Aufführungsbesprechung, Prag: Erwähnung verschiedener Schauspieler, Sänger und Werke, Mai – September 1815

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Theater.

Prag. – (Aus der Prager Zeitung.) Herr Rosenfeld vom Pesther Theater, dessen wir schon erwähnt haben, gab nachher noch den Ostade in der Oper gleiches Nahmens, den Marquis von Ravannes in den vornehmen Wirthen, König Carl in Agnes Sorel, und Murney im unterbrochenen Opferfest, und ward, besonders in den beyden letzten Rollen, mit dem einstimmigsten Beyfalle aufgenommen.

Herr Ehlers folgte ihm, und entsprach ganz den hohen Erwartungen, zu welchen sein, in ganz Teutschland anerkannter, ihm vorausgegangener Ruhm berechtigte. Schon seine erste Erscheinung als Johann von Paris zeigte die Sicherheit des Meisters, die mit derselben Präcision die Hoheit des Prinzen, als die muthwillige Lustigkeit seiner angenommenen Rolle zu zeichnen versteht. Alle Kenner, die ihn schon vor längerer Zeit kannten und zu schätzen verstanden, kommen darin überein, daß er seit Jahren wohl an Kunststudium zugenommen, aber keineswegs an Feuer und jugendlicher Lebhaftigkeit etwas verloren habe, was leider sonst bey den meisten Künstlern in umgekehrten Verhältniß steht. Außer dieser Rolle hatten wir noch den Genuß, ihn als Murney im unterbrochenen Opferfest, Marquis von Ravannes in den vornehmen Wirthen, Johann im neuen Gutsherrn – welche Oper aber im Ganzen nur sehr getheilten Beyfall erhielt – und Don Juan zu sehen, und seine Erscheinung war ein jedesmahliges Fest für alle Freunde der Kunst.

Mad. Brede, einst eine der vorzüglichsten Zierden unserer Bühne, jetzt königl. würtembergische Hofschauspielerinn, ist wenigstens als erfreulicher Gast zu uns zurückgekehrt, und hat uns einige der reichsten Kunstgenüsse gewährt. Sie betrat am 11. August als Hofräthinn in der falschen Scham zum ersten Mahle wieder unsere Bühne, und ward, wie es ihre frühern Verdienste erwarten konnten, mit der herzlichsten Theilnahme empfangen; als sie nach dem Schlusse des Stückes hervorgerufen wurde, erinnerte sie in einigen eben so geist- als gefühlvollen Dankesworten an die schöne Zeit, da wir sie noch unser nennen konnten. Am 14. spielte sie die Gräfinn Orsina in Emilia Galotti, am 17. Bertha im ver¦bannten Amor, am 22. Lady Milfort in Kabale und Liebe, und am 24. Wilhelmine in der Entführung von Jünger, und erfreute sich jedes Mahl eines ungetheilten Beyfalls.

Herr Kobler und die beyden Dlls. Johanna und Therese Kobler haben sich eine kurze Zeit hier aufgehalten, und hier vier Divertissements gegeben, am 3. und 15. Juny die glückliche Wilde, am 4. July das verliebte Gärtnermädchen, am 6. die nächtlichen Liebhaber, und am 11. und 13. den Raub der Zemira. Es ist unläugbar, daß diese Familie alles, was wir seit einiger Zeit von Tänzern gesehen haben, weit verdunkelte, besonders verdient Herr Kobler unter die ersten Grotesktänzer Teutschlands gezählt zu werden.

Herr Brinke vom Leopoldstädter Theater in Wien, hat auch sein Vaterland wieder besucht, und auf die glänzendste Weise dargethan, daß der Ruf sein komisches Talent nicht übertrieben habe. Er gab am 23. July als erste Gastrolle Arlequin als Apotherkerjunge, welches am 24. und 29. wiederhohlt wurde, und am 4. August Perseus und Andromeda, und bewies in jeder dieser Pantomimen, wie ganz er den Charakter des Arlequins, der aus einer ewigen Beweglichkeit, Schelmerey und Muthwillen besteht, aufgefaßt habe; seine Lebendigkeit in Darstellung desselben ist so bewunderungswerth, daß wir glauben, er würde selbst in Italien, dem eigentlichen Vaterlande der Pantomime, vielleicht mit rauschendern Beyfall aufgenommen werden, als hier, wo man an diese Kunstgattung zu wenig gewöhnt ist, um ein Talent in derselben vollkommen würdigen zu können.

Den 13. August gab Herr Brinke zu seinem Besten ein komisches Ballet: Der Maskenschneider Ziegenbart, oder die Zusammenkunft auf der Redoute, welches ebenfalls am 15. wiederhohlt werden mußte. Sowohl in diesem Ballet als in den beyden vorhergehenden Pantomimen ward er von unserm vortrefflichen Pierrot, Herrn Supper, der täglich neue Beweise seiner unerschöpflichen komischen Laune gibt, auf die ausgezeichneteste Weise unterstützt.

Mad[.] Horschelt mit ihren beyden Töchtern hat unsere Bühne verlassen, und sich nach Wien begeben; dagegen ist Mad. Sonntag seit einigen Wochen ein Eigenthum unserer Bühne geworden.

Editorial

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Responsibilities

Übertragung
Jakob, Charlene

Tradition

  • Text Source: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 7, Nr. 107 (7. September 1815), pp. 446

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