Carl Maria von Weber an Helmina von Chézy in Berlin
Dresden, Donnerstag, 10. Oktober 1822

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Je mehr ich mich über Ihre Heiterkeit u. Zufriedenheit in Berlin erfreue, verehrteste Freundin, desto schwerer gehe ich daran, Sie aus diesem freundlichen Taumel reißen zu müssen; ich bitte u. beschwöre Sie Ihren Aufenthalt abzukürzen u. hierher zurük zu kommen. Bedenken Sie, daß die Oper eigentlich jetzt schon fertig sein sollte, daß ich nur mit Mühe Verlängerung bis Ende November erhalten habe. Sie hatten die letzte Zeit, von andern Dingen gedrängt, kein Herz, oder besser gesagt, keine Lust mehr an der Sache u. ich begreife dies nach meinen unaufhörlichen Quälereien. Der Schluß des ersten Aktes, wie Sie mir ihn schikten, trägt etwas das Gepräge der Eile. Ich weiß, Sie zürnen in Wahrheit nicht. Ich kann wohl noch :/abgerissen /: aber es fehlt mir die innere Ruhe :/ abgerissen /: das Ganze nicht wohl überschauen kann. Was sie mir von Ihrer fortwährenden Lust an :/ abgerissen /: bestätigt eben meine Furcht m :/ abgerissen /: schreiben der Unlust, u. was Sie im Innern tragen, muß ich auf dem Papier sehen, sonst ist es mit der Componierung nichts. Der Schluß, wie Sie ihn vorschlagen mag gut sein und gerne stimme ich bei.

Beim Herrn Geheimrath Kretschmar bitte ich mich dringend zu entschuldigen. Mit Dank habe ich Alles empfangen, aber ich bin zerrissen u. zerstört durch die Tagesteufelleien. Habt nur ums Himmels Willen Nachsicht mit mir, ich schreibe ja für alle, wenn auch nicht an alle.

Mutter u. Kind sind wohl. Erstere grüßt Sie mit mir herzlichst. Mit Sehnsucht sehe ich einer Bestimmung Ihrer Arbeit oder Ankunft entgegen. Immer innig ergeben
C. M. v. Weber.

P: S:. Es wird besser sein, liebe Freundin, wenn Sie mir nicht ohne drängende Nothwendigkeit schreiben, theils wegen des Portos für Sie, theils weil es mich nöthigt u. hemmt. Indeß ich Ihnen antworte, hätte ich anders beseitigt so wie ich kann u. mich etwas freier fühle. Ach! ich habe dieses ganze Jahr, seit 18. Januar furchtbar gelitten u. nun erst hier einige Erholung gefunden, so trage ich meine Verbindlichkeiten ab. Sie sehen den Beweiß wie sauer mir Alles wird in diesem Brief, den Sie mir wohl gütigst mit irgend einer Sendung wieder beilegen*. Übrigens hat es mich überrascht u. aufgeheitert kürzlich vom Herzog von Leuchtenberg eine große, goldene Ehrenmedaille u. ein unendlich huldvolles Schreiben zu erhalten; aber nicht einmal in Händen habe ich die Medaille; von Dresden aus ist mir blos der Brief gesendet worden um Porto zu sparen*.

Editorial

Summary

er beschwört sie, nach Dresden zurückzukommen, da er nur mit Mühe für seine Oper eine Verlängerung bis November erhalten hatte; versteht, wenn sie nach seinen Quälereien keine Lust mehr habe; der übersandte Schluss des 1. Aktes trage etwas das Gepräge der Eile (Lücken im Text durch Papierausriss); bittet das Ausbleiben einer Antwort bei Geheimrat Kretschmar zu entschuldigen; im PS: private Klage; erwähnt, dass er vom Herzog von Leuchtenberg eine Ehrenmedaille erhalten habe

Incipit

Je mehr ich mich über Ihre Heiterkeit und Zufriedenheit

Responsibilities

Übertragung
Joachim Veit

Tradition

  • Text Source: Copy: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: Weberiana Cl. II B, S. 846f., Nr. 31

    Physical Description

    • Kopie von Ida Jähns (Überschrift = Adressatin Ergänzung von F. W. Jähns)
    • wie der Abschrift zu entnehmen, hatte der Originalbrief Textverluste durch Papierausrisse

    Commentary

    • “… irgend einer Sendung wieder beilegen”Welchen Brief Weber hier beilegte, ist nicht bekannt.
    • “… worden um Porto zu sparen”Weder den Erhalt der genannten Medaille noch jenen des dazugehörigen Schreibens hielt Weber in seinem Tagebuch fest, auch kein späteres Dankschreiben an den Herzog. Die Nachsendung von Dresden aus deutet darauf hin, dass Weber den entsprechenden Brief mit der Mitteilung in Hosterwitz (also spätestens am 26. September 1822) erhalten haben müsste. Bislang ist diese Briefnachschrift der einzige Beleg für einen Kontakt mit dem Herzog von Leuchtenberg nach 1818 (und ein Geschenk von diesem nach 1815); insofern sind Zweifel an der Darstellung (bzw. an der vorliegenden Abschrift des Briefes) angebracht.

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