Über das Sängerpersonal im Theater zu Pressburg

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Correspondenz-Nachrichten.

Monath Februar 1823. Königl. städt. Theater zu Pressburg.*)

Mein werthester Herr Redacteur! Ein nicht unrühmlich bekannter Musik- und Theaterkenner theilt Ihnen für Ihre vielgelesene Zeitung eine unpartheyisch vollgültige Berichtigung über den Zustand der hiesigen Oper, mit welcher man in Ihren Blättern zu stiefmütterlich verfahren ist – mit. Als wahrheitsliebender Mann will er die Schwäche und Stärke derselben mit Sachkunde beleuchten. Ersterem zufolge fehlt ihr freylich eine zweyte Sängerinn, ein Bariton und ein zweyter Tenor, und wo diese drey Hauptfächer abgehen, ist die Wahl der zu gebenden Opern freylich sehr beschränkt, jedoch soll man das Kind nicht mit dem Bade ausgießen, und manche gelungene Opernaufführung wie auch die vorzüglichen Opernindividuen nicht unerwähnt lassen. Beyfällig wurden die Opern: "Tage der Gefahr," "Freyschütze," "Agnes Sorel["] u. a. m. vom hieseigen Publikum aufgenommen. – Mad. Ney, erste Sängerinn, ist für jede Provinzialbühne gewiß brav zu nennen; ihre Stimme ist, bey vieler Geläufigkeit, von bedeutendem Umfange, sonor und stark. Erster Tenor, Herr Kreiner. – Wenn man von dem Grundsatze ausgeht, daß ein Tenorist nur für den jetzigen Geschmack – ob richtig oder nicht, sey dahin gestellt – Genüge leisten soll, bliebe bey Herrn K. Vieles zu wünschen übrig, das heißt: er hat die natürliche Höhe nicht dazu, dafür ist die Mittellage seiner Stimme voll, wohltönend, und zu mancher artigen Ausschmückung geläufig und biegsam. Der Umfang seiner Bruststimme ist vom tiefen Tenor C zum G über dem Notensystem, dann von A bis ins hohe C Falset. In Hinsicht des Spiels hat Herr K. bey seiner Jugend und angenehmen Gestalt, Vieles vor manchem der ersten Tenorsänger in den österreichischen Erbstaaten zum voraus. Dem. Nowak, ist, neben ihrem Fache für naive Rollen im Schauspiel, zur Oper für dritte Singparthien engagirt und leistet da und hier viel Lobenswerthes. Herr Gned, erster Baß. Es wäre überflüßig wiederholt ein Lob auszusprechen, das diesem wackern Sänger, früher schon, in Wien, Prag, Pesth u. s. w. zu Theil wurde. Herr Zwonezcek*, zweyter Baß, singt auch komische Parten. Beyden stand er auf den Theatern zu Lemberg, Gratz und schon früher hier, mit Beyfall vor. Herr Krones*, Komiker, ¦ für die Oper und fürs Schauspiel. Der erste Eindruck ist der bleibende, pflegt man zu sagen, dieses bewährte sich auch an Hrn. K., da er verfehlt wurde, auch hat eine anhaltende Heiserkeit ihn außer Stand gesetzt, das zu leisten, was man von seinem Vorgänger, Herrn Hopp, zu erwarten berechtiget ist. Mad. Picolini, geb. Rohrbeck*, wäre allenfalls Dem. Nowak gleich zu stellen. Hr. Piccolini, leistet viel in Bauernburschen, Bedienten und Rollen nach Thaddädl-Art. Mad. Ziegelhauser* singt Alt- und Nebenparten. Dann sind 12 Choristen und 8 Choristinnen im stehenden Engagement. Zum Beweis, daß das Chorpersonale gut ist, dient, daß Herr Reichel (jetzt beym Kärntnerthorhoftheater angestellt) erst noch kürzlich unter dieses zu zählen wär.

[…]

[Original Footnotes]

  • Von einem dritten Correspondenten.

Editorial

Summary

ausführliche Beschreibung des Preßburger Sängerpersonals

Creation

Responsibilities

Übertragung
Mo, Ran

Tradition

  • Text Source: Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens, Jg. 16, Nr. 37 (27. März 1823), pp. 148

    Commentary

    • “… zu Theil wurde. Herr Zwonezcek”Alois Franz Zwoneczek (geb. 20. Juli 1778 in Brünn), engagiert 1806–1816 in Lemberg, 1816–1821 in Graz und 1821–1824 unter Hensler in Preßburg (sowie in Baden bei Wien und am Josephstädter Theater in Wien); später Theaterdirektor in Brünn (1825–1831), Ofen (1832), Agram (1834/35) und Laibach (1835/36).
    • “… mit Beyfall vor. Herr Krones”Joseph Franz Krones (1797–1832).
    • “… Mad. Picolini , geb. Rohrbeck”Elise Piccolini, geb. Rohrbeck (1803–1868); sie wechselte 1828 (nun wieder als Elise Rohrbeck) aus Baden bei Wien ans Theater in der Leopoldstadt (dort bis 1838).
    • “… Rollen nach Thaddädl-Art. Mad. Ziegelhauser”Josepha Ziegelhauser (ca. 1776–1856), Witwe des Schauspielers Georg (Julius) Ziegelhauser (1770–1820), der von 1798 bis zum Tode am Leopoldstädter Theater in Wien wirkte.

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