Weber-Studien Band 4/1

Schriften des Harmonischen Vereins, Teil 1: 1810–1812

Texte von Alexander von Dusch, Johann Gänsbacher, Giacomo Meyerbeer und Gottfried Weber, hg. von Oliver Huck und Joachim Veit, Mainz 1998. xi, 466 S.
Bestellnummer: ED 8984; ISBN 3-7957-0380-8 (leider vergriffen!)

Vorwort

Der Plan, eine Ausgabe der Schriften vorzulegen, die die Mitglieder des 1810 gegründeten Harmonischen Vereins in unterschiedlichsten Zeitungen und Zeitschriften publiziert haben, entstand im Rahmen der Arbeiten an der Gesamtausgabe der Briefe und Tagebücher Carl Maria von Webers. Viele Äußerungen in Webers Briefen oder Tagebüchern zu den Aktivitäten dieses Vereins sind ohne Erläuterung der Hintergründe und Kenntnis der erwähnten Texte kaum verständlich. Andererseits zeigte sich bei der Durchsicht der zahlreichen Periodika, die in den Korrespondenzen der Vereinsbrüder erwähnt sind, daß das Ausmaß der bewußten Einflußnahme des Vereins auf die öffentliche Meinungsbildung bedeutender und vielseitiger war als bislang angenommen. Eine kritische Bestandsaufnahme und Bewertung der über Jahre hinweg gesammelten mutmaßlichen Vereinstexte (die nur zum Teil mit dechiffrierbaren Siglen gezeichnet sind) und die Vorbereitung einer kommentierten Edition dieser Texte konnte jedoch im Rahmen der Arbeiten an der Gesamtausgabe nicht geleistet werden. Erst die Unterstützung durch die Universität-Gesamthochschule Paderborn und durch das Musikwissenschaftliche Seminar Det­mold/Paderborn erlaubte schließlich die Durchführung dieses langfristig geplanten Vorhabens, so daß nun der erste Teilband mit den Schriften des Vereins aus den Jahren 1810 bis 1812 vorgelegt werden kann.

Die in der Einleitung beschriebene Arbeitsweise des Vereins legt nahe, sowohl den Begriff der „Schriften“ als auch damit verbunden den des „Autors“ mit Vorsicht zu gebrauchen. In etlichen Fällen handelt es sich um übernommene fremde oder auch eigene Texte, die lediglich von einem der Vereinsbrüder redaktionell „aufbereitet“ und an eine Zeitung weitergegeben wurden. Die Wiederverwendung von Textbestandteilen für die Veröffentlichung in anderen Publikationsorganen war an der Tagesordnung. Gelegentlich wurden auch Briefe „ausgezogen“ und mit der Sigle des Exzerpierenden an die Zeitung weitergegeben. Die Bestimmung des eigentlichen „Autors“ ist dann oft schwierig. Die Zuordnung von Namen zu den Texten bedeutet daher in einigen Fällen lediglich, daß der Betreffende diesen Text – sozusagen als Verantwortlicher im Sinne des heutigen Pressegesetzes – an die Redaktion gegeben hat. Der literarische Begriff der Autorschaft kann auf diese Zeitungs- und Zeitschriften-Veröffentlichungen also oft nur sehr eingeschränkt angewendet werden.

