Carl Maria von Weber an Johann Friedrich Rochlitz in Leipzig
Prag, Samstag, 8. Januar 1814

S: Wohlgebohren

Herrn Hofrath

Fried: Rochliz.

zu

Leipzig

Theuerster Freund!

Ihr lezter Brief vom 29t Xber hat mich recht erschrekt, denn das schwarze Siegel ließ mich eine UnglüksNachricht erwarten; dem Himmel sey Dank daß es nicht so war. Wie können Sie glauben bester Freund daß ich mich in einer solchen Sache einer Nachläßigkeit könnte zu Schulden kommen laßen. Unsre schöne OperT habe ich den 1t Dec: richtig erhalten und Ihnen d: 4t nur mit paar Zeilen den Empfang derselben angezeigt. daß ich seitdem nicht weiter und ausführlicher darüber geschrieben, und auch Heute es nicht im Stande bin, liegt in einer unabsehbaren Menge von Arbeiten und Proben die durch mancherley fatale Umstände herbeygeführt werden. in diesem Augenblik haben wir beym Theater 9 kranke Mitglieder, Sie können denken welche Anstrengungen da erforderlich sind um nur das Haus nicht zuschließen zu müßen. dieß alles hielt auch den Director Liebich bis jezt ab die Oper ordentlich zu lesen. daß ich Sie genug kenne und schäzze um frey das wenige was ich daran anderst wünsche zu sagen wird Ihnen mein nächster Brief beweisen. Es sind treffliche Momente darinn, und manches schwebte schon beym Lesen mit Tönen vor mir.

Daß Sie einen Augenblik an mir zweifeln konnten, hat mir recht wehe gethan, und nur der herzliche Schluß Ihres Briefes tröstete mich indem ich daraus sah daß nur der Glaube an eine unverzeihliche Nachläßigkeit und der daraus folgende Mangel an Liebe und Achtung Sie zu einer gerechten Bitterkeit hinreißen konnte. Nein! theurer Freund, glauben Sie mich in diesen Jahren wie immer von der gleichdauerndsten Wärme für Sie und die Ihrigen durchdrungen. Ich schließe mich schwer, aber dann für ewig unverändert an. Herzlichen Dank für Ihre Liebevolle Errinnerung meines GeburtstagesT, ich habe ihn traurig verlebt, und kaum an ihn denken können und mögen. auch ist mir hier Niemand lieb genug ihm nur das Dasein dieses Tages mittheilen zu können. die schönste Hoffnung leuchtet aus Ihrem vorlezten Briefe. Sind Sie noch gesonnen zu uns zu kommen, so schreiben Sie mir sogleich welch ein Quartier Sie wünschen, pp: es ist doch ganz etwas anderes wenn man so eine Stunde mit einander plaudern kann, und zwischen Frag und Antwort nicht immer Wochen liegen.

Alles Erdenkliche an Ihre treffliche Gattin und Kinder, und glauben Sie mich ewig unveränderlich Ihren Sie herzlichst lie[benden] und achtenden Freund v Weber.

Apparat

Zusammenfassung

hat Rochlitz' Operntext erhalten, konnte sich aber durch Arbeitsüberlastung (9 kranke Mitglieder) noch nicht ausreichend damit auseinandersetzen, manches schwebe ihm schon in Tönen vor; Privates

Incipit

Ihr lezter Brief vom 29t Xbr

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana, Cl.II A c, Nr. 5

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b.S. einschl. Adr.)
  • Absenderangaben in umgekehrter Schriftrichtung am Briefkopf 1r:
    Adresse. – – Direktor der Oper und KappellMster: des Königl: Böh: Ständ: Theaters zu Prag. Fleischhakker Plaz No: 681.

Textkonstitution

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