Carl Maria von Weber an Thaddäus Susan in Teisendorf
München, Donnerstag, 14. November 1811

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Einzig ewig gleich geliebter Freund.

Mit welchen Ausdrücken soll ich dir die unendliche Freude beschreiben, mit der dein Brief vom 18. August, den ich hier in München, nach meiner Zurückkunft aus der Schweiz erhielt, mich erfüllte. Ja, du konntest fest auf meine unwandelbare Liebe zu dir rechnen, und stets warst und bliebst du mir theuer, und die mit dir verlebten Augenblicke gehören noch immer zu den schönsten meines Lebens. In Breslau habe ich keine Zeile* von dir erhalten, und eben dieß lange Stillschweigen auch von dir betrübte mich oft sehr; in der hiesigen Zeitung* las ich zuerst wieder, daß du in Salzburg das Fest der Berge* componirt hättest, und freudig wollte ich nun an dich schreiben, als meine Schweizer Reise mir jeden Augenblick Zeit raubte. Ich kam hieher zurück, fand deinen Brief, und nun soll nichts mehr unsern Briefwechsel unterbrechen. So viel du mir zu sagen haben wirst, habe ich dir gewiß auch zu sagen, und wie glücklich könnte mich eine Zusammenkunft machen! Aber leider Gottes ist vor der Hand keine Aussicht dazu. Vorgestern gab ich hier mein zweytes Concert* mit dem unendlichsten Beyfall. und bis Ende dieses Monats reise ich von hier über Prag nach Berlin, habe aber hier während dieser vierzehn Tage noch so viel zu componiren und zu besorgen, daß nur ein Freund wie du mich bewegen konnte, mir diesen Moment Zeit zu stehlen, und ihm, wenn auch nicht so ausführlich, wie ich gerne möchte, doch mit ein paar heißen Worten zuzurufen, ich bin ganz der Alte im Herzen. Schreibe mir nur ja noch hieher, und ausführlicher, ich werde dir immer sogleich antworten, und dir berichten, wo du deinen nächsten Brief hinzuschicken hast. Ich freue mich unendlich zu hören, was du in der Kunst gethan. Meine Schicksale waren seit unserer Trennung sonderbar, bunt und mancherley, aber jetzt lebe ich zufrieden in meinem Beruf und strebe noch immer mit demselben Feuer vorwärts, als vor sieben Jahren in meiner Brust glühte. – Daß ich dich einst umarme ist gewiß, wenigstens ist es mein fester Entschluß, aber ein paar Jahre mögen noch verfließen, ehe dieser Genuß mir zu Theil wird. Doch laß uns hoffen und unsern Bund wenigstens durch die Feder erneuert erblühen.

Lebe wohl innigst geliebter Bruder, und schreibe bald wieder deinem ewig treusten
Freund v. Weber m. p.

Apparat

Zusammenfassung

bedankt sich überschwänglich für Susans Brief u. hofft auf Wiederaufleben der Korrespondenz; Treffen sei in nächster Zeit unwahrscheinlich

Incipit

Mit welchen Ausdrücken soll ich Dir die unendliche Freude beschreiben

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung in 2 Textzeugen

  • 1. Textzeuge: Verbleib unbekannt

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • kürzere Auszüge daraus in: Thaddäus Susan, Ein Brief von Carl Maria von Weber, in: Iris. Zeitschrift für Wissen, Kunst und Leben, Jg. 3, Nr. 56 (12. Mai 1827), S. 222
  • 2. Textzeuge: Briefe von Carl Maria von Weber, in: Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, Jg. 28, Nr. 5 (7. Januar 1843), S. 33f.

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Nohl, Ludwig: „Briefe C.M.von Weber’s“, in: Mosaik. Leipzig 1882, S. 85–86 (o.D.)

Textkonstitution

Textwiedergabe nach dem Erstdruck des kompletten Briefes 1843

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