Wenn man die inhaltliche Vielfalt der Beiträge, die sich keineswegs nur mit Angelegenheiten der Vereinsbrüder befassen, vor dem Hintergrund der Tatsache sieht, daß viele der veröffentlichten Texte ungezeichnet blieben und die erhaltenen Tagebücher und Korrespondenzen die Zuweisung von Texten nur sehr lückenhaft erlauben – zumal das eigentliche Vereinsarchiv leider als verloren gelten muß –, so darf man sich nicht der Illusion hingeben, in dem vorliegenden Band seien wirklich alle Texte vereint, die der Harmonische Verein zwischen 1810 und 1812 publiziert hat. Außer den ohnehin vorhandenen Lücken durch das Fehlen etlicher Nummern des Archivs für Literatur und Kunst bzw. der Schreibtafel von Mannheim blieb manche Unsicherheit bei der Zuordnung inhaltlich durchaus in Frage kommender, aber nicht durch Sigle oder sonstige Dokumente als vereinseigen identifizierbarer Texte. Die Grenzen zwischen belegbarer Zuweisung und bloßer Vermutung sind oft fließend. Um jedoch die Gefahr von Fehlzuschreibungen möglichst gering zu halten, haben sich die Herausgeber entschlossen, nur solche Texte aufzunehmen, die als Vereinserzeugnisse direkt (d. h. durch Unterschrift oder Sigle) oder durch eine ausreichende Zahl von sekundären Quellen (Briefe, Tagebücher, Querverweise usw.) zu bestimmen sind. Daß auch hierbei Grenzbereiche berührt wurden, sei durchaus nicht verschwiegen: Die oft sehr kurzen Nachrichten aus den Hamburger Privilegirten gemeinnützigen Unterhaltungsblättern sind erst nach ausgiebigen Diskussionen in den Haupttext aufgenommen worden, da sich schließlich die Überzeugung gefestigt hatte, das vereinzelte Auftreten vereinsspezifischer Nachrichten in diesem Periodikum und die Art der Kontakte zu dessen Verleger rechtfertige die Annahme, hier seien gezielt Texte geliefert worden – was zudem in einigen Fällen belegbar ist.

Andererseits blieben angesichts der im übrigen strengen Auswahlkriterien vermutlich einige der vom Verein stammenden ungezeichneten Texte unberücksichtigt. Dies schien den Herausgebern aber ein geringeres Übel als umgekehrt die Aufblähung des Bandes durch eine große Anzahl von Texten zweifelhafter Autorschaft. Nur einige wenige Grenzfälle wurden trotz der Zweifel im Anhang abgedruckt.

Nicht aufgenommen wurden auch jene Texte, die (teilweise im Auftrag) von Personen geschrieben wurden, die dem Verein nahestanden, ohne förmliches Mitglied zu sein (z. B. Franz Joseph Fröhlich). Von anderen formellen Vereinsmitgliedern wie Carl Ludwig Roeck und Friedrich Wilhelm Berner sind bisher keinerlei Zeugnisse über ihre schriftstellerische Tätigkeit für den Verein überliefert. Ohnehin wird das gesamte Ausmaß der Vereinstätigkeit und die Zusammensetzung seiner Mitglieder wohl für immer im Dunkel bleiben, wenn nicht wenigstens Teile des einst bei Gottfried Weber aufbewahrten Vereinsarchivs wieder auftauchen. Mit dem vorliegenden Band soll versucht werden, die noch auffindbaren Docht- und Wachsteile zu einer Kerze zusammenzusetzen, die wenigstens etwas Licht in dieses Dunkel bringt, dessen Erhellung für die Musikgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts von sicherlich nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Eine Fortsetzung der Veröffentlichung der Schriften des Harmonischen Vereins ist geplant. In diesen Band werden dann ggf. fällige Nachträge integriert.

Der vorliegende Band ist zugleich der erste Dokumentenband innerhalb der Reihe Weber-Studien. Er dient somit auch der Ergänzung und Entlastung der Kommentare zur Brief- und Tagebuch-Ausgabe, die auf die Nummern des vorliegenden Bandes verweisen. (Die Vereinsschriften Carl Maria von Webers sind lediglich durch Nummern und Kurztitel vertreten, da die Texte innerhalb der Gesamtausgabe der Schriften erscheinen.) Weitere Dokumentensammlungen als Begleitbände der Brief- und Tagebuchausgabe sind geplant.

