Philipp Walther an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Darmstadt, Dienstag, 17. Februar 1874

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Hochverehrter Herr!

Ihre dem Dr. Lennert ausgesprochenen Wünsche veranlassen mich, persönlich mit Ihnen in Briefwechsel zu treten. Daß ich grundsätzlich unsere Bibliothek möglichst nutzbar zu machen bemüht bin, wollen Sie aus dem Umstande entnehmen, daß ich den Dr. Lennert, nachdem ich den Weberschen Clavierauszug zu der Vogler’schen Oper in die Verzeichniße der Hofbibliothek aufnahm, beauftragte, Ihnen von der Wiederauffindung des von Ihnen vermißten Werkes Kenntniß zu geben. Daß Sie im J 1863 bei Ihrem Besuch [in] der nunmehr (seit 1873) mit der großen Hofbibliothek vereinigten Hofmusikbibliothek das Werk nicht fanden, ist mir, da ich den Zustand dieses von der Hoftheaterdirection verwalteten Instituts kennen gelernt habe, ganz begreiflich. Ich freue mich im Intereße der musikalischen Literatur, daß diesem Zustand durch die hohe Einsicht meines allergnädigsten Großherzogs* ein Ende gemacht ist, und werde die meiner Aufsicht anvertrauten Schätze zum Gemeingute machen, soweit dieß sich mit den mir gegebenen Instructionen vereinigen läßt. Ich muß Ihnen aber deßwegen mit Bedauern mittheilen, daß es mir nicht möglich ist, Ihrem Wunsche zu willfahren, und Ihnen die musikalische Seltenheit nach Berlin zu senden. Selbst wenn unser Ministerium mich dazu autorisieren wollte, würde ich meine Bedenken mit Rücksicht auf die möglichen Consequenzen nicht verschweigen können.

Die von Ihnen gesuchten Weber’schen Variationen sind bis jetzt noch nicht aufgefunden. Sobald sie aber, bei der dermalen in Ausführung begriffenen genaueren Aufzeichnung der musikal. Schätze, von denen nur die für Aufführung geeigneten von der früheren Verwaltung in die Verzeichniße aufgenommen worden waren, aber höchstens solche andere, die für einzelne, bei der Verwaltung betheiligte Personen ein privates Intereße hatten, — gefunden werden, werde ich dafür sorgen, daß Ihnen sogleich Nachricht gegeben wird.

Indem ich mir erlaube, Ihnen die erste Abtheilung unserer Musikalienbibliothek, die als Acceßionscatalog der Hofbibliothek im J. 1873 erschienen ist*, hier beizulegen, zeichne ich mit dem Ausdruck größester Hochachtung und Verehrung Ihr ganz ergebener
Dr. Walther
Geheimrath.

Apparat

Zusammenfassung

teilt mit, dass er den Weberschen Kl.A. zu Voglers Oper (Der Admiral), der bei J's Besuch 1863 nicht gefunden werden konnte, in die Verzeichnisse der Hofbibliothek aufgenommen habe; die Hofmusikbibliothek ist seit 1873 mit der Hofbibliothek vereint und wird neu katalogisiert; einer Ausleihe der Handschrift nach Berlin kann er jedoch nicht zustimmen; er legt den 1. Teil des Zugangskataloges der Musikalienbibliothek bei; die Variationen seien bis jetzt jedoch nicht aufgefunden

Incipit

Ihre dem Dr. Lennert ausgesprochenen Wünsche

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 645

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.)
    • Kopfbogen: Grossherzogliche Direction der Hofbibliothek

    Einzelstellenerläuterung

    • „… hohe Einsicht meines allergnädigsten Großherzogs“Großherzog Friedrich I. von Baden (1826–1907) .
    • „… im J. 1873 erschienen ist“Accessions-Katalog der Grossherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt, Jg. 1873; fortgesetzt durch den Supplementband von Philipp A. F. Walther, Die Musikalien der Grossherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt, Darmstadt 1874, enthaltend das Verzeichnis der 1873 in die Hofbibliothek überführten Musikalien aus den Bereichen Kirche, Bühne, Haus und Kammer.

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