Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater, 4.–20. Januar 1815

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Theater.

Prag. – Mad. Grünbaum gab am 4. Jänner zu ihrer Benefice: Helene, Oper von Mehul, welche fast ganz durchfiel. (Sie ist seitdem noch ein Mahl gegeben worden, und wird wahrscheinlich hiermit abgethan seyn.)

Den 6. Jän.: Die Zurückkunft aus Surinam, Lustspiel in 3 Aufzügen nach Voltaire von Dr. Müllner. Dieß Stück ist in diesen Blättern erst unlängst detaillirt worden; wir begnügen uns also mit der Nachricht, daß es hier nur getheilten Beyfall fand. Herr Wilhelmi (Krum), Herr Polawsky (Baron), Herr Löwe (Der junge Schmalt) und Mad. Allram (Stubenmädchen) spielten recht brav. Was das Tanzen betrifft, so scheint es, als hätten es die Erwachsenen sammt und sonders, als läppisch und unschicklich, den Kindern überlassen. Wir sehen – etwa außer dem Mechanikus – nur Divertissements von Kindern; Musik und Tanz von der Erfindung des Herrn Macco; eines der letztern: die Zigeuner, war so neu in der Invention, daß sogar der Pagliassospaß mit den zahllosen übereinandergezogenen Westen vorkam; er wurde an einem Juden exequirt, der sich am Ende in ein Mädchen verwandelte. Unter dem kleinen tanzenden Personale zeichnen sich vor allem zwey Töchter der Mad. Schröder aus; die größere tanzt schon sehr brav, und beyde interessiren durch eine wahrhaft kindliche Grazie, welche der Dlle. Binder – die vielleicht eine bessere Tänzerinn wird, als jene – durchaus fehlt. Daß sich die Tänze dieser kleinen Personen auf unserer großen Bühne ¦ ausnehmen wie ein Lilliputisches Gastmahl, es versteht sich von selbst.

Trotz des geringen Glückes, welches Mad. Quandt bey ihrer ersten Gastrolle – im Testament des Onkels – gemacht hatte, erschien sie am 12. Jänner noch ein Mahl, und zwar als Eulalia in Menschenhaß und Reue. Wenn wir auch schon vergessen hätten, mit welcher unbeschreiblichen Anmuth Mad. Löwe diese Rolle gab, so würden wir dennoch die Güte des Prager Publicums bewundert haben, welches, das Recht der Gastfreyheit ehrend, diesen ungebethenen Gast nur durch Kälte bestrafte.

Den 20. Jän. Axur, König von Ormus, Oper in 4 Acten von Salieri. – Herr Bassi erschien als Axur, und zeigte uns leider, daß er der teutschen Sprache bey weitem nicht mächtig genug sey, um in einer ernsten Rolle aufzutreten. Wer sich seiner ehemaligen Erscheinung erinnert, der sieht leider, daß nur noch die Ruine eines herrlichen Gebäudes übrig ist. Übrigens schienen sich dieß Mahl Sänger und Direction verschworen zu haben, dieser herrlichen Composition Salieri’s den Todesstoß zu geben. Herr Grünbaum ist zwar seit einiger Zeit nicht gar so heiser als früher; doch ist er dem Atar keineswegs gewachsen; eben so wenig Mad. Allram der Fiamella, welche ihr bestes Gesangstück ausließ. Mad. Grünbaum sang und spielte die Aspasia sehr schön. Herr Kainz (Arteneo) und Herr Siebert (Biskroma) hätten ihre Rollen vertauschen sollen, wodurch beyde gewonnen haben würden. Decorationen und Garderobe waren über die Massen armselig und unpassend.

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Schaffer, Sebastian

Tradition

  • Text Source: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Jg. 7, Nr. 40 (4. April 1815), pp. 176

    Commentary

    • Fiamellarecte “Fiametta”.

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