Carl Maria von Weber an Heinrich Carl Wilhelm Graf Vitzthum von Eckstädt in Dresden
Darmstadt, Mittwoch, 3. Dezember 1817

Ew. Exellenz

habe ich die Ehre, ergebenst Bericht über einige an mich eingegangene Briefe abzustatten.

1.) hat sich der Trompeter Schubert aus Berlin gemeldet und den Wunsch geäußert, wieder ins Vaterland zurückzukehren; ich habe ihm sogleich geantwortet u. auf meine Rückkunft vertröstet. Wie nothwendig diese Acquisition wäre, brauche ich wohl nicht erneuert zu erinnern, da der Trompeterjammer oft genug Ew. Exellenz vortragen ist.

2.) hat sich der Tenorist Leibnitz, nebst seiner, das erste tragische Fach spielenden Frau aus Stuttgart zu Engagement oder Gastrollen im Frühjahr gemeldet. Da ich beide nicht für ausgezeichnet genug halte, so habe ich ihm wenig Hoffnung gemacht, jedoch auch, wegen dem Tenoristenmangel diese nicht gänzlich benommen.

Dagegen hat sich
3.) der erste Tenor des Königl. Hannöverschen Theaters Franz Löhle zu Engagement angetragen, nebst seiner jungen Frau* für junge Liebhaberinnen im Schauspiel und 2te Parthien in der Oper. Da er weiter keine näheren Bestimmungen, als z.B. Zeit des Abgangs, Gage pp. gab, so habe ich ihn deshalb das Weitere zu erörtern angewiesen, sich direct an Ex. Hochgeboren zu wenden. Ich glaube, daß dieser Antrag nicht ganz von der Hand zu weisen sei; die Stimme ist schön und Jugend da.

4.) hab ich dem hiesigen mit sehr schöner Stimme aber übrigens etwas rohen Bassisten Hrn Dölcher Lust gemacht zu unserm Theater zu gehen. Er hat hier 1200 rh., kann zu Ostern abgehen und hat 6-wöchentliche Aufkündigung. Das nur einigermaßen Gute ist so selten, daß ich auch bitten würde, baldigst an ihn eine weitere Aufforderung u. Antrag ergehen zu lassen.

5.) war ich so frei, die Oper von Weigl Das Dorf im Gebirge für 10 Thaler, wohlfeil genug, zu kaufen, und bringe sie sogleich mit; habe auch Verbindungen angeknüpft, um alle Partituren baldigst u. wohlfeilst zu erhalten.

Vorgestern habe ich hier Concert mit Erfolg gegeben. Heute Abend reise ich ab, gedenke mich nur noch in Gotha und Weimar aufzuhalten u. so nach dem Geburtstag unsers Allergnädigsten Königs in Dresden einzutreffen. Es drängt mich nach Hause in meine Thätigkeit.

Meine Frau trägt mir auf, sie Eurer Exellenz ergebenst zu empfehlen, und indem ich um Fortdauer Ihrer gütigen Gesinnungen für mich bitte, habe ich die Ehre, mich hochachtungvollst zu nennen Ew. Hochgeboren
ganz ergebener
C. M. v. Weber.

Apparat

Zusammenfassung

berichtet seinem Vorgesetzten für Korrespondenz mit verschiedenen Sängern etc. betreffs Anstellungsverhältnissen sowie den Erwerb der Oper "Das Dorf im Gebürge" von Weigl

Incipit

habe ich die Ehre, ergebenst Bericht über einige

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Kopie: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. II B, 4, Nachtrag, Nr. 62, S. 994–995

    Quellenbeschreibung

    • Abschrift von Jähns

Einzelstellenerläuterung

  • „… angetragen, nebst seiner jungen Frau“Löhle hatte während seines Engagements in Hannover seine Kollegin Sophie, geb. Pauli (bzw. Pauly, 1797–1832) geheiratet. Beide wurden 1819 gemeinsam nach München engagiert.

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