Theater-Neuigkeiten aus Breslau (Mai 1804)

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Theaterneuigkeiten aus Breslau.

(Breslau 16 Mai.) Herr Karl Maria von Weber, ein Zögling Joseph Haydns und Mozarts Schwager, vom Abt Vogler der hiesigen Theaterdirekzion empfohlen, ist als Musikdirektor engagirt und hat so eben den Kontrakt eingesandt. – Hrn. Rhode, der ehemals schon in Riga ein Theater entreprenirt haben soll, hat der Ausschuß nunmehr die dramaturgische Stelle der Direkzion mit den geforderten 800 Thlrn. jährlichen Gehalts übertragen, nachdem zuvor das Anerbieten eines gewissen Herrn von Hohlbein (jetzigen Gemahls der ehemal. Gräfin Lichtenau), das Theater mit dem Privilegium entweder zu kaufen oder es in Pacht zu übernehmen, von dem Ausschuß von der Hand gewiesen worden war.

Mit Hrn. Schauspieler Roose vom K. K. Hoftheater zu Wien ist wegen Uebernahme der Regie lange Zeit unterhandelt worden. Aber er ist dem Ausschusse ¦ zu theuer. Er wird jedoch mit seiner Frau im Sommer herkommen und einige Gastrollen mit ihr spielen. Man hoft sich alsdann noch mit ihm zu einigen. Hr. Scholz würde unter diesen Umständen mit in die Direkzion kommen, und dieser Veteran der Kunst auf diese Art brauchbarer gemacht werden.

An Hrn. Miller vom Schleswigschen Hoftheater haben wir einen braven Tenoristen erhalten. Er hat einen seltenen Umfang und Höhe der Stimme, und ist aus einer guten Schule. In der „Entführung aus dem Serail“ hat er als Belmonte und im „Axur“ als Tarare vielen Beifall erhalten.

Die hiesige Oper hat überhaupt jetzt Sänger, und eine Sängerin, Mad. Schüler, wie sie die Berliner Bühne schwerlich besser*) besitzt. Es werden nun auch bei verbesserten Kassen-Umständen noch mehr stehende Mitglieder im Orchester angenommen. – Eine Sängerin, an die Stelle der auf Johannis abgehenden Madame Fleischer, welche sich mit dem Geh. Sekretär Bürde verheirathet, wird erwartet. Ihr Abgang wird, ihrer seltenen Stimme wegen, und da sie bei ihren großen Fortschritten als Schauspielerin ohne alle Anmaßung blieb, allgemein bedauert. Man soll erst willens gewesen sein, die Demois. Bessel aus Königsberg zu engagiren, aber die Nachrichten, die man über ihr wirkliches Verdienst erhielt, ließen einen ungewissen Erfolg erwarten und so sollen die Unterhandlungen abgebrochen worden seyn.

Das fernere Gedeihen dieser Theater-Anstalt, welche jetzt (und man darf wohl hinzusetzen, durch die gute Oekonomie des nunmehr aus der Direkzion getretenen Herrn Kriegs- und Domänenraths Bothe) fast schuldenfrei ist, da solche noch vor zwei Jahren über 8000 Thaler Schulden hatte, scheint nun nicht mehr zweifelhaft, und hängt nun von einer sorgsamen Leitung ab, worauf die Erwartungen des Publikums gespannt sind.

[Original Footnotes]

  • *) Eigentlich hat der achtungswerthe Hr. Korrespondent geschrieben: „wie sie die Berliner Bühne nicht besitzt.“ Aber das scheint mir zuviel gesagt. Ich kenne Madame Schüler, ich kenne aber auch Mad. Schick*; jener ihr Gesang ist sehr süß, doch viel monoton und wenig künstlerisch; aber diese hat Kraft und Großheit im Gesange, sehr schönen ächt kunstgemäßen deklamatorischen Ausdruck; – ihre Iphigenie wird ihr so leicht keine Sängerin nachsingen. Andere Sängerinnen von der Berl. Bühne zu geschweigen. d. H.

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Ziegler, Frank

Tradition

  • Text Source: Zeitung für die elegante Welt, Jg. 4, Nr. 62 (24. Mai 1804), col. 493f.

Text Constitution

Commentary

  • “… kenne aber auch Mad. Schick”Margarete Luise Schick, geb. Hamel.

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