Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater: Bericht über weitere Gastspiele der Auguste Schmidt, Juli 1815

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Theater.

Prag, den 22. July. – Noch in fünf Rollen hatten wir das Vergnügen, Mad. Auguste Schmidt auf unserem ständischen Theater zu sehen: als Eulalia in Menschenhaß und Reue, Amalie in den Räubern, Frau Professorinn im verbannten Amor, Lottchen im Bruderzwist, und als Agnes Bernauer. Lauter und ungetheilter Beyfall, so wie das Hervorrufen nach jedem Stücke sind Beweise, daß ihr Spiel dem Publicum wirklich Vergnügen gewährte. Es ist schwer zu bestimmen, in welcher dieser Rollen sie besser gefiel; denn trotz dem, daß das Fach der muntern, naiven Mädchen eigentlich das ihre zu seyn scheint, hat sie doch auch die gefühlvollen Rollen der Eulalia, Amalie und Agnes Bernauer sehr gut durchgeführt. Als Amalie wurde sie durch das ganz verunglückte Spiel eines Herrn Blümel, der als Franz Moor die Gastfreyheit der hiesigen Theaterdirection mißbrauchte, schlecht unterstützt, desto besser durch Herrn Bayer als Carl Moor und als Unbekannten in Menschenhaß und Reue, so wie im verbannten Amor durch die braven Mitglieder des hiesigen Theaters überhaupt, und insbesondere Herrn Polawsky als Professor, Herrn Bayer als Doctor, und Mad. Brunetti als dessen Frau, dann durch Hrn. Reitzenberg, der den Albrecht in Agnes Bernauer brav und mit allem Beyfalle als Gastrolle gab. Es zeigte sich deutlich, daß Mad. ¦ S. bey jeder Vorstellung die allgemeine Zuneigung immer mehr gewann. Man schmeichelte sich mit der Hoffnung, diese achtungswürdige Künstlerinn künftig zu den Mitgliedern unserer Schaubühne zählen zu dürfen, und bedauert, diesen Wunsch nicht erfüllt zu sehen; denn sie hat Prag schon verlassen, um an andern Orten ihr geübtes Kunsttalent zu zeigen.

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Jakob, Charlene

Tradition

  • Text Source: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 7, Nr. 92 (3. August 1815), pp. 386

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