Nachrichten aus Dresden vom 12. April 1817 (Teil 1 von 2)

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Correspondenz-Nachrichten.

Leipzig, den 12. April 1817.

Von der Feier der Charwoche und Osterzeit habe ich Ihnen zu melden, daß wie überhaupt das religiöse und kirchliche Leben auch bei uns zu dieser Zeit in hoher Würde hervortritt, und seine herrliche Kraft im erweiterten Kreise beurkundet, so auch die Kunst inbesondere in dieser Zeit der Religion und Kirche treulich diente. – Hier hob sich insbesondere Schicht’s Oratorium (das Ende des Gerechten) durch seine melodiösen Chöre hervor. Es wurde am Sonntage Palmarum und am Charfreitage von ihm in den Hauptkirchen aufgeführt. Eben daselbst an den Osterfeiertagen die religiöse Cantate von Holzbauer*, eine nicht gealterte Musik von tiefer religiöser Wirkung und rührender Andacht.

In dem 21sten Abonnementsconzert (30. März) hörten wir eine neue lat. Misse ohne Orchesterbegleitung von Fr. Schneider und freuten uns zu sehen, mit welchem Glücke der Componist für den vollsimmigen religiösen Gesang zu schreiben fortfährt. Besonders sind das Sanctus und Agnus dei ausgezeichnet. In demselben Conzerte wurde van Beethoven’s Oratorium, Christus am Oelberge, im zweiten Theile recht brav ausgeführt. Die Musik, so schöne Parthieen sie hat, (die Arie des Seraphs, das Terzett am Schlusse und der Schlußchor) coquettirt doch zu sehr mit dem Theater, woran wohl der schlechte Tert auch viel Antheil hat. Im Conzerte läßt sie sich daher noch eher, als in der Kirche hören.

(Der Beschluß folgt.)

Editorial

Creation

Tradition

  • Text Source: Abend-Zeitung, Jg. 1, Nr. 98 (24. April 1817), f 2v

    Commentary

    • “… die religiöse Cantate von Holzbauer”Kantate „Ein betrübter Geist ist ein Opfer“.

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