Rudolf Heinrich Zumsteeg an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Stuttgart, Dienstag, 5. November 1878

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Hochverehrter Herr!

Ihr erstes Schreiben vom 27 Septb. hätte ich gerne bälder und vollständiger beantwortet, als es mir jetzt erst möglich ist. Ich habe es an Mahnungen nicht fehlen lassen.

Wie Sie sich aus früherem Anlaß wohl erinnern, war (und ist theilweise noch) nicht die beste Ordnung in der Verwaltung unseres Hoftheaters. So hat die Intendanz kein fortlaufendes Register über die gegebenen Vorstellungen, und es wäre eine sehr zeitraubende und vielleicht doch unzuverläßige Arbeit aus den aufbewahrten Theaterzetteln dies zu ermitteln. Denn manchmal kann ein Zettel gedruckt aber die Aufführung noch im letzten Moment abgeändert worden sein. Daraus erklärt sich die Nichtausfüllung der Rubriken 2–5 Ihres Schemas. Was die erste Rubrik betrifft, so haben die früheren Hofmusiker (besonders Vcellisten) auf ihren Stimmheften sehr häufig das Datum der ersten Aufführung beigeschrieben. Diese Notizen hat mir der Musikalienverwalter aufgesucht und nachher der Canzleirath der Intendanz in den alten Zetteln aufgesucht und bestätigt gefunden.

Von Silvana ist sind weder Partitur noch Stimmen nur ein Textbuch vorhanden. Dies ist also hier nicht aufgeführt worden.

Von Abu Hassan, welches Werk allerdings in älterer Zeit zur Aufführung gekommen sein muß, waren keine Notizen zu finden.

Soviel - richtiger so wenig über Ihr erstes Anliegen.

Bezüglich des zweiten habe ich mich selbst überzeugt, daß noch immer jene von Weber Dec. 1821 nach Stuttgart gelieferte Partitur im Gebrauch ist. Sie trägt auf dem Titelblatt Webers eigenhändige Beglaubigung, Dieses Exemplar enthält enthielt nicht die fraglichen 22 Takte „Leicht kann des Frommen Herz - bis - Wer griff in s. Busen nicht?“ sondern diese (wohl nachcomponirte?) Stelle ist erst durch den gegenwärtigen Hofkapellmeister Carl Doppler d. 5 Juni 1873 auf neuem weißem Maschinenpapier copirt und hineingeheftet worden.

Oder sollte es auf eine Unterlassungssünde des Copisten der Dresdener Partitur zurückzuführen sein, aus welcher denn der Mangel in die nach Frankfurt und Stuttgart gelieferten Abschriften übergieng? Das wäre doch wohl bei Webers Gewissenhaftigkeit kaum zu vermuthen?

Mit inniger Theilnahme haben wir Ihre wenig erfreulichen Nachrichten über Ihren Sohn Reinhart erfahren. Gebe Gott, daß Ihre Befürchtungen wegen seiner angegriffenen Gesundheit bald gehoben würden!

Wir befinden uns leidlich wohl und sind erfreut, von Ihnen ein Gleiches vernommen zu haben.

Mit herzlicher Begrüßung und ergebenster Hochachtung Ihr R. Zumsteeg

Apparat

Zusammenfassung

Antwort auf Frageliste von J. zur Aufführung von Weber-Opern. Von Silvana gibt es nur ein Textbuch, ist also nicht aufgeführt worden, über Abu Hassan waren keine Notizen zu finden. Freischütz betr. wird noch immer die 1821 von Weber nach Stuttgart geschickte Partitur benutzt, das Expl. enthält nicht die 22 Takte der Eremiten-Arie. Sie ist erst durch den Hofkapellmeister Carl Doppler am 5. Juni 1873 kopiert und eingeheftet worden

Incipit

Ihr erstes Schreiben vom 27 Septb.

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 719

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (3 b. S. o. Adr.)
    • Fragezettel s. Weberiana Cl. X, Nr. 777

Textkonstitution

  • „aufgesucht und“durchgestrichen.
  • „ist“durchgestrichen.
  • „sind“über der Zeile hinzugefügt.
  • „enthält“durchgestrichen.
  • „enthielt“über der Zeile hinzugefügt.

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