Bericht über die Klopstock-Säkularfeier in Quedlinburg

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Aus Quedlinburg.

Säcularfeier der Klopstock’schen Geburt.

Die zum Andenken Klopstock’s zu Quedlinburg angeordnete musikalische Feier wurde an drei aufeinander folgenden Tagen auf würdige Art begangen. So bedeutend die Kräfte waren, die, unter Leitung des hochgefeierten Kapellmeisters Karl Maria von Weber, sich hier vereinigten, so groß war die Theilnahme eines sehr zahlreichen, meistens gebildeten Publikums aus der Nähe und Ferne.

Am 30. Juni kam, zur Vorfeier des Tages, an dem vor 100 Jahren der erhabene deutsche Sänger zu Quedlinburg geboren wurde, Beethoven’s Simfonia eroica und Mozart’s Hymne auf die Gottheit zur Aufführung; ausserdem gaben Herr Concertmeister Karl Müller I. aus Braunschweig, und Herr Kammermusikus Fürstenau aus Dresden, jener auf der Violine, dieser auf der Flöte, ihr vielbegabtes Talent zu bewundern, reichlich Gelegenheit; Dem. Funk aber, königl. sächs. Hofsängerin aus Dresden, sang mit hoher Virtuosität eine von Hrn. Kapellmeister von Weber eigends für Sängerinnen ihrer Art geschriebene treffliche Gesang-Scene. Das Haus, in welchem Klopstock das Licht der Welt erblickte, war, erleuchtet und bekränzt, des Abends der Versammlungpunkt einer unzählbaren Menschenmasse, – vor demselben, bis tief in die Nacht hinein, Instrumental- und Vocal-Musik.

Der Erste Juli, der eigentliche Tag der Feier, brachte, bei noch zahlreicher versammeltem Auditorium, eine treffliche Aufführung von Naumann’s unsterblicher Composition des Klopstock’schen Vaterunser, von Friedrich Schneider’s herrlicher Cantate: Den Fürsten des Lebens &c. und dem dritten Theile des Händel’schen Messias; ein Reichthum von Erscheinungen, deren jede einzeln für sich geeignet war, die Seele von irdischen Banden zu befreien und sie, wenn auch nur auf Augenblicke, der Heimath über den Sternen, jener Welt zuzuführen, die Klopstock’s ganzes Daseyn erfüllte, und die der Inhalt seines erhabensten, die ferne Nachwelt noch erhebenden Gesanges: Der Messias, ist. – Die Gesangsolo’s, um nur Einiges namhaft zu machen: „Er, der Hocherhabene,“ – „Er hebt mit dem Halme die Aehr’ empor &c.“ – „Auf allen diesen Welten,“ – „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt &c.“ – „Ist Gott für uns &c.“ – wer hätte sie gehört, und könnte ihrer je uneingedenk seyn! Sie prägten sich empfänglichen Gemüthern tief ein.

Im Concerte am Zweiten Juli, zur Nachfeier, that sich Herr Karl Müller I., so groß am ersten Tage als Concertspieler, nicht minder als höchst trefflicher Quartettspieler hervor; das Ergriffenseyn durch sein Spiel war allgemein, rauschend der Beifall, der sich über ihn ergoß. Aber auch die Herren Fürstenau und Hermstedt zeigten sich, jener zum andernmale, auf ihrer ganzen Kunsthöhe, und waren hohe Zierden dieses Tages. Dem. Funk erfreuete nochmals durch den Vortrag einer gar lieblichen Rossini’schen Gesangparthie, und Herr Justizrath Pechmann zeigte beim Vortrage einiger 4stimmiger Gesänge wiederum allen den Zauber einer schönen Tenorstimme, den wir vor 4 Jahren bei Aufführung des „Weltgerichts,“ und am zweiten Tage der dießmaligen Feier im „Vaterunser“ und dem „Messias“ an ihm kennen lernten. Am Nachmittage desselben Tages hielt das Gymnasium des Orts eine öffentliche Redübung, des Abends aber war große Harmonie-Musik in einem nahgelegenen Wäldchen, voll schöner Parthieen, der Brühl, welchem die Bevölkerung des ganzen Orts zugeeilt zu seyn schien.

Denkt man sich dem, was die Kunst an diesem Tage gab und worauf hier hingedeutet ist, hinzu, was durch den Gedanken an Klopstock und die deutsche Dichterwelt, durch die Nähe des Harzes, und das überall sich Finden mit interessanten, von der Bedeutung des Tages erfüllten Menschen angeregt wurde, so wird man sich sagen, daß den Anwesenden hier wirkliche Lebenstage wurden, für die sie dem gesammten Künstler-Vereine, namentlich aber den ersten Urhebern der Feier, den Herren Donndorf, Fritsch, Kranz, Pechmann, Weihe, Ziegler, so wie Herrn Kapellmeister von Weber, der so gern und willig ihren Wünschen entgegen kam, nicht genug danken können; das hoffentlich nun nicht ausbleibende Denkmal auf Klopstock, (es wird, sagt man, an einer der äussersten Stellen des Brühls, von welcher man den Harz vom Stubenberge an bis zur Roßtrappe mit Einem Blicke übersieht, errichtet werden) wird noch in fernen Tagen Zeuge ihrer Wirksamkeit seyn.

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Frank Ziegler
Korrektur
Eveline Bartlitz

Tradition

  • Text Source: Abend-Zeitung, Jg. 8, Nr. 179 (27. Juli 1824), pp. 716

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