Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater, 11. August und 2. September 1813

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Prag.

Am 11. August sahen wir hier zum ersten Mahle: „die Schuld,“ Trauerspiel in 4 Akten, von Doktor Müllner. Madame Löwe gab die Elvira, Madame Brunetti die Jertha, Demoiselle Junghanns den Otto, Herr Bayer den Grafen Oerindur, und Herr Liebich den Don Valeros. Dieß Trauerspiel ward sehr gut darge¦stellt, nur Madame Brunetti gab die Rolle der Jertha zu ernst, sie schwächte den Kontrast, den der Dichter bezwecken wollte. Jertha ist kein klagendes, trauriges Geschöpf, wir hätten diese Rolle lieber von Madame Brede gesehn. Das Trauerspiel gefiel mir nicht, es schien dem Publikum zu ernst und gräßlich.

Wir sahen den „Clavigo“ hier neu einstudirt, er ward mit einer Vollendung gegeben, wie sie jetzt nicht leicht bei einem Theater Deutschlands anzutreffen seyn wird. Herr Polavsky gab den Clavigo, und Herr Bayer den Beaumarchais. Herr Bayer bewies in dieser schwierigen Rolle die größte Kenntniß seiner Kunst und des menschlichen Herzens. Madame Brunetti gab die Marie mit hinreißender Wahrheit, Herr Wilhelmi führte seinen Karlos sehr brav durch.

Am 2. September waren „die großen Kinder,“ Lustspiel in 2 Akten, von Doktor Müllner. Außer den „Vertrauten“ will hier kein Stück von Doktor Müllner gefallen. Dieß Lustspiel scheint aber wirklich etwas schwach zu seyn, der erste Akt ist ganz leer an Handlung, die Verlegenheit des alten Grafen, wieder heirathen zu wollen, der Grundgedanke des Stückes, ist zu wenig ausgeführt, die Verkleidungen sind nicht gehörig motivirt. Die Schauspieler haben keine Gelegenheit sich darinn auszuzeichnen, und es ist die Frage: ob ein für die Vorstellung geschriebenes Stück, worinn gar keine Rolle gut ist, gut seyn kann?

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