweite Szenenanweisung, nach welcher „der Chorgesang [...] während des Folgenden [an]dauert“, entspricht dagegen genau der Weberschen Umsetzung. Möglicherweise hatte man aus Sorge, der fortlaufende Chor könne das Verständnis des Dialogs erschweren, eine andere Lösung gesucht: Man griff die Untergliederung, die Weber durch Fermaten bereits vorgegeben hatte, auf und fügte zwischen den Quasi-Strophen des Chors instrumentale Zwischenspiele ein, in denen die Bläser Orgelspiel imitieren, das den Dialog melodramatisch untermalt.

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