Die Webers und die Wanderbühnen ihrer Zeit
Frank Zieglers Beiträge zu einem wenig erforschten Thema – Online-Version zu seinem 60. Geburtstag

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Als wir im Vorfeld des 60. Geburtstags unseres geschätzten Kollegen Frank Ziegler darüber nachdachten, womit wir seinen unermüdlichen Einsatz für die Belange der Weber-Forschung am besten würdigen könnten, wurde unser Augenmerk rasch auf ein sonst oft vernachlässigtes Gebiet gelenkt, dem der Jubilar im Laufe seines Wirkens sehr viel Herzblut gewidmet hat: Niemand hat wohl für das Aufarbeiten von Informationen über die Mitglieder der Familie Weber und ihre Tätigkeit in verschiedenen (darunter auch eigenen) wandernden Theatertruppen mehr Zeit investiert und intensiver – und erfolgreicher – geforscht als Frank Ziegler. Er gab sich nie mit „Ungefährem“ zufrieden, sondern suchte so lange nach Daten bis er wusste, welche Madame Müller es war, die in einem bestimmten Zeitraum im Städtchen X aufgetreten ist. Oder er nahm Widersprüche in der Literatur (die Madame Müller, die am 18. April 1824 abends in Hamburg auftrat, konnte einfach nicht diesselbe sein, die am 19. April morgens als Königin der Nacht in Rathenow genannt ist) zum Anlass, Recherchen in teils entlegener Literatur, in den Archiven vor Ort oder in der lokalen Presse anzustellen. Viele solcher kleinen „Forschungsunternehmen“ wurden mit ohnehin anstehenden (Urlaubs-)Reisen, mit Theaterbesuchen oder mit kleinen Zwischenstopps auf regulären „Touren“ verbunden.

Was hier im Laufe der Jahrzehnte zusammenkam, erfreute zum einen die Mitglieder der Weber-Gesellschaft bei ihren jährlichen Mitgliederversammlungen, die Ziegler sehr oft mit einem lokal einschlägigen Vortrag nach dem Motto „Carl Maria und …“ oder „Die Webers in …“ verband und dabei seine neuesten Erkenntnisse präsentierte. Da er andererseits schon gleich nach Beginn seiner Tätigkeit mit Heft 3 (1994) der Weberiana die Redaktion dieser Mitteilungen der Internationalen Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft übernommen hatte, die er dann fast ein Vierteljahrhundert innehatte, bot sich die Gelegenheit, viele dieser Beiträge in überarbeiteter Form hier zu publizieren. Unter Zieglers Redaktion entwickelte sich die Weberiana rasch zu einer so qualitätvollen Publikation, dass der Tutzinger Verleger Dr. Hans Schneider sie im Jahr 2000 in seinen Verlag übernahm. Als dieser 2015 seine Verlagstätigkeit einstellte, fand sich mit dem Allitera-Verlag in München ein Nachfolger, der die Bände bis heute betreut. Die große Konstante der Weberiana aber war Ziegler selbst – die Zahl seiner eigenen Beiträge in diesen Bänden, die den bei Schott erscheinenden Weber-Studien zunehmend wissenschaftliche Konkurrenz machten, übertraf die Zahl seiner „Dienstjahre“ als Redakteur um ein Vielfaches, wie man der Bibliographie der Veröffentlichungen Zieglers auf unserer Website leicht entnehmen kann. Dabei wechselten wissenschaftliche Beiträge mit launigen Besprechungen von Aufführungen, Büchern oder unzähligen (zuvor intensiv gehörten!) Tonträgern, Berichten aus den Arbeitsstellen oder Beschreibungen von Quellenfunden bzw. -erwerbungen (vgl. hierzu die Bibliographie).

Die Weberiana blieben dabei aber auch das wichtigste Spielfeld für die Veröffentlichung weiterer Ergebnisse seiner Forschungen zur Familie Webers, zu seinem Umkreis und zum Personal der in Webers Zeit aktiven Wandertruppen, zu denen ja auch die Familie Weber wesentlich zu rechnen ist. Was hier im Laufe der Zeit an mühsam zusammengesuchten Informationen gebündelt und in verschiedensten Publikationen veröffentlicht wurde, ist in seiner Bedeutung sicherlich noch zu wenig erkannt. Immerhin haben die Kolleginnen und Kollegen dann gedrängt, diese wertvollen Informationen auch über die Personendatenbank der Weber-Website zugänglich zu machen, wo die Ergebnisse der Zieglerschen Recherchen trotz seiner anfänglichen Skepsis nun nach und nach einfließen. Dass diese Personendatenbank der WeGA in Fachkreisen so hoch geschätzt ist und weit über den engeren Wissenschaftsbereich hinaus genutzt wird, ist ein wesentliches Verdienst des „Wandertruppen-Forschers“.

Zum 60. Geburtstag unseres Kollegen haben wir uns zusammengetan, um die wichtigsten dieser mit seltenen Personendaten gespickten Beiträge auch über die Website der WeGA zugänglich und die Informationen durch Auszeichnen von Personen, Werken, Rollen, Orten und vieler Daten auffindbar zu machen. Dabei konnten wir neben Beiträgen aus der Weberiana durch freundliches Entgegenkommen von Herrn Albrecht Lamey (Wißner-Verlag GmbH & Co. KG Augsburg) auch Zieglers Text „Die Webers – eine Familie macht Theater“ aus dem 2011 von Christoph-Helmut Mahling herausgegebenen Band Musiker auf Reisen mit aufnehmen, wofür herzlich gedankt sei. Ebenso dankbar sind wir Herrn Dr. Adrian Kuhl und Frau Dr. Bärbel Pelker von der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg sowie Herrn Dr. Oliver Schütze vom Metzler-Verlag für die Möglichkeit, den Beitrag über Georg Denglers Theatergesellschaft aus dem Jahrbuch Musik in Baden-Württemberg 25 (2019/20) in dieser Form neu zugänglich machen zu dürfen. Auf diese Weise ließen sich die Beiträge zu einem repräsentativen kleinen Blumenstrauß zusammenbinden, den wir ihm zum 60. Geburtstag digital überreichen.

In der Hoffnung, dass dem Jubilar diese Veröffentlichung ein weiterer Ansporn ist, seine wertvollen Forschungen fortzusetzen und diesen Strauß durch neue blühende Pflanzen zu erweitern. Ad multos annos!

Aida Amiryan-Stein, Eveline Bartlitz, Dagmar Beck, Irmlind Capelle, Andreas Friesenhagen, Salome Obert, Solveig Schreiter, Peter Stadler und Joachim Veit, Donnerstag, 18. April 2024

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