Carl Maria von Weber an Carl Graf von Brühl in Berlin?
Dresden, Dienstag, 3. Dezember 1822

Hochgebohrener
Hochverehrter Herr Graf!

Leider habe ich das Ballet Kiaking* nicht gesehen. aber selbst Duport rühmte es mir als etwas sehenswerthes; indem er dabey auf die übrigen Schöpfungen des H: Titus keinen sonderlichen Werth legte. ich bedaure daher sehr keine eigne Meynung dabei haben zu können. Es wurde an der Wien gegeben; gefiel sehr, und erlebte nur deßhalb glaube ich keine sehr zahlreichen Vorstellungen weil wenn ich nicht irre das Kinderballet darinn verflochten war, deßen Aufhebung dann hinderlich eintrat.

Mit meiner Euryanthe steht es schlecht. Frau v: Chezy ist seit dem 7b in Berlin, -- die Hoffeste hier, wobei ich noch allen Dienst allein übernehmen mußte da Morlachi schnell erkrankte*, -- dieß alles macht, daß ich leider diesen Winter verlohren geben muß: Ein für mich höchst fataler Zufall. Wobei mich nur mein altes Motto -- wer weiß wozu es gut ist -- trösten kann.

Genehmigen Hochdieselben die Ausdrükke der vollkommnen Verehrung und Liebe mit welcher ich zu sein die Ehre habe
E. Hochgebohren herzlich ergebener
CMvWeber

Apparat

Zusammenfassung

über das Ballett Kiaking, das er leider nicht gesehen habe u. über die Schwierigkeiten, die der Vollendung seiner Oper im Wege stehen (Chezy in Berlin, Hoffeste, Krankheit Morlacchis)

Incipit

Leider habe ich das Ballet Kiaking nicht

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung in 2 Textzeugen

  1. In Privatbesitz

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (1 b. S. o. Adr.)

    Provenienz

    • Schneider/Tutzing Kat. 167 (1971), Nr. 239

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Brühl, S. 36–37 (Nr. 35)
  2. Kopie: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. II B, 1. a., Nr. 35, S. 37–38 (unter 4. 12.)

    Quellenbeschreibung

    • Kopie von Ida Jähns

Einzelstellenerläuterung

  • „… habe ich das Ballet Kiaking“Kiaking, pantomimisches Ballett in fünf Aufzügen, Libretto von Antoine-Titus Dauchy, Musik verschiedener Komponisten arrangiert von Gyrowetz; das Werk wurde an der Wiener Hofoper zwischen dem 17. August und 4. Oktober 1822 insgesamt achtmal gegeben.
  • „… mußte da Morlachi schnell erkrankte“Weber musste im Rahmen der Festlichkeiten zur Hochzeit von Prinz Johann nicht nur seine Festspiel-Musik (28./30. November), sondern auch die Tafelmusik (22. November), Kirchenmusik (23./24. November) und Morlacchis Festkantate (25. November) dirigieren.

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