Aufführungsbesprechung München: „Oberon“ von Carl Maria von Weber am 29. März 1829 (Teil 2 von 2)

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Theater-Korrespondenz.

Was die zweite Hauptparthie: Hüon, anbelangt, so verdarb Herr Löhle durch die vielen Dialogstellen, was seine schöne Stimme in mehreren Gesangsstellen gut machte. Das Publikum, gerecht gegen die schönen Mittel dieses Sängers, applaudirt diese in dem einen Augenblick, und lacht in dem andern über sein fades Sprechen und Benehmen in ernsten Parthien. Herr Bayer hatte auch in dem zarten Gesange des Oberon die üble Gewohnheit, allzugroßen Krafts- und Gefühls-Aufwand, theilweise beibehalten. Wo er es nicht that, war sein Gesang vollkommen schön und fand laute Würdigung. Den Chören mangelte es, wie gewöhnlich, an verständiger Anordnung, an einem wohl vertheilten Piano und Forte, an Lebendigkeit und Präzision. Was Chöre seyn sollen und effektuiren können, hat sich bei der Produktion der Vestalin, unter Spontini’s persönlicher Leitung, zur Genüge, aber leider erfolglos gezeigt. Ueberhaupt ist das scenische Wesen der Oper bei uns in der alten Kindheit. Den Menschenmassen, die da gebraucht werden, um die weiten Räumen der Bühne auszufüllen, gebricht ein sinnig ordnender Geist. Wir sehen todte Klötze, steife Puppen ohne Harmonie, Geschmack und Bewegung. Dieser Uebelstand war denn auch diesmal häufig sichtbar, und störte nicht minder als der schlechte Gang der Flugwerke, Maschinerien, Verwandlungen u. dgl., welches sonst nicht die schwächste Seite unsers Theaters ist. Wirklich ging auch in diesem letzten Theile die zweite Vorstellung ungleich besser, und mag dazu beigetragen haben, daß der Beifall lebendiger, und das Urtheil über die hohe Originalität und Trefflichkeit dieser wunderbaren Tonschöpfung übereinstimmend wurde, als dies bei der ersten Darstellung unter den angeführten Umständen der Fall seyn konnte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Werth und die Schönheit dieser Oper, trotz der vielen Schwächen des Buchs, bei jeder Wiederholung mehr erkannt, und sie eben so gut wie ihre berühmten Schwestern: „Euryanthe“ und „Freischütz“ ein Zug- und Lieblingsschauspiel unsers Publikums werden wird, besonders wenn wir die Rezia wie sie seyn soll von der Schechner hören. Hinsichtlich der Dekorationen und Costüme war den unbefangenen Augen nichts besonders Neues und Merkwürdiges sichtbar; und nur durch die gefärbten Brillen, welche einigen stereotypen Lobhudlern unserer Bühne die Augen blenden, mag sich die von ihnen gerühmte Pracht und glänzende Herrlichkeit gezeigt haben.

[…]

Apparat

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Schreiter, Solveig

Überlieferung

  • Textzeuge: Didaskalia oder Blätter für Geist, Gemüth und Publizität, Jg. 7, Nr. 111 (21. April 1829)

Textkonstitution

  • „Räumen“sic!

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