Aufführungsbesprechung Karlsruhe, Großherzogliches Hoftheater: „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber im Januar 1822

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Karlsruhe, am 3. Februar.

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Nun aber zum theatralischen Glanzpunkt des Monats Januar – zum Freischützen!* Er wurde mehrmals gegeben bei vollem Hause, wie billig! Dank dem herrlichen Meister Maria Weber, dessen deutsches Kunstwerk zehn Rossiniaden aufwiegt! Hier ist gediegenes Gold, neben dem sich der italienische Flitterstaat ärmlich ausnimmt. Dem Vernehmen nach hat diese Oper schon in Wien den Rossini- und Spontinianern, einen schmerzlichen Stoß versezt. note01 Vielleicht geschieht dies auch hier wo mit jeder Vorstellung der Beifall wächst, obschon die Besetzung dem großen Zwecke nicht entspricht. Herr Eduard Meyer entbehrt des Allerwichtigsten: der Stimme*. Sein Spiel ist gut zu nennen – aber das genügt nicht in der Oper. Die Rolle der Madame Gervais (Agathe) erfordert eine jugendlich blühende Gestalt. Mit allem Aufwaud des Talentes konnte die Künstlerin doch nicht ganz ersetzen was ihr fehlt, um als Agathe das Lob einzuerndten, welches ihr sonst immer zu Theil wird. Herr und Madame Sehring waren ganz an ihrem Platze*, letztere wurde mit besonderem Beifall beehrt. Von herrlichem Effekte war die Schlußszene des zweiten Akts, wozu die treffliche Dekoration auch das Ihrige beitrug. In den frühern Vorstellungen griff jedoch alles besser ineinander, als in der leztern, wo sogar das wilde Heer plötzlich stehen blieb. Der dritte Akt scheint gedehnt, (Schuld des Dichters) Webers Zaubertöne beschwichtigen aber sogleich jeden leichten Anfall von Langeweile. Selbst der Eremit, (Herr Mittel) der durchaus nicht singen kann – wurde erträglich. Wir haben hier, genau genommen, noch keinen Begriff von der Wirkung die der Freischütz – gut besezt – hervorbringen muß. Dem Referenten kam, während der lezten Vorstellung dieser Oper, öfters die Frage in den Sinn: Wie befindet sich denn Herr Weixelbaum? Wäre dieser kein so guter, unvergeßlicher Sänger, wir hätten ihn schon längst aus dem ¦ Gesicht verloren, da er fast nie erscheint. Wird er nicht späterhin Meyers Rolle übernehmen? Schwerlich – denn der letztere hat sie schon, und wird sie fortspielen auf Kosten des Publikums. Die Chöre waren schwach. Am besten nahmen sich die Introduktion und der Jäger-Chor im dritten Akte aus. Das Lied der Brautjungfern entzückte uns im Munde von vier lieblichen Mädchen*. Es wird allerorts nachgesungen und – variirt! – mirabile dictu! –

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Apparat

Zusammenfassung

Aufführungsbesprechung Karlsruhe, Großherzogliches Hoftheater: „Der Freischütz“ und Carl Maria von Weber

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Fukerider, Andreas

Überlieferung

  • Textzeuge: Charis. Rheinische Morgenzeitung für gebildete Leser, Jg. 2, Nr. 2 (9. Februar 1822), S. 1–2

Textkonstitution

  • „Aufwaud“sic!

Einzelstellenerläuterung

  • „… Januar – zum Freischützen !“Am 20. Januar 1822 fand in Karlsruhe bereits die dritte Vorstellung der Oper statt (Premiere: 26. Dezember, erste Wiederholung: 30. Dezember 1821).
  • „… entbehrt des Allerwichtigsten: der Stimme“Meyer sang den Max.
  • „… waren ganz an ihrem Platze“Henriette Sehring gab das Ännchen, Carl Sehring den Caspar.
  • „… Munde von vier lieblichen Mädchen“Laut Charis vom 2. Oktober 1822 Schülerinnen des Hoftheater-Instituts.

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