Schreibtafel von Mannheim: Aufführungen des Königlichen Hoftheaters in Stuttgart mit den Gastspielen der Mad. Lang

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Königliches Hoftheater in Stuttgart.

Den 12ten Dez. 1810.

Madame Lang, königl. Hofsängerin in München, gab hier sieben Gastrollen. Mirrha im Opferfest, Elise im Sargin, Aline, Karoline in Vetter Jakob, Benjamin in Jakobs Söhnen (zu ihrem Benefiz), Fanchon und nochmals den Benjamin. Die Erwartung, die sich das hiesige Publikum von ihr machte, war zu groß; – Madam Lang entsprach ihr nicht ganz. Wir fanden ihre Stimme zwar sehr gewandt in Colleraturen [sic] – doch nicht weich, nicht schmelzend genug in Adagio’s und gefühlvollem Gesang, ihr Spiel monoton, ihre Gestikulationen meistens ohne Ausdruck. Als Mirrha sang und spielte sie die große Szene im 2ten Finale am besten – im Ganzen ließ sie uns viel zu wünschen; das ausdrucksvolle Spiel und Gesang unserer vorigen Mirrha, der Dlle. Lang, liegt uns noch zu lebhaft im Gedächtniß. – Herr Berger, als Murney, spielte und sang diese Rolle ausnehmend gut. Dlle. Meyer fand in der brillanten Arie der Elvire großen Beifall. Referent hat seit einiger Zeit mit Vergnügen bemerkt, daß Dlle. M. wieder Fortschritte macht, wovon sie uns auch als Sargin recht glänzende Beweise ablegte. Zu wünschen wäre, daß sie sich die vielen Wendungen und Biegungen des Kopfes während des Singens abgewöhnte, und daß sie sich mehr der deutlichen Aussprache beflisse. Muster hat sie an den Herren Krebs und Berger, vorzüglich an ersterem. Deutlichkeit der Aussprache ist eins der ersteren Erfordernisse des Gesanges. Mad. Lang sang die Rolle der Elise sehr gut, und manches besser als Dlle. Lang; vorzüglich gelang ihr eine Szene mit Chor. Als Aline konnte sie uns nicht genügen, indem Mad. Gervais aus Mannheim uns kürzlich diese Rolle vortrefflich gab. Die Leichtigkeit, Grazie der Mad. G. sahen wir hier noch an keiner Sängerin. Als Benjamin gefiel Mad. Lang sehr. Ihre unschuldige, kindliche, ruhige Miene erwarben ihr schon unsre Theilnahme, – herzlich und rührend sang sie die Romanze. – Herr Krebs spielte und sang die Rolle des Joseph vortrefflich. Die Rolle des Simon wurde durch Herrn Berger erschütternd dargestellt. Sie ist eine schwere Aufgabe für den Schauspieler, wieviel mehr für einen Sänger; – um so mehr gereicht es Herrn B. zur Ehre, daß er die Schwürigkeit als Schauspieler lößte. Hr. Gosler als Jakob verdiente auch unsern Beifall. – Im Ganzen wurde die Oper recht gut gegeben, ausser dem Triumpfzug [sic] des Kleophas. Als Karoline in Vetter Jakob und als Fanchon sang Mad. Lang recht brav – aber spielte kalt und bedeutungslos. Die Herren Weberling als Jakob, und Rohde als Pseudo-Jakob ergötzten durch ihre komische[n] Launen. Diese Operette wird vorzüglich gut hier gegeben. In Fanchon spielte Herr Krebs den Rittermeister St. Val. Sollte diese Rolle nicht besser in den Händen des Herrn Berger, der den Obristen spielte, seyn? Freilich würde auch er uns schwerlich unsern ersten St. Val Herrn Fischer vergessen machen können, der diese Rolle ausserordentlich gut gab.

Apparat

Zusammenfassung

Schreibtafel von Mannheim: Aufführungen des Königlichen Hoftheaters in Stuttgart mit den Gastspielen der Mad. Lang

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Fukerider, Andreas

Überlieferung

  • Textzeuge: Schreibtafel von Mannheim, Bd. 1, Heft 63 (16. Dezember 1810), Bl. 1r

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