Carl Maria von Weber an Friedrich Kind in Dresden
Dresden, Dienstag, 27. November 1821
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Mein theurer Freund und MitVater!
Unser Freyschütz gedeihet über die Maaßen, und wird von den Direktionen bei weitem mehr gesucht und beßer honorirt als ich erwarten konnte. Es ist daher wohl natürlich daß ich seit langer Zeit mich mit dem Gedanken trug, dem theuren Freunde deßen herrliche Gemüthvolle Dichtung mit dem nur ihr eigenthümlichen Zauber, dieser Oper das Anziehende verlieh, – auch wieder meinerseits zu beweisen, wie gerne ich Alles hervorsuchen möchte, auch Ihm mit Etwas Freude zu machen.
Ich sann und überlegte, was Ihnen wohl ein zwekmäßiges erfreuliches Andenken an den Freyschützen geben könnte. da kam ich immer wieder auf meine eigene Erfahrung zurük, daß bei ähnlichen Fällen die Leute nie das trafen, was mir brauchbar, oder dauernd erfreuend sein konnte, und daher die Sache immer nur halb ihren Zwek erfüllte.
Ich denke also, Freund Kind, dem mein Herz in Allem immer so offen dargelegen hat, wird auch jezt mich nicht spröde verkennen oder gar zurükweisen, wenn ich zu ihm spreche, wie nun eben Männer die das Leben kennen, und seinen Anfoderungen am liebsten aus eigenem Willen und Kraft genügen, – miteinander sprechen: und ihm sage, Freund! erlaube mir, dieß in deine Hände legen zu dürfen*, und versprich mir etwas damit anzufangen das dir und den deinigen Freude macht, damit ich den schönsten einzigen Zwek den ich haben kann erfüllt sehe, nehmlich, dir Freude zu machen.
Und so will ich denn auch zu Ihnen mein herzlieber Freund gesprochen haben. Werden Sie Ihrem Sie so innig verehrenden und liebenden Weber zürnen? Dresden d: 27t 9br 1821.
Apparat
Zusammenfassung
Erfolg des Freischütz veranlasst Weber, Kind ein zusätzliches Honorar zu senden
Incipit
„Unser Freyschütz gedeihet über die Maaßen“
Verantwortlichkeiten
- Übertragung
- Joachim Veit
Überlieferung in 2 Textzeugen
-
1. Textzeuge: New York (US), Pierpont Morgan Library (US-NYpm), Mary Flagler Cary Music Collection
Signatur: MFC W3733.K51Quellenbeschreibung
- 1 Bl. (2 b. S. einschl. Adr.)
- Siegelrest
- unter Bezugnahme auf die Nummerierung im Freischütz-Buch von F. Kind von F. W. Jähns auf der Rectoseite unten rechts mit „33“ gezählt (Bleistift)
Provenienz
- Henrici Kat. 97 (20. Nov. 1924), Nr. 204
Dazugehörige Textwiedergaben
-
Kind: Freischütz-Buch, S. 167–168 (Nr. 33)
-
MMW II, S. 348–349 (unter 26. Nov.)
-
2. Textzeuge: Entwurf: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Mus. ms. autogr. theor. C. M. v. Weber WFN 6 (XI), Bl. 75b/rQuellenbeschreibung
- Datierung im Entwurf im Nachhinein von 26t zu 27t 9b korrigiert
Textkonstitution
-
„… Eigenhändig .“Entwurf überschrieben mit: An H. Hofr. Friedr. Kind. nebst 20 # in Gold.
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„Erfahrung“„Gefühl“ überschrieben mit „Erfahrung“
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„alter“durchgestrichen
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„zürnen“gelöschter Text nicht lesbar
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„7“„6“ überschrieben mit „7“
Einzelstellenerläuterung
-
„… deine Hände legen zu dürfen“Vgl. TB 27. November 1821: an Kind geschrieben und ihm aus freyem Antriebe ein nachträgliches Honorar von 20 # für den Freyschützen geschikt. siehe Entwürfe. Er schikte es mir zurük. [...] an Kind nochmals geschrieben [s. dazu zweiten Brief vom selben Tag ].
Lesarten
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Textzeuge 1: „honorirt“Textzeuge 2: „Honorirt“
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Textzeuge 1: „Gemüthvolle“Textzeuge 2: „gemüthvolle“
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Textzeuge 1: „–“Textzeuge 2: Text nicht vorhanden.
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Textzeuge 1: „Alles“Textzeuge 2: „alles“
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Textzeuge 1: „eigene Erfahrung“Textzeuge 2: „eigenes Gefühl Erfahrung“
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Textzeuge 1: „nie“Textzeuge 2: „nie“
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Textzeuge 1: „mir“Textzeuge 2: „mir“
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Textzeuge 1: „Allem“Textzeuge 2: „allem“
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Textzeuge 1: „–“Textzeuge 2: Text nicht vorhanden.
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Textzeuge 1: „:“Textzeuge 2: „,“
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Textzeuge 1: „!“Textzeuge 2: „,“
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Textzeuge 1: Text nicht vorhanden.Textzeuge 2: „alter“
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Textzeuge 1: „verehrenden“Textzeuge 2: „verehrend“
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Textzeuge 1: „zürnen“Textzeuge 2: „[…] zürnen“
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Textzeuge 1: „7“Textzeuge 2: „6 7“