Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater: U. a. “Die Dorfsängerinnen” von Valentino Fioravanti, Januar 1814

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Prag. – Den 29. Jänner: Männertreue, oder: So sind sie alle, Lustspiel in 1 Act in Versen. – Der Inhalt dieses recht artig durchgeführten kleinen Stückes besteht bloß darin, daß ein verliebter junger Mann (Herr Polawsky) seine Frau (Mad. Brede) durch die wüthendste Eifersucht quält, und gleichwohl auf Nebenwege geräth; dieß erfährt sie durch ein junges Mädchen (Mad. Allram), das bey ihr Schutz gegen seine verliebten Nachstellungen sucht, und den Unglauben der Frau durch den zärtlichsten Liebesbrief von der Hand des Mannes besiegt. Die Frau ängstigt den argwöhnischen Sünder durch Mantel und Hut eines Officiers, worein sie ihre Nebenbuhlerinn hüllt, und als dieser den fürchterlichen Rivalen ermorden will, fällt der Mantel; er erblickt seine Geliebte, und kehrt beschämt und reuig zu den Füßen seiner Gattinn zurück, die ihn nach einer launigen Strafpredigt wieder zu Gnaden annimmt. Die Versification ist leicht und wohlklingend, der Dialog gewandt und das Ganze geeignet, bey guter Aufführung zu erfreuen. Mad. Brede, die nach einer langen Unpäßlichkeit zum ersten Mahle wieder die Bühne betrat, und mit der herzlichsten Theilnahme empfangen wurde, both ihren ganzen Reichthum von Laune und Schalkhaftigkeit auf, um gleichsam sich selbst zu übertreffen, und wurde unter den rauschendsten Beyfallsbezeugungen hervor gerufen. Auch Hr. Polawsky gab den Doctor sehr brav; doch hätten wir ihn lieber von Hrn. Bayer gesehen, dessen männliches Wesen die Rolle des Eifersüchtigen besser kleidet.

Den 30.: Die Dorfsängerinnen, Oper in 2 Acten von Fioravanti. – Die Wirkung, welche diese Oper – an sich eine der unbedeutenden Erscheinungen der italienischen Tonkunst – auf den größten Theil des kunstliebenden Publicums machte, ist ein neuer Beweis, daß unser Kunstgeschmack mehr mit dem südlichen Italiener, als mit dem westlichen Franken verwandt ist, und es kein Schade für die Direction seyn würde, wenn sie sich bemühte, ¦ uns die größern und bedeutendern italienischen Opern darzustellen. Wenn wir die Repertoirs der letztern Jahre durchgehen, so finden wir, daß außer Aschenbrödel, die noch überdieß ihren Erfolg mehr dem Auge als Ohr verdankt, keine französische, oder im französischen Genre gearbeitete Oper – ich nehme Spontini, Boyeldieu’s geistreichen Johann von Paris und den tiefgefühlten Joseph von Mehul aus, welche durchaus von dem Kunststyl der Franzosen abweichen, und zum Theil eine ganz neue Bahn einschlagen, – großes Glück gemacht; aber es würde lohnreich seyn, die bessern Werke der Italiener mit verbesserten, oder wo es Noth thut, durchaus umgearbeiteten Texten wieder auf die Bühne zu bringen, und gewiß würde auch die Kasse dabey nicht zu kurz kommen.

Die Musik der Dorfsängerinnen ist weder fehlerlos, noch kann sie unter die gehaltvollsten Compositionen gerechnet werden: doch enthält sie einzelne schöne Musikstücke, und das Ganze hat Leben und Feuer. Der Text ist freylich erbärmlich, die Intrigue ganz sinnlos, und hat kein anderes Interesse, als daß sie die Geschichte jedes Theaters, vorzüglich klar und deutlich aber die Schicksale der Prager Operngesellschaft ausspricht. Es ist unbegreiflich, wie Herr Grünbaum – wenn Miß Fama wahr spricht, die ihn als Übersetzer dieser Oper angibt – es über’s Herz bringen konnte, diese bittere Satyre auf sich und seine Kunstgenossen ins Teutsche zu übertragen.

Mad. Grünbaum als Rosa entfaltete wieder alle Wunder ihrer Kehle, und ließ in jeder Hinsicht nichts zu wünschen übrig; auch Hr. Grünbaum (Carlino) sang sehr brav und kräftig, und spielte mit mehr Lebendigkeit als gewöhnlich. Hr. Siebert sang den Capellmeister, und Hr. Allram spielte den podagrischen Tenoristen recht artig; auch Mad. Allram gab die Wirthinn mit vielem Fleiß. Dlle. Brand nahm sich nicht so gut als gewöhnlich aus, und es scheint fast, als wäre sie nur in der französischen Oper in ihrer Sphäre.

Editorial

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Übertragung
Ziegler, Frank

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