Über einen Vorfall während der Aufführung von Meyerbeers Kreuzritter am 12. Januar 1838 in München

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Beitrag zu den Annalen der Königl Hofbühne

Gestern*, nach dem Fräulein Schebest am Schluß des ersten Aktes der Kreuzritter von Meyerbeer herausgerufen worden, fand durch ein Libell, das von beiden Seiten der Gallerie herunterregnete eine Strörung Statt, die das ganze Publikum indignirte. Nur Feinde der Fräulein van Hasselt können sie ver diesen Frevel gegen Publikum[,] Hoftheater-Intendanz u den höchsten Hof selbst verübt haben, es müßten denn diese Antagonisten unsers hochverehrten Gastes die ungeschicktesten aller Tölpel seyn. Fräulein Schebest erfuhr vom ganzen Vorgang nur durch einen neuen Triumpf, durch den stürmisch glänzenden Empfang, u die unzählich wiederholten Bravo’s, die Ihr von allen Seiten einstimmig zuflogen, so wie sie nur in der Coulisse sichtbar wurde. Auf diese Art rettete das Publikum die Ehre seiner Gastlichen Sitte, u ersparte der königl: Intendanz die sonst üblichen Erklärungen u. s. w. bei Störungen dieser Art, die Statt gefunden, hätten, wenn das Publikum die Vernichtung der Pasquillen nicht durch diesen edeln Impuls seiner ihrer so glänzend dargethan hätte. Auch erschien noch vor dem Schluß der Oper folgende Strophe im Druck, u wurde zahlreich verbreitet:

Ruhmlos selber, Räuber fremden Ruhms,Sinnlos erstiegt ihr den Pranger.

Apparat

Generalvermerk

Die Notiz von Helmina von Chézy ist undatiert und ohne Ortsangabe, lässt sich aber mit Hilfe der Anzeige im Bayerischen Landboten, Nr. 12 (12. Januar 1838), S. 59 „Freitag den 12. Jänner: (Neu einstudirt.) Der Kreuzritter, große Oper von Meyerbeer. Dem. SchebestArmand, als letzte Gastrolle.“ der Aufführung am 12. Januar 1838 im Münchner Hof- und Nationaltheater zuordnen.

Entstehung

13. Januar 1838

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Schreiter, Solveig

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (D-Bbbaw)
    Signatur: NL H. von Chézy 100

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (1 b. S.)

Textkonstitution

  • „sie verdurchgestrichen
  • „ver“unsichere Lesung
  • Publikum„die“ durchgestrichen und ersetzt mit „Publikum
  • „von allen Seiten einstimmig“über der Zeile hinzugefügt
  • „u. s. w. … Störungen dieser Art“über der Zeile hinzugefügt
  • StattStatt“ durchgestrichen und ersetzt mit „Statt
  • „Statt“unsichere Lesung
  • „hätten“durchgestrichen
  • das Publikum die Vernichtung der Pasquillen„sich der ganze Vorgang“ durchgestrichen und ersetzt mit „das Publikum die Vernichtung der Pasquillen
  • „Vernichtung“unsichere Lesung
  • seiner ihrer“durchgestrichen
  • „seiner“unsichere Lesung
  • „… Sinnlos erstiegt ihr den Pranger.“Diese zwei Zeilen wurden von der Autorin mit Bleistift notiert.

Einzelstellenerläuterung

  • „… Gestern“Vgl. den Bericht über die Aufführung in den Süddeutschen Blättern für Leben, Wissenschaft und Kunst, 2. Jg., Nr. 10 (25. Januar 1838), S. 39f. (datiert mit „München, den 11. Januar 1838“): „[...] Vergangenen Freitag sang die Schebest in den Kreuzrittern von Meyerbeer, einer aufwandreichen Oper, welche über drei Stunden spielt. Nach dem ersten Akte wurde die tragische Sängerin, welcher die Rolle des Armando nach dem Romeo vielleicht am besten zusagen dürfte, weil sie in der That mit dem Schwerdte umgehen kann, verdientermaßen gerufen, allein die Verehrer der Fräulein von Hasselt brüllten so energisch dazwischen, daß die Namen Schebest und Hasselt förmlich zusammenschmolzen, und der bereits aufgezogene Vorhang wieder fiel, ohne daß eine der beiden Gerufenen erschien; erst als der Lärm von Neuem begann, kamen beide hervor; die Freibillete hätten nicht nachgelassen. Am Schlusse erneuerte sich die Scene, nur mit dem Zusatze, daß von der Gallerie und den Logen Gedichte auf das Parterre, und auf die Bühne Kränze mit seidnen Bändern, worauf Gedichte auf die Schebest standen, herabfielen. Schebest drückte gerührt einen Kranz an ihre Lippen, überreichte der Hasselt einen andern, worauf zum Aergerniß für diese stolze Sängerin der Name Schebest zu lesen war; sie ging ganz ärgerlich ab, und ließ der Schebest die Bühne mit allen Dekorationen, die dann ihren Dank in sehr schönen Worten aussprach. [...]“ Lt. Bayerischem Landboten Nr. 12 (12. Januar 1838), S. 59 sowie Nr. 14 (14. Januar 1838), S. 67 wurde die Oper an diesen beiden Tagen aufgeführt. Da der Rezensent der Süddeutschen Blätter über die Vorstellung vom vergangenen Freitag spricht, ist höchstwahrscheinlich sein angegebenes Datum (11. Januar) ein Versehen.
  • 11.recte „12“.

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