Friedrich Wilhelm Jähns an Carl Ludwig Wilhelm Baermann in München
Berlin, Freitag, 15. Mai 1868

Sie seltener, liebenswürdiger Freund.

Von Arbeit, Briefschulden, Papp- und Ölqualm und Leibschmerzen gequälter Freund schreiben mir dennoch einen so reizenden ausführlichen humorstrozenden Schreibebrief, der mir lautes Freudenlächeln entlockte, trotzdem ich allein war! Nein, das ist allzu lieb und gut, daß ich auch sogleich wieder zur Feder griff, obwohl ich heut schon 25 Seiten Brief zusammengeschmiert habe und meine Hand gar starr u. mein Kopf ganz wirre ist. Da muß man aber nicht faul sein und so will ich denn auf das Innigste und Wärmste dem lieben guten Freunde danken, für all das liebe, mir so nützliche und so wahre Künstlerische, was er mir schrieb. – Daß die Fmoll Concert-Autographen-Frage so direct nun entschieden ist, ist mir sehr, sehr lieb; absolutes zu bringen muß ich mir so sehr angelegen sein lassen, denn ich bringe, muß bringen, leider bringen manches- u. vielerlei fragmentarisches, unabschließendes, relatives. Die Musik zu Ihres Papa’s Namenstage war 2 Tage in meinen Händen und habe aus dem Autogr. (einem sehr gefälligen Hrn Roeth in Augsburg zugehörig)* alles Nöthige entnommen. Über Quintett u. Duo sagen [Sie] das Vortrefflichste u. Beste und zugleich so liebe-durchwärmteste, was zu denken ist. Dank, innigsten Dank für Ihre wa[h]rlich große Opferfähigkeit! –

Ich werde nun Ihre Äußerungen nun erst noch durchdenken u. bei mir zu Fleisch u. Blut werden lassen, damit das noch Nöthige für meine Characteristiken in dieselben übergehe. Ich setze dieselben hieher, damit sie mir Ihre Meinung sagen darüber, wo zu ändern, wegzulassen oder von dem, was Sie mir schrieben hinzusetzen wäre. Sein Sie nicht bös, daß ich nicht aufhöre, Sie zu peinigen. Meine Notizen, wie ich sie schon vor etwa 8 Tagen geschrieben lauten so:

Für das Quintett:*

Apparat

Zusammenfassung

Antwort auf Weberiana Cl. X, Nr. 26 (B. an J. vom 14. Mai 1868), darin hatte sich B. über W's Klarinettenkompositionen auf Bitte von J. geäußert

Incipit

Sie seltener, liebenswürdiger Freund

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 1106 (Entwurf)

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (3 b. S. o. Adr.)
Weitere Textquellen
  • Eveline Bartlitz, „Ich habe das Schicksal stets lange Briefe zu schreiben ...“. Der Brief-Nachlaß von Friedrich Wilhelm Jähns in der Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Die Briefe Carl Baermanns an Friedrich Wilhelm Jähns, in: Weberiana. Mitteilungen der Internationalen Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft e. V., Heft 8 (1999), S. 5–47

Textkonstitution

    Einzelstellenerläuterung

    • "… Hrn Roeth in Augsburg zugehörig)": F. W. Roeth, Vorsteher der Allgemeinen Zeitung, Augsburg, besaß nur die beiden Tenorstimmen zur Burleske (JV 180), sie liegen heute in Stockholm, Stiftelsen Musikkulturens främjande (Nydahl Collection) MMS 1474; die Sopranstimme wird in D-B unter der Signatur Mus. ms. autogr. C. M. v. Weber 6 aufbewahrt, sie konnte 1936 erworben werden. Jähns rekonstruierte die Komposition in Unkenntnis der Sopranstimme für drei Tenöre: D-B, Weberiana Cl. III B, Bd. 3, Nr. 54 B; Cl. IV B [Mappe III], Nr. 730; Cl. IV B [Mappe IV], Nr. 803.
    • "… Für das Quintett :": Hier bricht der fragmentarische Brief-Entwurf ab.

    XML

    Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist,
    so bitten wir um eine kurze Nachricht an bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.