Aufführungsbesprechung London, Drury-Lane Theatre: „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber am 12. März 1825

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Theater in London.

Samstag den 12. März 1825 wurde im Drury-Lane der Freischütz gegeben. Merzer gab den Ottokar ziemlich gut. Horn (Kaspar) spielte als Kaspar brav und sang gut. Da in jedem hiesigen Theater die Namen des Stücks anders sind, so wurde auch heute der Kilian durch einen Komiker mit grässlichem Namen gegeben. F. Cooke, ein ausgezeichneter Tenorist, entwickelte als Adolph (Max) die ganze Vortrefflichkeit ¦ seiner Stimme. Eben so sang Miß Graddon als Linda (Agathe) sehr brav; indessen ist es Schade, daß ihre höchst klangvolle Stimme nicht mehr Höhe hat. D. Smith als Zamiel macht in diesem Stück wahren Knalleffekt; sobald er einmal erschienen, kann er keine fünf Minuten, zur überaus großen Freude des brittischen Publikums, von der Bühne wegbleiben, und jedesmal wird er mit Applaus begrüßt. In der Wolfsschlucht, deren Dekoration sehr schön war, hat genannter Herr Zamiel sich grässlich lang herumgetrieben, und im Anfang des 3. Akts fasst er den Kaspar schon in Gegenwart von circa zwanzig Jägern, die zwar vor dem rothen Höllengaste ein wenig zurückbeben, ihn indessen doch schon so gewohnt sind, daß sie dem Kaspar in seinem Beisein männlich zureden, zur Tugend zurückzukehren, wozu er ein wenig geneigt scheint, bald darauf aber desto verstockter wird. Nicht lange nachher erscheint der Eremit und versucht ebenfalls das Bekehrungswerk, aber fruchtlos; denn fast zu gleicher Zeit muß der gute Adolph* noch die siebente Kugel verschießen, die dann den Kaspar trifft, welcher ohne Verzug durch Herrn von Zamiel und seine Konsorten, eine heillose Menge blauer, grüner, rother und bunter Teufel und Teufelchen ec., in den sich öffnenden grässlichen Höllenschlund gerissen und, zur unmäßigen Freude der englischen Zuschauer, auf eine ganz teuflische Weise gebraten wird.

In jedem der Londoner Theater wird diese Oper, die hier im Ganzen 500 Mal gegeben worden sein mag, anders aufgeführt, doch so, daß man unsern volksthümlichen Freischütz, dem nach englischem Gebrauch der Schweif abgehauen, und der übrigens auch ziemlich hart mitgenommen worden ist, nur an dem Jägerchor, dem Trinklied und dem Jungfernkranz erkennen kann. Die beiden ersten werden gewöhnlich zweimal gesungen; letzterer ist auch noch so ziemlich in Ehren und in Ordnung gehalten worden.

In der italienischen Oper soll der unversehrte Freischütz gegeben worden sein, wozu diese allein, als erste Aufnehmerin desselben, das unausschließliche Recht hat. Karl Maria von Weber wird in London erwartet. Auf nächsten Montag ist der Freischütz im Koventgarden, und Dienstag wieder im Drury-Lane angekündigt. Das Orchester im letztern Theater ist viel zu schwach für den schönen großen Saal, und wäre die Musik nur halb so gut, wie die Dekoration und vorzüglich das Feuerwerk, so würden sich gern auch Deutsche, nicht allein Engländer, damit begnügen. Die Mobility scheint übrigens die öffentliche Stimme im Theater allein zu haben, da der häufige Applaus, den die Schauspieler und Tänzer hier einärndten, nur von ihr intonirt wurde.

Nächsten Donnerstag, heißt es, werde Mad. Catalani ihr vorletztes Concert hier geben.

Apparat

Zusammenfassung

Aufführungsbesprechung London, Drury-Lane Theatre: „Der Freischütz“

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Jakob, Charlene

Überlieferung

  • Textzeuge: Rheinische Flora, Blätter für Kunst, Leben, Wissen und Verkehr, Jg. 1, Nr. 53 (02. April 1825), S. 212

    Einzelstellenerläuterung

    • „… Zeit muß der gute Adolph“Max.

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