Aufführungsbesprechung Danzig: „Oberon“ von Carl Maria von Weber am 10. Dezember 1829

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Donnerstag, den 10. und Freitag, den 11. December: Abonnement suspendu zum Besten – der Theaterkasse, zum ersten und zweiten Male: Oberon, König der Elfen, Oper nach dem Englischen des Planché, von Theodor Hell, Musik von C. M. v. Weber.

Es ist uns folgendes, von uns nur etwas abgekürztes Schreiben zugekommen:
„Vor einigen Monaten mußte ich mich in meinen Geschäften ungefähr vierzehn Tage in Breslau aufhalten, wo ich, da täglich gespielt wird, einige Male das Theater besuchte und die neue Oper: […] „Oberon“ sah. […] Doch will ich […] Oberon, in Breslau und Danzig, da ich sie in beiden Städten so bald hintereinander beiwohnte, miteinander vergleichen. In Danzig ist zuerst das Haus hübscher und freundlich dekorirt und hell; das ist in Breslau nicht so. Dagegen ist das Theater selbst in Breslau größer als hier, so daß dort die Züge, Märsche und Tänze viel großartiger gegeben werden konn|ten, und auch die dort ebenfalls neuen Dekorationen vielmehr wirkten, als in Danzig, so hübsch sie auch waren. Am wenigsten gefiel mir hier die Ansicht der Stadt Bagdad, die gegen die Breslauer Decoration mir kleinlich und spielerisch vorkam, auch war, gegen Breslau, das Meer und das Schiff hier gar nicht gelungen. Etwas (und eine Hauptsache) was in Breslau sehr viel vollzähliger als hier war, ist das Orchester. – Die beiden Hauptrollen wurden dort von viel jugendlichern Subjekten als hier gespielt; Rezia von Dem. Flache und Huon von Herrn Mego. Die erste wird wegen ihres Gesanges in Breslau sehr geschätzt; sie hat eine viel vollere Glockenstimme als Mad. Jost, die dagegen mehr Schule und selbst mehr Spiel zu haben scheint. – Herr Mehlig sang einige Pieçen z. B. das Gebet besser als Hr. Mego, der dagegen eine sehr viel bessere Figur, eine entsprechendere Physiognomie und ein ganz unendlich besseres Spiel als Hr. Mehlig hat; am meisten ist mir dieses bei dem Erscheinen im Saale des Kalifen und beim Forttragen der Rezia aufgefallen, wo mich Wunder nahm daß hier das Publikum nicht in ein lautes Lachen ausbrach. – Scherasmin wurde in Breslau von einem ältern Manne, dessen Namen mir entfallen ist, sehr viel komischer als hier gegeben*. Mad. Geisler gefiel mir in ihrer Art eben so gut als Mad. Mego*, doch hat die letztere eine viel jugendlichere Stimme. – Bei alle dem muß ich gestehen daß mir auch hier die Oper an beiden Abenden wegen der schönen Musik viel Vergnügen gemacht hat.

Zum Schlusse will ich Ihnen noch die Nachricht mittheilen, daß der Schauspieler Börger in Breslau, der früher in dieser Gegend gewesen sein soll, eine Dem. Flache, die Schwester der Sängerin, geheirathet hat. Ein Reisender.

Man muß gestehen, daß die Direktion bei der Aufführung das Mögliche gethan hat; die besten Schauspieler der Bühne: Hr. Moller, Hr. Grühn und Dem. Hinze verdienen in der That Dank, daß sie weniger bedeutende Rollen übernommen hatten; die neuen Dekorationen machen Hrn. Gegorovius alle Ehre; das Orchester wurde von Hrn. Geisler dirigiert; es ist doch schön, wenn man etwas gelernt hat, welch ein anderer unserer Sänger kann das Hrn. Geisler nachmachen, und von der Bühne, wie einst E. T. A. Hoffmann von seinem Justizrathsstuhl, in das Orchester als Musikdirektor hinunter steigen. – Von den Künstlern verdient wohl Mad. Jost das meiste Lob; sie ließ die andern weit hinter sich zurück. – Wie sehr sie in dieser Rolle vorigen Sommer in Elbing gefallen hat, beweist das dort an sie damals, bei ihrer bevorstehenden Rückreise nach Hamburg gerichtete Gedicht, welches hier aus den hiesigen dießjährigen Elbinger Anzeigen vom 1sten Juli wörtlich abgedruckt wird. […]

Apparat

Zusammenfassung

über die ersten beiden Aufführungen des "Oberon" in Danzig im Vergleich zur Aufführung in Breslau

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Schreiter, Solveig

Überlieferung

  • Textzeuge: Danziger Theater-Blatt, Nr. 22 (14. Dezember 1829), Sp. 85–88

Textkonstitution

  • „Mego“sic!
  • „Mego“sic!
  • „Mego“sic!

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