WeGA, Serie II, Bd. 1: Der erste Ton (WeV B.2)
Addenda und Corrigenda

Der erste Ton (WeV B.2)

Das verschollen geglaubte fragmentarische Autograph des Schlusschores in der ersten Fassung von 1808 A(Chor1)-fr1 (nachfolgend verkürzt zu A) ist 2016 in Privatbesitz aufgetaucht und konnte noch im selben Jahr durch die Staatsbibliothek zu Berlin angekauft werden. Dadurch ergeben sich sowohl Korrekturen zum Anhang-Notentext (S. 73–90) als auch einige Änderungen im Kritischen Bericht.

In der nachfolgenden Tabelle vermerkt sind im wesentlichen klanglich relevante Abweichungen, nicht aber solche, die sinngemäß dieselbe Bedeutung haben (beispielsweise durchgehender Bogen anstelle zweier aneinander anschließender Bögen mit identischer Ausdehnung). Negiert wurden zudem Abweichungen hinsichtlich Orthographie und Interpunktion der Textunterlegung, zumal diese im wieder aufgetauchten Autograph eher willkürlich scheinen (z. B. Unterscheidung Preis/Preiß, Klein-/Großschreibung). Nicht aufgelistet werden zudem Befunde, die zwar in der Kopie fehlten, in der Edition aber bereits vom Hg. als eindeutige Fehlstellen oder Fehler erkannt und ergänzt bzw. korrigiert wurden und nun durch das Autograph eine Bestätigung erfahren (etwa bei Bogensetzungen, fehlenden Trillern und Pausen).

Notenteil

Seite Takt Stimme Bemerkung
73 Vorsatz B „ContraBasso | e Violoncelli“
366f. Cor 1 Haltebogen
74 371f. Vle Bogenbeginn wie in B bereits am Ende von T. 371
372 Vl 1 Strich zur letzten Note
75 386–390 T die in der Kopie fehlende Textunterlegung muss nach A richtig lauten: „die du | selbst ver- | liehn Preis dir o | Ton o | Ton drum“
387 B kein Bindebogen
76 3914–394 Vl 2 jeweils auf 1. Note T. 392, 393 aneinander anschließende Bögen, Weber beabsichtigte wie in der parallel geführten Altstimme ein durchgehendes legato bis T. 3941
395f. Dynamik in A auch in Tr, Timp, B Chor, B (wie in Fl) bereits T. 3954 ein ff (ohne Wiederholung in T. 396), in Alt zu Beginn von T. 396 ein ff (in S aber ein f)
395 Ob Bindebogen über den gesamten Takt
77 401 Vle Bogenbeginn wie in B bereits mit 2. Note
79 411f. Ob nur ein Bogen und eine Halsung (aber trotzdem wohl a due gemeint)
81 4234 B Chor Textunterlegung: „dein“ (nicht „der“)
424 Cl Bogenende nach letzter Note, vor dem Taktstrich, aber eindeutig auf T. 4251 bezogen
Vle Bogenende mit 4. Note
4264 S Textunterlegung: „dein“ (nicht „der“)
82 4322 B Strich zur 2. Achtel
84 441 Fl Solo (statt Soli)
85 448b Fg 1 Akzent
86 4544 Streicher Beginn des crescendo bereits hier
4551 Ob pp
458b Fl 2 g2 (nicht b2)
Fg 1 es (Oktavlage wie Fg 2)
S, A, T ff erst hier (nur in B Chor zu Taktbeginn)
87 461–463 Fl, B Striche (statt Punkte; in B nur T. 461f.)
88 467a Ob es2, b1, c2, d2 (so auch in der Kopie, Satzfehler in der WeGA)
471f. Ob kein Haltebogen
89 473f. B kein Bogen
475–477 T keine Bindebögen
476f. Ob 1 kein Haltebogen
477–479 B Chor Haltebögen
477f. S, A kein Bindebogen
479–4801 S, A, T Haltebogen (entgegen der Textunterlegung, nicht in B Chor)
90 483–485 Timp Bögen (also Taktschwerpunkte nicht hervorzuheben)
483b Vle pp (im Gegensatz zu Vl 1, 2)

Textteil

Seite Bemerkung
180

zusätzlicher Aufführungsnachweis für Der erste Ton:

am 5. März 1823 in Nürnberg; Quelle: Friedens und Kriegs Kurier, 1823, Nr. 54 (4. März), S. 238

186

neue Quellenbeschreibung:

A(Chor1)-fr1 (D-B)

Autograph des Schlusschores in der Erstfassung, Fragment 1, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, 55 MS 207; 6 Bl. (12 b. S.), 23 x 29,5 cm quer

ohne Titel

Datierung: abgeschlossen März 1808

Provenienz: von Caroline von Weber aus dem Nachlass Webers am 3. September 1829 an Friedrich Wilhelm Jähns verschenkt (vgl. Max Jähns, Friedrich Wilhelm Jähns und Max Jähns. Ein Familiengemälde für die Freunde, Dresden 1906, S. 44) <> von Jähns im Austausch gegen ein anderes Weber-Autograph 1836 an Caroline von Weber zurückgegeben) <> 1865/66 im Besitz von Henry Vieuxtemps, Frankfurt a. M., danach bis 2016 durchgehend in Familienbesitz (letzte Besitzerin: Agnès Mensah) <> 2016 durch die Bibliothek aus Familienbesitz erworben

Literatur: Jähns (Werke), S. 74

Das Autograph besteht aus 3 hintereinander gelegten, durch Heftung verbundenen Doppelblättern, die 16-zeilig rastriert (vermutlich mit Einerrastral, Höhe des Notensystems 0,65 cm) sowie mit Bleistift paginiert sind (als S. 41–52). Das ursprünglich letzte Blatt mit S. 53 hatte bereits Weber abgetrennt, um auf der leeren Rückseite der unteren Hälfte 1820 das Lied Schmerz zu notieren. Diese Niederschrift (vgl. A(Chor1)-fr3) schenkte er dem Textdichter des Liedes, Georg Graf von Blankensee.

