Carl Maria von Weber an Ferdinand Leopold Carl Freiherr von Biedenfeld in Berlin
Hosterwitz, 6. September 1824

Verehrtester Freund!

Wenn Sie recht böse auf mich sind, so kann ich nur zu Ihrer bekannten Güte meine Zuflucht nehmen, und als ein Theil meiner Entschuldigung anführen, daß ich vom 27t Juny bis 14t August von hier abwesend im Marienbade war*, und daß man, um mich ganz frey von allen möglichen Verdrüßlichkeiten zu halten, mir keine Briefe nachsandte*. daß ich nun seitdem noch nicht geschrieben rechnen Sie der Maße des Aufgehäuften, und meiner Nachkur an.

Doch zur Sache. Meine Gesundheit ist so so. die Lust zur Arbeit noch nicht sonderlich. doch will ich recht gerne mithelfen bei Ihrem neuen schönen Werke, so weit es meine anderweitigen Verhältniße, und das Wohlgefallen an dem was Sie mir vielleicht zusenden, es erlauben.

Sie wißen daß ich weder schnell arbeite, noch mich zur Composition von etwas bestimmen laße, das mich nicht lebendig anspricht. ja es kann mir sogar im Ganzen recht wohl gefallen, ohne mich zur musikalischen Dichtung zu begeistern. Wenn ich Ihnen daher eigensinnig erscheine, und Manches zurükschikke, so bedinge ich mir im Voraus, daß Sie nicht ungeduldig und böse werden.

Die Pintos sind für die hiesige Bühne bestimmt, und noch weit von ihrer Beendigung entfernt.

Ein Ruf nach London zu CoventGarden, für 2 Opern und die Direction der Oper, beschäftigt mich auch sehr. Für Freund Spitzeder würde ich mit großer Lust schreiben.

Weiß ich einen guten Tenor, so nehmen Sies nicht übel wenn ich ihn selbst behalte.

Bedingungen schlage ich nie selbst vor da ich die Verhältniße einer neuen Bühne nicht kenne, und voraus sezze man wird mir bieten was Recht und beiden Theilen anständig ist.

Selbst hinkommen? unter diesem schönen Verhältniß mit H: Ritter Sp: Schwerlich. dieß würde mir alles verbittern.

An Schwarz habe ich natürlich nichts bestellen könnnen. Er hat hier sehr gefallen*.

Meine Frau erwiedert freundlichst Ihre lieben Grüße. Wir leben in fataler Krise, H: v: Könneritz geht schon Ende dieses Monats nach Madrid als Gesandter, und noch haben wir keinen neuen Cheff. --

Laßen Sie mich bald wißen daß Sie nicht zürnen Ihrem alten Freunde
Weber.

Editorial

Summary

entschuldigt Briefschulden, da er im Marienbad war u. noch nicht ganz gesund sei; will an B's "schönem Werke" mithelfen, sich aber bei Kompositionen zeitlich nicht festlegen lassen; erwähnt Arbeit an Pintos u. Oper(n) für London; [noch unvollständig]

Incipit

Wenn Sie recht böse auf mich sind, so kann

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Tradition

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: Mus. ep. Weber, C. M. v. 248

    Physical Description

    • urpsr. 1 DBl. (2 b. S. einschl. Adr.)
    • Adr. abgeschnitten [Blatt zu 1/4 erhalten]
    • Siegel
    • Heftspuren

    Provenance

    • Stargardt Kat. 651 (1992), Nr. 1196, mit Teilfaks.

Text Constitution

  • “es”crossed out.

Commentary

  • “… hier abwesend im Marienbade war”Weber fasst hier seine Reisen nach Quedlinburg (27. Juni bis 5. Juli 1824) und Marienbad (8. Juli bis 14. August 1824) zusammen.
  • “… halten, mir keine Briefe nachsandte”Den Brief von Biedenfeld erhielt er allerdings laut Tagebuch am 28. Juli 1824 nachgesandt.
  • “… Er hat hier sehr gefallen”Carl Schwarz gastierte am Dresdner Hoftheater am 6. Juli (Feldern in Hermann und Dorothea, Bergheim in Der gutherzige Alte von Lambrecht), 9. Juli (Franz Bertram in Die Versöhnung) und 12. Juli 1824 (Ahlden in Verbrechen aus Ehrsucht).

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