Webers Konzertreisen von Dresden aus in den Jahren 1817 bis 1822

Während seiner Dresdner Jahre absolvierte Weber nur noch wenige Konzertreisen, und nicht bei allen dieser Reisen stand das Konzertieren im Mittelpunkt: Die Fahrten nach Berlin (1821) und Wien (1822) galten in erster Linie der Uraufführung des Freischütz bzw. der Vorbereitung der Euryanthe-Einstudierung. Grund der Reise Ende 1817 war nach der Eheschließung mit Caroline, geb. Brandt, die Begleitung der Schwiegermutter C. S. H. Brandt nach Mannheim, wo sie nachfolgend bei ihrem Sohn Louis lebte. Zur Entlastung der Reisekasse1 trugen auf der Rückfahrt die Auftritte im Dezember 1817 (in Darmstadt, Gießen und Gotha2) bei.

Konzertreisen im engeren Sinne waren lediglich der Abstecher nach Leipzig im April 1817 und vor allem die große Fahrt im Sommer und Herbst 1820 durch Mittel- und Norddeutschland nach Kopenhagen mit zwölf öffentlichen und zwei Hof-Konzerten. Ursprünglich war für den August 1820 die Uraufführung des Freischütz in Berlin geplant, von dort wollte Weber nach Kopenhagen weiterreisen. Die mehrfache Verschiebung des Premierentermins der Oper eröffnete größeren Spielraum für eine reine „Kunstreise“; sie kann – gerade im Vergleich zu Webers weit weniger erfolgreicher Konzertreise von 18073 – als Musterbeispiel einer sorgfältig vorbereiteten Konzerttournee gelten und wurde von einem Zeitzeugen mit dem „Triumphzuge eines römischen Imperators“ verglichen4. Webers lange Erfahrungen auf diesem Gebiet, die bereits 1810 bis 1812 in das (unvollendete) Projekt eines Handbuchs für reisende MusikerT gemündet waren, machten sich bezahlt: Schon im Vorfeld hatte er zahlreiche Empfehlungsschreiben gesammelt5, die ihm an für ihn unbekannten Orten wichtige Türen bei einflussreichen Familien öffnen konnten. Mittels Korrespondenz mit Partnern vor Ort konnte die Reiseplanung bezüglich Terminierung, Mitwirkenden und Repertoire optimiert werden. Die aufzuführenden Kompositionen waren entsprechend der Möglichkeiten vor Ort auszuwählen; an kleineren Orten ohne Orchester waren nur kammermusikalische Darbietungen möglich. Die ursprünglich geplante Reiseroute musste geändert werden, da die Abwesenheit J. S. Hermstedts ein Konzert in Sondershausen unmöglich machte; statt dessen wurde der Kurort Alexisbad im Harz als Ausweichstation gewählt6. Trotz gewissenhafter Vorbereitung war das Ergebnis der Planungen freilich nicht in jedem Fall erfolgreich: Die Messe in Braunschweig bewirkte, dass der dortige Konzertauftritt statt auf der Hin- auf der Rückreise stattfand7, während ein beabsichtigtes Konzert in Hannover nicht zustande kam, da sich die Rückreise verzögerte, nachdem der Aufenthalt in Kopenhagen länger dauerte als zunächst erwartet.

Wie üblich präsentierte sich Weber in seinen Konzerten sowohl als Komponist als auch als Interpret (Pianist / Dirigent), allerdings ließen ihm die überhand nehmenden dienstlichen Verpflichtungen in Dresden und seine Kompositionsarbeiten immer weniger Zeit für ein regelmäßiges Üben am Klavier. Das dürfte wohl, neben zunehmenden gesundheitlichen Problemen, der wesentliche Grund dafür sein, dass Weber nach dem Konzert am 19. März 1822 in Wien kaum noch öffentlich als Pianist in Erscheinung trat. Abgesehen von zwei Hofkonzerten am 20. und 23. April 1823 in DresdenT und einem Kurzauftritt als Klavierbegleiter in London am 26. Mai 1826 war er in der Regel nur noch im privaten Umfeld oder in geschlossenen Zirkeln am Klavier zu erleben. Ob die eher kritischen Stimmen zu besagtem Wiener Auftritt auf ein Nachlassen der pianistischen Fähigkeiten oder vielmehr auf unterschiedliche ästhetische Sichtweisen hindeuten, ist mit Sicherheit nicht zu klären, allerdings deuten die übereinstimmend begeisterten Stimmen aus Berlin 1821 eher auf Letzteres hin8.

Konzertnachweise

8. April 1817

Leipzig (Gewandhaus)
Konzertgeber: Extrakonzert mit aufgehobenem Abonnement, veranstaltet von der Konzertdirektion

  • Zettel:
  • Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, MT/1039/2007 und MT/331/2002 und MT/398/2002

1. Dezember 1817

Darmstadt
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Zettel:
  • D-DSsa, Faks. in: Müller, Adolf: Ehrengabe der Landeshauptsatdt Darmstadt. Den Teilnehmern der Jubiläums-Tagung des Reichsverbandes deutscher Tonkünstler und Musiklehrer gewidmet von der Landeshauptstadt Darmstadt, Darmstadt 1928 (u. a. D-B, Mus. Ce 24) und in: C. M. v. Weber in Darmstadt, Tutzing 1997, S. 122