Das Manuskript enthält einige, nicht zur Fassung von 1808 gehörige Nachträge Webers, was darauf hindeutet, dass der Komponist seine Umarbeitung für die Drucklegung von 1810 zunächst (vielleicht nur in Teilen?) in der Erstniederschrift selbst vornehmen wollte, sich dann aber doch zu einer erneuten vollständigen Niederschrift entschloss; möglicherweise betrachtete er das Autograph der verworfenen Chorfassung aber auch nur noch als Arbeitspartitur, in der er sich einzelne Verbesserungen vermerkte, bevor er die Niederschrift der Neufassung begann. Die in den T. 434–438 in den Chorstimmen Alt und Bass mit dunklerer Tinte eingetragenen Korrekturen entsprechen bereits der späteren Fassung des Schlusschors (dort T. 450–454 – vgl. Edition S. 190). Auch die Hervorhebung von Taktstrichen durch vertikale Schlängellinien (zwischen T. 449/450, 458/459, 481/482) könnte der Vorbereitung der Niederschrift der Neufassung gedient haben (üblicherweise bezeichnete Weber in Vorlagen zu Reinschriften in dieser Art die Seitenumbrüche); sie dürften demnach den Seitenwechseln des noch immer verschollenen Autographs des Schlusschores in der 2. Fassung von 1810 entsprechen.

Über den Notentext hinausgehend finden sich wenige zusätzliche Eintragungen, so auf S. 41 am rechten Rand neben den Chorsystemen mit Tinte die Ziffern 3 | 1 | 2 | 2; diese könnten von Weber selbst notiert sein. Weitere Zusätze stammen von fremder Hand, dazu gehören auf S. 41 Bibliotheksnachträge von 2016 (oben links mit Bleistift die Signatur notiert,außerdem unten Mitte ovaler roter Bibliotheksstempel). Nicht gesichert ist die Bedeutung verschiedener Markierungen: Zu Beginn jeder Seite sind die Systeme Cor, Tr, Timp und Tbn mit Rötel anfangs durch Punkte (auf S. 41 über T. 363, sonst immer im Vorsatz), später durch Striche markiert (wohl von fremder Hand). AufS. 45 bis 48 sind mit Bleistift Ziffern unter dem System jeweils am Taktstrich notiert (jeweils nach zehn Takten): 10, 12, 14, 16; auf S. 48 und 50 mit Tinte die Zahlen 12 und 15; außerdem diverse Zeichen (Striche, Punkte, Kreuze) mit Tinte oder Rötel unter dem System (sicher von fremder Hand). Friedrich Wilhelm Jähns trug Hinweise auf die Ausdehnung der Neufassung von 1810 ein: auf S. 42 (zu T. 380ff.) am unteren Rand: „die spätere Umarbeitung erstreckt sich bis pag. 48 Tact 2 und | ist 16 Tacte länger“; damit korrespondierend auf S. 48 (unter T. 433) „bis hier“.

193 Quellenbewertung: Die ursprünglich für den Notenanhang (T. 363–484) verwendete Hauptquelle, die für Jähns nach dem Autograph angefertigte Abschrift K+1, verliert als abhängige, postume Quelle nunmehr jegliche Bedeutung für die Edition.
Seite Takt Stimme Bemerkung
203 390 Vl 2 Bogensetzung in A identisch wie in der Kopie (also nicht, wie gemutmaßt, ein Kopisten-Versehen)
398b Cl in A halbe Note fis2 (klingend e2) mit Bleistift nachgetragen [sic]; Schreiber des Nachtrags nicht eindeutig zu bestimmen
4092–4113 Vl 2 Oktavierungsanweisung auch in A von Weber mit Bleistift nachgetragen
4152–4163 A in A ungeachtet der Textunterlegung durchgehender Bogen (wie in K+1)
419a B Akzent mit Bleistift nachgetragen (vermutlich von Weber)
4241 Vl 2 Stimmführung identisch mit jener in der Kopie (also abweichend von der parallel geführten Altstimme)
204 464–4691 Phrasierung Auch in A ist ein durchgehendes legato bezeichnet, aber mit teils abweichenden Bogenlängen: T. 464 Bogenbeginn Vl 1, B mit 1. Note (kein Bogen in Vl 2), Bogenende B auf 1. Note T. 465 (überlappend mit Beginn des nächsten Bogens), T. 466 Fl Bogenende auf 1. Note und Beginn des nächsten Bogens auf 3. Note, Cl Bogenende und -beginn überlappend jeweils auf 1. Note, T. 467 Vl 1, S Bogenende und -beginn überlappend jeweils auf 1. Note, Cl Bogenende und -beginn überlappend jeweils auf 5. Note.
475 A, T Identisch wie in K+1 ist auch in A von Weber alternativ zu den ganzen Noten (in kleinerer Schrift) jeweils eine halbe Note (identische Tonhöhe) und eine halbe Pause eingetragen; eine vom Hg. in der Edition gemutmaßte Fehlinterpretation des Kopisten lag demnach nicht vor. Der Sinn der Eintragung bleibt unklar.

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