Die Herausgeber fühlen sich der Universität-Gesamthochschule Paderborn und dem Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn für die Förderung der Editionsarbeiten zu großem Dank verpflichtet. Dank gebührt darüber hinaus den zahlreichen Bibliotheken und Archiven, die Zeitungen, Zeitschriften sowie Noten und Quellenmaterial für den Kommentar zur Verfügung gestellt haben. Neben der Lippischen Landesbibliothek und dem Lippischen Lite­raturarchiv Detmold, dem in seiner Bedeutung für die Erforschung des Pressewesens einzigartigen Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse in Dortmund und dem Reiß-Museum Mannheim sind hier vor allem zu nennen: die Staatsbibliothek Bamberg, das Hessische Staatsarchiv und die Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt, die Stiftsbibliothek des Klosters Engelberg, die Landeszentralbibliothek Schleswig-Holstein in Flensburg, die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a. M., die Forschungs- und Landesbibliothek Gotha, die Staats- und Universitätsbibliothek sowie das Staatsarchiv Hamburg, die Universitätsbibliothek Heidelberg, die Bibliotheken des Tiroler Landeskonservatoriums und des Museums Ferdinandeum in Innsbruck, das Badische Generallandesarchiv Karlsruhe, die Stu­dien­bibliothek Linz, das Deutsche Literaturarchiv Marbach a. N., die Bayerische Staatsbibliothek und das Deutsche Theatermuseum München, die Bibliothek des Klementinums und die Nationalbibliothek Prag, die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, die mit reichhaltigen Zeitschriften-Beständen ausgestattete Stadtbibliothek Trier, die Österreichische Nationalbibliothek Wien, die Bibliothek der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, die Universitätsbibliothek Würzburg und nicht zuletzt die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Ein besonderer Dank gilt dabei den Mitarbeitern der Berliner Arbeitsstelle der Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe, Eveline Bartlitz, Dagmar Beck und Frank Ziegler, die das Projekt unermüdlich mit Rat und vor allem mit Tat begleitet haben. Bei der Erfassung und Korrektur der Texte in Detmold hat freundlicherweise Friederike Ramm M. A. mitgeholfen, bei den abschließenden Korrekturen halfen Wenke Wallbaum und Martin Bott.

Detmold, im Juli 1998

Die Herausgeber

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort , S. vii
  • Abkürzungsverzeichnis, S. x
  • Zur Edition, S. 1
  • Die Statuten des Harmonischen Vereins, S. 5
  • Der Harmonische Verein (von Oliver Huck)
    • Gründung, S. 9
    • Mitglieder, S. 11
    • Pseudonyme, Bundesnamen und Kürzel, S. 20
    • Tätigkeit, S. 25
    • Zeitschriften und Zeitungen, S. 31
    • Musikalische Zeitschriften
      Allgemeine Musikalische Zeitung, S. 35
      Musicalische Notizen / Musicalische Zeitung für die österreichischen Staaten, S. 39
    • Überregionale Zeitschriften und Zeitungen
      Morgenblatt für gebildete Stände, S. 40
      Zeitung für die elegante Welt, S. 43
      Journal des Luxus und der Moden, S. 46
      Heidelbergische Jahrbücher der Literatur, S. 47
      Allgemeiner Anzeiger der Deutschen, S. 48
    • Lokale Zeitschriften und Zeitungen
      Mannheim (Rheinische Correspondenz, Schreibtafel von Mannheim, Badisches Magazin und Nouvelles Littéraires et Politiques), S. 48
      München (Kritischer Anzeiger für Litteratur und Kunst, Gesellschaftsblatt für gebildete Stände, Münchener Politische Zeitung), S. 53
      Prag (Hesperus und Kaiserlich Königlich priviligirte Prager Oberpostamtszeitung), S. 56
      Hamburg (Archiv für Literatur, Kunst und Politik und Privilegirte gemeinnützige Unterhaltungsblätter), S. 57
    • Geplante, aber nicht verwirklichte Kontakte, S. 59
    • Themen, Formen und Aspekte der Autorschaft, S. 62
    • Literatur, S. 66
  • Die Schriften des Harmonischen Vereins 1810-1812, S. 71–274
  • Kommentar zu den Schriften des Harmonischen Vereins 1810-1812, S. 275–422
  • Verzeichnisse und Register
    • Verzeichnis der abgedruckten Texte (nach Textnummern), S. 423
    • Verzeichnis der abgedruckten Texte (nach Autoren), S. 439
    • Register der Bühnenwerke, S. 434
    • Register der Rollen, S. 441
    • Register der Orte und Institutionen, S. 447
    • Register der Personen und Werke (ohne Bühnenwerke), S. 450

Ergänzungen zu Weber-Studien Band 4/1

Für den Band der Weber-Studien standen 1998 nur die Nummern 1 bis 16 sowie als Einzelexemplar die Nr. 37 zur Verfügung. Die damalige Vermutung, diese Beilage zur Rheinischen Correspondenz müsse bis Nr. 75 erschienen sein, bestätigt sich durch das Auftauchen des vollständig erhaltenen Exemplars der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar (Signatur ZB 1287): In Nr. 76 (vermutlich vom 30. oder 31. Dezember 1810) heißt es in einer Nachbemerkung:

