Carl Maria von Weber an Friedrich Rochlitz in Leipzig
Prag, Montag, 11. September 1815

Theuerster Freund!

Schon wieder eingespannt ins Joch, ergreiffe ich die Feder Ihnen meine glükliche Reise hieher zu melden. ich verließ München recht schwer, denn ich hatte viel Liebe und Freundschaft da empfangen und diese 3 Monate hatten mich recht erhoben und zu neuer Arbeit gestählt. wovon ich den Beweis lieferte indem ich ein Quintett für Clarinett 2 Viol: V: und Viol: eine große Scene für Mad: Harlas ein Adagio und Rondo für Clarinette und Pianoforte, vollendete. ein Concertino für das Horn mit ganzem Orchester, gänzlich umarbeitete, und den grösten Theil meiner Cantate skizzirte.      d: 5t huj: reiste ich ab, und kam d: 7t hier an. je näher ich meiner Bestimmung entgegen rükkte, desto mehr schwand das schwer errungene Bischen Heiterkeit, und ich habe wahrlich alle Anstrengung nöthig nicht wieder in den alten dumpfen unthätigen Trübsinn zu verfallen.      die Anwesenheit meines lieben Freundes Gänsbacher ist mir eine freundliche Erscheinung in dieser Zeit, nur leider schwindet mir diese in wenig Tagen wieder*, und stehe aufs neue ganz allein.      doch genug des Jammers – auch dieß Probejahr wird überstanden werden.

Nun zu Ihren GeschäftenT.      Mit dem Baron Asbek und Grafen Vichy, war es nichts. es fehlt am besten. der thätigste und nüzlichste hievon bleibt immer der Prof: Späth. ich habe mit ihm ausführlich über die Sache gesprochen und er macht sich ein Vergnügen daraus, alles zu thun was er kann. er ist jezt nach Heidelberg zu den Boiseris* gereißt, denen er auch vorläufig von Ihrer Sammlung sprechen will. Vor allem wünscht er natürlich einen Catalog. Er kömt Ende September zurük.      seine Adreße ist. Profeßor Späth am Königl: Kadetten Corps. Rochus Gaße No: 1453.

ich bin überzeugt daß wenn in München etwas geschehen kann es gewiß durch diesen geht. derselben Meinung ist auch Schelling der übrigens noch für gut hält, wenn sie folgenden noch Kataloge mit einigen verbindenden Worten zuschikten:      1t dem Kronprinzen von Bayern. einem großen Kunstfreunde, der unter andern jezt sich wieder 100000 ƒ von seinem Vater erbeten hat, in Paris Kunstschäzze zu kaufen.      2t dem Minister Grafen v: Mongelas.      3t dem Central Gallerie Director v: Mannlich, und 4t dem Akademie Direktor v: Langer.      Je mehr so eine Angelegenheit verbreitet und bekannt wird, desto beßer. und da darf einen dann freylich auch mancher Schritt umsonst nicht reuen. Mit denen Kunsthändlern war gar nichts zu machen, die wollten sehen, und dann nur | höchstens Comissions Weise sich damit befaßen. Wenn Sie mir auch einen Catalog nebst Preisen, /: die wünschen die andern auch :/ zuschikken wollen, so will ich versuchen, die Kunstliebe der böhmischen Großen bis zum bezahlen zu bringen.

Ich arbeite übrigens fleißig an meiner Kantate die ich gerne so bald als möglich in die Welt schikken möchte.

Beyliegende Anzeige zu der mich H: Bischoff aufforderte, bitte so bald als möglich einen Plaz in der Musik: Z: zu gönnen.

Machen Sie mir bald die Freude etwas von Ihnen zu hören. empfehlen Sie mich Ihrer lieben verehrten Hausfrau und den Kindern aufs herzlichste, und behalten Sie lieb Ihren unveränderlich treuen Freund Weber

Apparat

Zusammenfassung

meldet Rückkunft in Prag; listet die während seines Aufenthalts in München enstandenen Kompositionen auf; betr. Verkauf einer Kunstsammlung von Rochlitz; nennt einige Adressen, an die Rochlitz sich in dieser Sache wenden könne; bittet um Veröffentlichung einer beiliegenden Anzeige in der Musikalischen Zeitung.

Incipit

Schon wieder eingespannt ins Joch, ergreiffe ich

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. London (GB), The British Library (GB-Lbl)
    Signatur: Add. 47843 f. 45

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.)

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Foto: Weberiana Cl. VIII, Heft 3, Nr. 10

Einzelstellenerläuterung

  • „… diese in wenig Tagen wieder“Gänsbacher, der sich in dienstlichen Angelegenheiten in Prag aufhielt (vgl. den Brief an Gottfried Weber vom 20. August 1815 inklusive Kommentar), reiste laut Tagebuch am 6. Oktober wieder von dort ab.
  • „… nach Heidelberg zu den Boiseris“Die Brüder Sulpiz (1783–1854) und Melchior (1786–1851) Boisserée waren Kunstsammler und lebten in Heidelberg.

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