Carl Maria von Weber an Hans Heinrich von Könneritz in Dresden
Wien, Mittwoch, 27. Februar 1822

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Hochwohlgebohrner
Hochzuverehrendster Herr Geheimer Rath!

So sehr sich auch bei mir fester Vorsaz und PflichtGefühl vereinigte, Hochdenenselben ausführliche Berichte von allem was ich auf dieser Reise sehe und höre, vorzulegen, so wenig bin ich doch bei der Maße die sich vorüber drängt, dieses zu thun im Stande, und muß mich damit trösten, E: Hochwohlgebohren mündlich desto genügender Auskunft ertheilen zu können. Das Ganze ist weit unter dem was ich früher in der Kaiserstadt zu finden gewohnt war. aber es sind viele recht brave Talente zerstreut, die weder zwekmäßig benuzt noch erkannt werden, und vielleicht findet sich unter diesen einiges für uns brauchbare.

Als wohlbestallter Geschäftsträger der Gnädigen Frau hingegen, hoffe ich glüklicher zu sein. ich habe einen förmlichen weiblichen Kriegsrath für diese türkischen Angelegenheiten* organisirt, und | der Himmel gebe daß der Frau Geheimräthin Zufrieden[heit] meinen Frieden herbeiführe.

Man drängt so häufig in mich ein Konzert zu geben daß ich nicht gerne diese günstige Stimmung ungenuzt vorbeigehen laßen möchte.      Darf ich hoffen daß E: Hochwohlgebohren nicht zürnen wenn ich circa 8 Tage länger ausbliebe?      ich höre daß den 2ten März der Freyschütz in Dresden gegeben wird*, und m[eine] Gegenwart also nicht so dringend nöthig ist.      Hier habe ich ihn schon zweimal gesehen, kann ihn aber erst d: 5t dirigiren*.      in der großen Stadt zieht sich auch alles in die Länge und Breite.

Indem ich Hochdieselben ergebenst um einige Zeilen der Gewährung meines Anliegens ersuche bitte ich die Ausdrükke der vollkommensten Hochachtung zu genehmigen mit welcher ich die Ehre habe zu sein E: Hochwohlgebohren
Meines hochverehrten Cheffs
ergebenster [Diener]
CMvWeber
Grünanger Gaße 838. 1t Stok.

Apparat

Zusammenfassung

über seine Eindrücke in Wien; er sei gegenüber früher enttäuscht; die Geschäfte für Frau K. hoffe er zur Zufriedenheit zu erledigen; man dränge ihn, ein Konzert zu geben, was er gerne wahrnehmen wolle; er habe gehört, dass den 2. März der Freischütz in Dresden aufgeführt werde und seine Gegenwart also nicht dringend nötig sei; also bittet er um 8 Tage Urlaubsverlängerung

Incipit

So sehr sich auch bei mir fester Vorsaz und PflichtGefühl

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Stockholm (S), Stiftelsen Musikkulturens främjande (S-Smf)
    Signatur: Weber, C M, Letter 6263

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.), urspr. wohl 1 DBL. (3 b. S. einschl. Adr.), Adr. fehlt
    • Vermerk auf der Rectoseite oben rechts von Könneritz: „erhalten 1. März 1822“
    • Vermerk auf der Versoseite oben rechts: „beantwortet eigenhändig | mit Zusicherung des Gesuchs.| 5. Maerz 22. [Paraphe]“

    Provenienz

    • Stargardt Kat. 518 AS (1955), Nr. 172
    • Stargardt Kat. 505 (1952), Nr. 519
    • Stargardt Kat. 497 (1951); Nr. 1259

    Einzelstellenerläuterung

    • „… Kriegsrath für diese türkischen Angelegenheiten“Weber sollte in Wien für Luise von Könneritz türkische Stoffe erwerben; vgl. die Briefe an Caroline von Weber vom 5. und 11. bis 13. März 1822.
    • „… Freyschütz in Dresden gegeben wird“Am 2. März 1822 wurde am Dresdner Hoftheater laut Tagebuch der deutschen Bühnen (1822, S. 149) Sargino gegeben, die nächste Freischütz-Aufführung fand erst am 25. April unter Webers Leitung statt (vgl. Tagebuch).
    • „… erst d: 5 t dirigiren“Weber hatte laut Tagebuch in Wien die Vorstellungen am 19. sowie 24. Februar besucht und dirigierte jene am 7. März.

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