„Mit der heutigen Nummer schließt sich die Schreibtafel in ihrer jetzigen Gestalt. Indessen wird dieses Blatt, welches wir als Beilage zur Rheinischen Correspondenz gegeben, und das man gleich dieser liebgewonnen hatte, nicht ganz untergehen, und die Zukunft sie einst in anderer Form wieder erwecken. [...]“

Das vollständige Exemplar in Weimar, das Frank Ziegler bei Internet-Recherchen entdeckte, erlaubt nun die komplette Wiedergabe einiger bislang nur fragmentarisch überlieferter Texte (Nr. 30 und Nr. 72), sowie die erstmalige Wiedergabe bislang nur durch Erwähnung in anderen Artikeln bekannter bzw. weniger noch unbekannter Texte, darunter ein bislang vermißter Text Carl Maria von Webers. Aufgelistet sind nachfolgend nur die zweifelsfrei von Mitgliedern des „Harmonischen Vereins“ stammende Texte, danach in einer separaten Liste einige „verdächtige“ Texte über Stuttgart und Karlsruhe. Die Texte sind durch Links in der linken Spalte erreichbar. Sie sind in der originalen Orthographie wiedergegeben.

Kommentare und eine detailliertere Auswertung werden zu einem späteren Zeitpunkt noch ergänzt.
Wir danken den Mitarbeitern der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar sehr herzlich für freundliche Unterstützung und die Anfertigung von Kopien dieser Beilage.

Nummer Schreibtafel Inhalt Sigle Autor
1810-V-20a Nr. 17
(ca. 31.10.)
"Mannheim, den 20. Sept. 1810. Der Kosacken-Offiz[i]er." G. Gst. Gottfried Weber
1810-V-22 Nr. 30
(14.11.)
"Hof- und National-Theater in Mannheim. Den 21. Okt. Salomon’s Urtheil, Musik vom hiesigen Kapellmeister Ritter." [vollständige Fassung] G. Giusto Gottfried Weber
1811-V-23a/1 Nr. 47
(1.12.?)
"Hof- und National-Theater in Mannheim. Wohlbrücks Gastrollen. Den 20. Nov.: Abbé de l’Epée." The unkown man Alexander von Dusch
1811-V-23a/2 Nr. 50
(4.12.?)
"Hof- und National-Theater in Mannheim. Den 28. Nov.: Die Pagenstreiche. [...] Die Räuber." The unkown man Alexander von Dusch
1811-V-24a Nr. 51
(5.12.?)
"Hof- und National-Theater in Mannheim. Den 2. Dezember: Lehmann, oder: der Thurm von Neustadt" G. Giusto Gottfried Weber
1811-V-26/1 Nr. 73
(27.12.)
"Mannheim, den 27. Dez. Das gestrige Namensfest der liebenswürdigen Erbgroßherzogin von Baden, Stephanie Napoleon [...]" G. Giusto Gottfried Weber
1811-V-26/2 Nr. 74
(28.12.)
"Mannheim, den 27. Dez. (Fortsetzung)" G. Giusto Gottfried Weber
1810-V-27 Nr. 75
(29.12.)
"Hof- und National-Theater in Mannheim. Den 27. Dez.: Phädra, Trauerspiel in 5 Aufzügen, nach Racine von Schiller." ungez. Alexander von Dusch
1810-V-28 Nr. 74
(28.12.)
"Entschuldigung" Carl Marie Frhr. v. Weber Carl Maria von Weber

Weitere Texte, die vermutlich aus dem engeren Umkreis des Harmonischen Vereins stammen:

Nummer Schreibtafel Inhalt Sigle Autor
1810-U-1 Nr. 21
(ca. 4.11.)
"Königliches Hoftheater in Stuttgart. 30. Oktober 1810." ungez. ?
1810-U-2 Nr. 63
(ca. 16.12.)
"Königliches Hoftheater in Stuttgart. Den 12ten Dez. 1810." ungez. ?
1810-U-3 Nr. 72
(ca. 26.12.)
"Carlsruhe, den 22. Dez." [über den Auftritt Carl Maria von Webers] ungez. ?

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