Aufführungsbesprechung, Prag: Erwähnung verschiedener Ausführenden und Werke, November 1813

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Theater.

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Prag. – Den 7. Nov. wurde gegeben: Faniska von Cherubini. Da dieß interessante und charakteristische Werk seit längerer Zeit hier nicht gegeben worden war, so rechneten die Kunstfreunde nach so langem Entbehren auf einen desto genußreicheren Abend; leider aber wurde ihre Erwartung auf’s Schmerzlichste ge¦täuscht; denn wenn wir gleich in Mad. Grünbaum eine Faniska anerkennen, die alle ihre Vorgängerinnen weit hinter sich zurück läßt, so waren doch ihre Umgebungen durchaus der Künstlerinn unwürdig. Herr Grünbaum, dessen Stimme von Tage zu Tage schwächer und schwankender wird, war als Rasinsky oft kaum hörbar. Herr Kainz (Zamosky) entfaltete abermahls seinen Reichthum an Dissonanzen, und spielte den Tyrannen – wie er zu spielen pflegt. Herr Siebert als Oransky war unter aller Kritik, und wir gedachten wehmüthig der guten Zeit, wo Hr. Häser diese Rolle gab. Mad. Allram ist gleichfalls der Rolle der Moska nicht gewachsen. Hr. Mohrhardt gab den Rasno recht brav, nur mitunter etwas zu heftig und mit Spiel überladen.

Den 15. Nov.: Musikalische Akademie zum Besten des Herrn Violindirector Clement. Das Prager Publicum schien geahnt zu haben, daß auch dieser Ohrenschmaus nicht zu den leckersten gehören würde, und fand sich daher nicht eben in großer Anzahl ein. Folgende Stücke waren der Inhalt der Akademie: 1) Ouverture von Clement – erhielt getheilten Beyfall. 2) Violinconcert, von demselben componirt und gespielt, worin er leider weder als genialer Tonsetzer, noch als glänzender Violinspieler erschien. Die Manieren, welche er anbrachte, waren veraltet, und konnten bey einem Publicum, welches vor Kurzem mehrere der bedeutendsten Violinisten Europa’s gehört hat, unmöglich Enthusiasmus hervorbringen. 3) Vocal-Quartett von Cherubini, gesungen von Herrn und Mad. Grünbaum, Herren Kainz und Schnepf. 4) Ouverture aus den Bayaderen von Catêl – ein Werk, in welchem man nicht so leicht den Verfasser der Semiramis wieder erkennen würde. 5) Fantasie nebst Variationen über ein russisches Thema. – Wir danken Herrn Clement, daß er unsern Begriff von Fantasie berichtig hat; denn wir müssen gestehen, daß wir ein Aggregat von Opernarien und Volksliedern durch Variationen – in denen, wie es scheint, Herr Clement sich selbst besser als dem Publicum gefällt – mit einander verbunden, wohl eher Potpourri, als Fantasie genannt haben würden. 6) Dank den Rettern Teutschlands, Cantate von Clement, worin Herr und Mad. Grünbaum und Herr Kainz die Soloparthien sangen. – Wir hoffen, daß den Rettern Teutschlands noch ein schönerer Dank zu Theil werden soll; dieser ist für ein so herrliches Werk doch gar zu matt.

Den 19. Nov.: Der Alcade von Molorido, Lustspiel in 4 Aufzügen nach dem Französischen des Picart. Dieses Stück verdient unter die bessern Lustspiele der neuern Zeit gezählt zu werden. Es hat eine anziehende Verwickelung, äußerst komische Situationen und die Hauptcharaktere sind fleißig gezeichnet und gehalten; nur im letzten Act hat Herr Picart auf gut französisch zum Ende geeilt, und den Knoten durch ein allgemeines Bekenntniß sämmtlicher Sünden mehr zerhaut, als gelöst. Der Alcade, obgleich nahe verwandt mit dem Kotzebue’schen Bürgermeister, ist doch auch vielfach von ihm verschieden, und interessirt mehr, weil er ein besseres Gemüth, als der teutsche Kleinstädter hat. Herr Liebich gab ihn meisterhaft. Tenorio ist ein allerliebster spanischer Intriquant, und ward gleichfalls von Herrn Polawsky sehr brav dargestellt. Die übrigen – den spanischen Bedienten Pedro ausgenommen, den Herr Allram sehr teutsch spielte – sind ganz unbedeutende Rollen, Marionetten, die von Tenorio dirigirt werden; und es können sich Schauspieler in selben keinen großen Beyfall erwerben. Das Stück erhielt viele Beyfallsbezeugungen.

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Jakob, Charlene

Tradition

  • Text Source: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 6, Nr. 1 (1. Januar 1814), pp. 4

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