Aufführungsbesprechungen Prag, Ständetheater, April 1813

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Korrespondenz-Nachrichten.

Prag, April.

Am 11. d. hatte auf der hiesigen Bühne eine seltene Schau-Ausstellung Statt. Es ward zum Vortheil des Taubstummen-Instituts das Melodrama, Samson, gegeben, und die Vorstellung mit einem, vom Professor Mikam verfassten, Prolog eröffnet, den Mad. Löwe mit Würde und Gefühl deklamirte.

Mad. Löwe ist eine Zierde unsrer Bühne, und der Liebling des Publikum. Von der Natur verschwenderisch ausgestattet, vom Glück begünstigt, die schöne Gestalt stets in zierlichem und prachtvollem Gewande zeigen zu können, bemeistert sie sich der Gemüther unwiderstehlich durch einen sanften, rührenden Ton der Stimme. Etwas Monotonie in Deklamation, Bewegung und Haltung fällt nur dem strengen Kritiker auf, der aber auch durch ihr sichtbares Streben, der Höhe der Kunst immer näher zu kommen, leicht entwaffnet wird. Im Besitz der dankbarsten Rollen ist sie eine der glücklichen Künstlerinnen, deren Mißgriffe selbst mit rauschendem Beyfall aufgenommen werden.

Am Ende dieses Prologs, der die Macht der Wohlthätigkeit betitelt war, rauschte ein Vorhang auf, und man erblickte die funfzehn Zöglinge des Taubstummen-Instituts an einem Altar knieend, auf dem die Flamme loderte. Der ¦ Anblick war überraschend und rührend. Die Einnahme dieses Abends betrug 855 fl. 48 kr.

Es ist dies nicht das einzige Beyspiel während der letzten Fastenzeit, sich der öffentlichen Vergnügen zu wohlthätigen Zwecken zu bedienen. Mehrere Konzerte wurden zur Unterstützung bedürftiger Anstalten gegeben, so wie auch im Laufe des Winters einige böhmische Schauspiele von Privat-Personen. Ueberhaupt gedeihen hier unter dem Schutz unsers allbeliebten Landes-Chefs, des Hrn. Oberst-Burg-Grafen von Kolowrat, Eines der Edeln im Volke, im wahren ausgedehntesten Sinne des Worts, die Anstalten zur Unterstützung der Nothleidenden mit jedem Jahre mehr, so wie alles Gute sich seiner liberalen Beyhülfe zu erfreuen hat.

Am 19. April ward das hiesige neu dekorirte Theater mit einer Vorstellung von, die deutschen Ritter von Nixäa, eigentlich die Kreuzfahrer, von Kotzebue, die hier zum ersten Mal unter diesem veränderten Titel gegeben wurden, eröffnet. Obgleich die Theater-Censur in den Oesterreichischen Staaten jetzt nach liberalen Grundsätzen geleitet wird, so geht sie doch noch mit Allem, was mit der katholischen Religion und ihren Dienern in Berührung kommt, sehr vorsichtig zu Werke. So ward denn auch in diesem Stücke Alles, was darauf Bezug hat, verändert oder weggelassen, wodurch, besonders am Ende, manche Lücke entstand.

Die Haupt-Rollen, nämlich die Vorsteherinn der Hospitalerinnen, (Mad. Liebich), Emma von Falkenstein, (Mad. Löwe), und Balduin von Eichenhorst, (Hr. Bayer), wurden vorzüglich gespielt, und das Ganze gewährte eine vollkommene Darstellung.

Der Saal ist gefällig verziert worden, und hat eine bessere Erleuchtung erhalten. Unter den neuen Dekorationen zeichnet sich besonders eine Halle durch einfachen und guten Geschmack aus. –

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Mo, Ran

Tradition

  • Text Source: Morgenblatt für gebildete Stände, Jg. 7, Nr. 112 (11. Mai 1813), pp. 448

Text Constitution

  • “Nixäa”sic!

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