Reaktion der Chézy auf Euryanthe-Rezension (Entwurf)

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Ein Wort der Dichterin der Euryanthe
über die Beurtheilung ihres Textes

in dieser Zeitschrift

(Abgedruckt in der Theat. Zeit:
Nov: 1823
Unkunde mit dem Verhältniß des Dichters zum Compositeur überhaupt, u Unbekanntschaft mit der Geschichte der Entstehung der Euryanthe konnte den Th. unterschriebenen Verfasser obbenannter Beurtheilung zu der irrigen Meinung verleiten, die wenigen Schönheiten, die er an meiner Dichtung zu entdecken glaubt, haben den Compositeur bestimmt dies Buch vor Andern auszuwählen. Seit den 25 Jahren meines litterarischen Wirkens habe ich noch keine Muße gehabt irgend etwas auf gut Glück hin zu arbeiten, und hätte ich sie gehabt ich hätte sie nicht zu einer Oper verwendet. Diese in jeder ersinnlichen Rücksicht undankbarste aller Mühen. – Lang, eh H. v. WeberKindsFreyschütz in Musik gesetzt, hatte ich gewünscht etwas für ihn zu arbeiten. Im Oct: 1821 bat er mich H. v. Weber darum an ihn zu denken wenn ich 1 treffl. Opernstoff fände, ich legte ihm den Plan zur Euryanthe vor, welche ich 1804 für Fr: v. Schlegel’s Romantische Dichtungen des Mittelalters aus dem Altfranzösischen übersetzt hatte, Weber war | entzückt und hingerissen von dem Stoff der das Unglück hat dem H. Th. so sehr zu mißfallen; ich arbeitete die Oper für den Compositeur achtmal um, und diese Achte Bearbeitung war es, die März 1822 in Wien recipirt war, u nur zwey Akte hatte. Die jetzt erschienene Euryanthe ist die Eilfte Umarbeitung, in drey Akten, mit einer neuen Catastrophe, u nach dem eigensten Wunsch u Bedürfniß des Compositeurs gleichsam nur als Unterlage zu den musikalischen Effecten, die Weber nach reiflichem Nachsinnen u vielfacher Umwechselung der Ideen beabsichtigte u festhielt, u mit Hintansetzung mancher Rücksicht auf mich, meine Zeit und auf den poetischen Gehalt der Oper, vollendet; so daß Alles was H. Th. am Text, oft mit großem Rechte tadelt, der Musik zu Gefallen geschehn ist.

Ein verständiger Tadel ist mir lieber als ein Partheilichkeit verrathendes, unbedingtes Lob, und gern | gebe ich der Rüge des Herrn: Th. alle Flecken eines Werkes Preis, von welchem die Mängel mir zur Last fallen, die Schönheiten aber Alle blos als welche der Composition gepriesen werden, wie das bei Opern immer geschieht; nur bitte ich ihn zu bedenken daß ein Vers, den Weber so herrlich u wirkungsvoll in Musik gesetzt, wie den:
so nimm mein Gold, mein Gut u Land[]
unmöglich unmusikalisch seyn könne! Uebrigens kann es mich nicht reuen ein so unvollkommnes Opernbuch geliefert zu haben, da es die, obgleich unschuldige Veranlassung zu einem so vollkommenen Meisterwerk der Musik wurde, wie der ein […] wie Herr Th. Webers neue Schöpfung preist; unter Allen, die für vaterländische Musik glühen, mitzuwirken gestrebt haben, kann Niemand so eifrig als ich wünschen daß gewichtige Stimmen dies Urtheil bestätigen mögen. Helmine von Chezy
geb: Fr: Klencke
Wien d: 2 Nov: 1823.

Apparat

Zusammenfassung

Chezy verteidigt ihr Textbuch gegenüber der Kritik des Rezensenten (Nr. 131, 1. November 1823, S. 523f. ) und betont, dass die Arbeit am Text im Einvernehmen mit Weber erfolgt sei

Incipit

Unkunde mit dem Verhältniß des Dichters zum Compositeur überhaupt,

Generalvermerk

Entstehung

2. November 1823

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Veit, Joachim

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (D-Bbbaw)
    Signatur: NL H. von Chézy 100

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (3 b. S.)

Textkonstitution

  • Seit den 25 Jahren meines litterarischen Wirkens habe ich noch„Wir norddeutsche Dichter haben“ durchgestrichen und ersetzt mit „Seit den 25 Jahren meines litterarischen Wirkens habe ich noch
  • „gehabt“über der Zeile hinzugefügt
  • hätte ich sie gehabt ich hätte sie nicht zu„am wenigsten“ durchgestrichen und ersetzt mit „hätte ich sie gehabt ich hätte sie nicht zu
  • „verwendet“unter der Zeile hinzugefügt
  • „Diese in jeder ersinnlichen Rücksicht undankbarste aller Mühen. – Lang, eh H. v. WeberKindsFreyschütz in Musik gesetzt, hatte ich gewünscht etwas für ihn zu arbeiten.“durchgestrichen
  • „er“durchgestrichen
  • H. v. Weber„selbst“ durchgestrichen und ersetzt mit „H. v. Weber
  • „an ihn zu … treffl. Opernstoff fände“über der Zeile hinzugefügt
  • 4„5“ überschrieben mit „4
  • Flecken„Mängeln“ überschrieben mit „Flecken
  • „Flecken“unsichere Lesung
  • „der ein […]“durchgestrichen
  • „wie“sic!

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