Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater, 19. Juli 1814 – 6. August 1814

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Ständisches Theater in Prag.

Am 21. trat Hr. Seewald, engagirtes Mitglied der hiesigen Bühne, zum ersten Mal als Franz Bertram in Kotzebues Bruderzwist mit verdientem Beifall auf, und wurde nach Endigung des Stücks hervorgerufen. Mad. Böhler spielte zum ersten Mal die Frau Griesgram mit Beifall. Am 26. gab H. S. zum zweiten Debüt von Abbé de l’Epée im Taubstummen von Kotzebue und entwickelte in dieser Darstellung den denkenden gemüthlichen Künstler. Er lieh dem würdigen Greise den so nöthigen Anstrich französischer Sitte, und veredelte dadurch den Stand des Lehrers, den ein pedantisches Spiel herabsetzt. Besonders verdienstlich und allgemein beifällig gab er die schwer vorzutragende Erzählung von der ersten Bekanntschaft mit seinem zweiten Zögling im zweiten Act. Er wurde nach Endigung des Stücks hervorgerufen, und dankte dem Publikum sehr sinnvoll im Geiste seines dargestellten Charakters. – Am 22. trat Dem. Böhler die jüngere als Hanchen in der Oper: Der kleine Matrose zum ersten Mal mit allgemeinem Beifall auf, den ihr lieblicher Gesang und ihr naives Spiel verdienten. Ihre Ausbildung berechtigt zu den schönsten Erwartungen. – Am 24. wurde zum ersten Mal: Der Deserteur oder: Die deutschen Truppen in Frankreich Sch. 4 A. n. d. Fr. des Mercier mit Beifall gegeben. Den französischen Stoff hat Hr. Lembert bereits in seinem Schauspiele: Die Feinde, oder: Haß und Liebe bearbeitet, und besonders den Haß des Generals gegen den Obristen, der hier nur flach berührt ist, und wodurch die Rolle des Generals ganz unbedeutend wird, weiter aus einander gesetzt. Da|gegen dem Lembert’schen Stücke der äußerst anziehende Charakter des Kapitain von Löwenthal, Sohn des Obristen, den Hr. Polawsky vorzüglich darstellte, und den leisen Uebergang von Frivolität zur Achtung der Unschuld, die sich durch die Rettung des verurtheilten Bergers bethätigte, sehr wahr motivirte. Sein seelenvolles Spiel verbreitete Leben über das oft matte Ganze, das der rege Fleiß sämmtlicher Darsteller nicht zu bekräftigen vermochte. Am 19. Juli ließ sich Hr. Macco (vom Hamburger Theater) zwischen zwei Stücken, auf der Clarinette mit Beifall hören, und zeigte sich auch nach einigen Tagen, als braver Tänzer in einem komisch-pantomimischen Terzett seiner Komposition. – Am 6. August spielte Hr. Gehring (vom Brünner städt. Nationaltheater) auf seiner Durchreise, nach Endigung des Schauspiels, eine Piece für die Violine, die mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurde. Kenner wollten jedoch bemerkt haben, daß das Instrument, dessen sich der Künstler auf seiner Reise hier bediente, mit seinem durchdachten und brillantem Spiele nicht übereinstimmte, und die Anstrengung sichtbar werden ließ, mit der er es behandeln mußte.

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Ina Klare

Tradition

  • Text Source: Allgemeiner Deutscher Theater-Anzeiger, Jg. 4 (1814), Nr. 39, pp. 153–154

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