5. Dezember 1817

Gießen
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Sonstige Quelle:
  • Weber-Tagebuch (Probe/Aufführung am 5. Dezember 1817)

11. Dezember 1817

Gotha (Schloß Friedenstein)
Hofkonzert

  • Sonstige Quellen:
  • Weber-Tagebuch (Probe/Aufführung am 11. Dezember 1817)
  • Eintrag im Gothaer Fourierbuch: „ist im Spiegelsaal nach gehaltenen [sic] Concert, an Spieltischen gespeißet worden.“

6. August 1820

Alexisbad
Konzertgeber: C. M. v. Weber

17. August 1820

Göttingen
Konzertgeber: C. M. v. Weber

29. August 1820

Oldenburg
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Programm:
  • öffentliches Konzert mit Orchesterbegleitung, als Sänger F. Jansen beteiligt

2. September 1820

Bremen (Saal des Kramer-Amthauses)
Konzertgeber: C. M. v. Weber

13. September 1820

Eutin (Rathaus)
Konzertgeber: C. M. v. Weber

15. September 1820

Plön
Konzertgeber: C. M. v. Weber

20. September 1820

Kiel
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Anzeige:
  • Wochenblatt zum Besten der Armen in Kiel, 1820, Nr. 31

4. Oktober 1820

Frederiksberg bei Kopenhagen
Hofkonzert

8. Oktober 1820

Kopenhagen (Hoftheater)
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Sonstige Quellen:
  • Weber-Tagebuch
  • Weber-Tagebuch (Probe am 7. Oktober 1820)
  • Brief von C. Klein an F. W. Jähns vom 22. Juni 1876
  • Anm.: zu dem von Weber benutzten Flügel (Kopenhagen: Richter & Bechmann, 1818) vgl. Angul Hammerich, Das Musikhistorische Museum zu Kopenhagen. Beschreibernder Katalog, Übers. Erna Bobé, Kopenhagen 1911, S. 123 (Nr. 484) [u. a. D-B, Mus. Fa 73a] bzw. die vorhergehende dän. Ausgabe: Angul Hammerich, Musikhistorisk Museum. Beskrivende illustreret Katalog, Kobenhavn 1909, S. 105f. (Nr. 484) [u. a. D-B, Mus. Fa 73]

14. Oktober 1820

Lübeck (Ebbescher Saal)
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Sonstige Quelle:
  • Weber-Tagebuch (Probe/Aufführung am 14. Oktober 1820)

31. Oktober 1820

Braunschweig (Saal des Medizinischen Gartens)
Konzertgeber: C. M. v. Weber

  • Sonstige Quelle:
  • Weber-Tagebuch (Probe/Aufführung am 31. Oktober 1820)

29. Juni 1821

Berlin (Jagorscher Saal)
Konzertgeber: J. Sedlaczek

  • Sonstige Quelle:
  • Weber-Tagebuch (Probe/Aufführung am 29. Juni 1821)

19. März 1822

Wien (Redoutensaal)
Konzertgeber: C. M. v. Weber

Weiterführende Literatur:

  • Dagmar Beck, Carl Maria von Weber in Eutin, Plön und Oldenburg
  • Dagmar Beck, Hamburg als Station auf Webers Konzertreise 1820
  • Ulrich Konrad, Carl Maria von Webers Aufenthalt in Göttingen und Hannover
  • Heinrich W. Schwab, Carl Maria von Webers Konzertaufenthalt in Kopenhagen (1820) – eine Bestandsaufnahme
  • Matthias Viertel, Carl Maria von Weber im Konzertsaal
  • Frank Ziegler, Leyer, Schwert und Freischütz-Ouvertüre – Bemerkungen zu Carl Maria von Webers Halle-Besuch 1820
  • Frank Ziegler, Carl Maria von Weber als Klaviervirtuose
  • Frank Ziegler, Johann Peter Lyser und die Familie von Weber in Lübeck

Einzelnachweise

  1. 1Vgl. Webers Brief an Gottfried Weber vom 21. Juli 1817.
  2. 2Ein erhofftes Konzert in Mainz kam nicht zustande; vgl. Webers Brief an Gottfried Weber vom 23. Oktober 1817 und den Tagebucheintrag vom 19. November 1817.
  3. 3Vgl. Weberiana 22, S. 5–43.
  4. 4Vgl. den Bericht in der Abend-Zeitung vom 12. Dezember 1820.
  5. 5Eine ganze Sammlung solcher Briefe blieb erhalten, da sie Weber nicht wie erhofft in Hannover einsetzen konnte, wo er sie zurückgelassen hatte; vgl. den Brief an Bernhard Hausmann vom 19. August 1820 inkl. Kommentar.
  6. 6Vgl. den Brief an Hermstedt vom 22. Juli 1820 inkl. Kommentar.
  7. 7Vgl. dazu u. a. Webers Briefe an Gottlob Roth vom 15./19. August 1820 und an Friedrich Kind vom 25. August 1820. Allerdings schreibt Weber im Brief vom 21. Juni 1820 noch, dass er Braunschweig nur aus privaten Gründen besuchen und vermutlich kein Konzert geben wolle.
  8. 8Vgl. Ziegler in Weber-Studien, Bd. 9, S. 31–34.
  9. 9Zunächst war anstelle dieser Arie von Mozart Webers Konzert-Arie op. 51 angekündigt.

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