Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater, März 1814 (Teil 2/2)

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Prag.

(Beschluß)

Herr Gley vom Hamburger Theater hat hier Gastrollen gegeben. Er zeigte sich als Spieler, als Ferdinand in „Kabale und Liebe,“ als Rolla in den „Sonnenjungfrauen.“ Das Publikum, das alle diese Rollen vortrefflich von Herrn Bayer geben sah, fand eben kein sonderliches Behagen daran. Als Spieler ward er hervorgerufen. Seine Frau trat an einem Abende mit ihm in zwei Intermezzos auf, in „Andromeda und Perseues,“ und in einer doppelten Verkleidungs Oper: „die Verwandlungen.“ Ihre Stimme ist stark und voll, doch überladet sie den Gesang mit Schnörkeln, und detonirt auch zuweilen. Auch ihr Mann sang als Perseus, und dann in der Oper, doch Referent versichert: daß er diesen Gesang nicht oft gerne hören würde, als Perseus hätte er getrost damit das Meer Ungeheuer verscheuchen können. Die Oper war herzlich langweilig. Das Publikum rief Madame Gley hervor. Herr Neumayer, ehemals Mitglied der königlichen Hofkapelle zu | München, machte als Sargines seinen ersten theatralischen Versuch. Er hat eine sehr angenehme Stimme, eine hübsche Figur, und wird sich wohl im Spiel vervollkommnen. Madame Grünbaum, dieser Liebling des Publikums, die Tochter des rühmlich bekannten Kapellmeisters Müller als Sophie ist über alles Lob erhoben. Herr Kainz, der nach überstandenem Nervenfieber wieder auftrat, ward lebhaft empfangen. Seine schöne Stimme hat durch die Krankheit nichts verloren. Die Oper ging sehr gut.

Weniger glücklich als Herr Neumayer war Demoiselle Bach, neu engagirtes Mitglied, die bald darauf auch als Sargines debutirte. Es ist hier für jede Sängerinn schwer, neben Madame Grünbaum zu exzelliren. Demoiselle Bach hat eine sehr starke Stimme, hauptsächlich hat ihr ihr überladenes manierirtes Spiel geschadet, das Spiel muß sie vor allem andern zu verbessern trachten. Sie nehme sich Madame Grünbaum zum Muster.

Wir sahen „Don Juan“ hier wieder; die Vorzüglichkeit des Herrn Kainz in dieser Rolle ist bekannt, er wurde stürmisch nach dem Ende der Vorstellung hervorgerufen. Madame Grünbaum als Donna Anna sang über allen Ausdruck schön. Demoiselle Brand als Zerline, ist wohl jetzt die beste Zerline in Deutschland. Herr Grünbaum als Don Ottavio gab seine Rolle mit vielem Fleiße. Demoiselle Bach, die den Part der Elvira, von der erkrankten Madame Allram übernommen hatte, gefiel mehr als in ihrer ersten Rolle. Herr Siebert als Leporello übertraf alle billigen Erwartungen. In Hinsicht des Gesanges ließ er durchaus nichts zu wünschen übrig. Bei dieser Vorstellung ereignete sich ein großer Uebelstand. In der Scene mit Elvira und Leporello, als Elvira den Leporello für Don ¦ Juan hält, war es immer lichter Tag, bis endlich eine starke gebieterische Stimme von den Koulissen heraus „Nacht!“ rief, und diese seltsame Naturerscheinung unter dem Gelächter der Zuschauer auch sogleich erfolgte. – — –

Die Oper: „die Verwandlungen,“ Musik von Fischer erhielt hier, wie überall vielen Beifall. Demoiselle Brand als Madame Florval führte die drei Charaktere meisterlich durch, eben so war Madame Allram, die die alte Frau übernommen hatte, des höchsten Lobes werth. Herr Wilhelmi als alter Chevalier spielte sehr brav.

Hedwig“ Drama von Theodor Körner, gefiel hier recht sehr. Madame Löwe gab die Heldinn des Stückes mit gewohnter Kunstfertigkeit. Herr Bayer hat den Charakter des Rudolph bei der ersten Vorstellung zu ruhig genommen, bei der zweiten hat er seine Ansicht verbessert. Madame Herold gab die alte Gräfinn recht gut.

Fanchon“ ward hier neuerdings mit vielem Beifall gegeben. Demoiselle Brand entwickelte in der Hauptrolle allen Zauber ihres Spiels und Gesanges. Herr Allram gab den Tapezier vortrefflich. Herr Wilhelmi, mußte sich als Abée wieder zum Singen bequemen, wir begreifen nicht, warum die Direktion diese Rolle nicht Herrn Siebert zugetheilt hat. Auch Herr Polavsky sang als St. Val, das Publikum schien seine Freude an Mißtönen zu finden. Bei solchen Sängern könnte „Fanchon“ auch das „Leyermädchen in Krähwinkel“ heißen. Die übrigen Rollen wurden mit vielem Fleiße dargestellt. Demoiselle Bach gab die Rolle des jungen Savojarden mit vieler Natürlichkeit.

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