Aufführungsbesprechung Prag, Ständetheater, 29. März – 13. Juni 1814 (Teil 2/3)

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Prag.

(Fortsetzung.)

Am 3. May gab Mad. Schröder zu ihrem Vortheile die Jungfrau von Orleans. Ihr herr|liches Organ kam ihr besonders in jenen Scenen und Stellen zu Statten, in denen Kraft erfordert wird. Das Gebeth zum Schlusse war ein Meisterstück der Declamation, das keiner vergessen wird, der es je gehört hat. Sie ward hervorgerufen, und gab uns die höchsterfreuliche Versicherung, die auch mit Jubel aufgenommen wurde, daß sie bey uns bleiben würde.

Am 5. May war zum ersten Mahle: Zephir und Flora für die hies. Bühne in die Scene gesetzt, von Kath. Horrschelt. Dlle Horrschelt die ältere tanzte den Zephir mit außerordentlicher Kraft, Gewandtheit und Grazie, Dem. Horrschelt d. j. gab die Flora mit sehr vieler Anmuth; die kleine Auguste Schröder, riß als Amor alles zur Bewunderung hin, die Dekoration am Ende war sehr brav rangiert, bei dieser und den nächstfolgenden Productionen wurde die Familie Horrschelt immer hervorgerufen. Sie erschienen, den kleinen Amor in der Mitte.

Am 7. May Elise von Valberg, worin Herr Mattausch den Fürsten als Gastrolle gab, und Mad. Schröder wegen Krankheit der Mad. Löwe, die Fürstinn spielte. Herr Mattausch gab den Fürsten mit all dem natürlichen Anstande, der ihm eigen ist, und mit einer Wahrheit die vom Herzen kam, und zum Herzen ging. Mad. Schröder als Fürstinn spielte hinreißend schön. Herr Liebich als Amtshauptmann, und Mad. Liebich als Oberhofmeisterinn gaben ihre Rollen vortrefflich. Die Vorstellung ging sehr gut.

Am 9. May Otto von Wittelsbach; Herr Mattausch gab dte Hauptrolle auf eine Art, die nichts zu wünschen übrig ließ. Von seinem ersten Auftreten bis zu seinem Niedersinken vor dem tödtlichen Eisen war sein Spiel berechnet, edel und ¦ würdevoll. Die Scene, worin er den Inhalt des Briefes zu hören bekommt, war ein solches Meisterwerk, daß es ewig Schade bleibt, wenn solche Kunstschöpfungen so schnell vorübergehn. Das ist das Loos des Schönen auf der Erde.

Am 10. May, zum Vortheile des Herrn Grünbaum: die Schweizerfamilie, worin Mad. Grünbaum nach ihrem Wochenbette zum Erstenmahle wieder auftrat. Sie ward mit stürmischem Beyfall empfangen, sie verdient auch die Achtung und Liebe deren sie hier genießt. Herr Grünbaum sang seinen Jakob sehr schön, auch Herr Siebert seinen Richard BollHerr; Allram brachte in die Rolle des Verwalters sehr viel komisches Leben, Herr Neumayer, der statt Herrn Schmelka den Paul gab, konnte seinen Vorgänger nicht ersetzen, doch that er Alles was in seinen Kräften war. Herr Kainz gab den Grafen mit vielem Fleiße.

Am 12. May: das Vaterhaus, worin Herr Mattausch den Anton mit dem größten Beyfall gab. Herr Liebich als Oberförster gab seine Rolle mit so vielem Aufwande von Kunst und Natur, daß wir bedauern müssen, daß Herr Liebich schon längere Zeit keine Kunstreise machte, und dadurch das übrige Deutschland des herrlichen Vergnügens, ihn zu sehen beraubt wird. Mad. Liebich gab die Oberförsteriun sehr brav. Es ist wirklich eine Seltenheit bey dem Theater, daß eine Frau von ihrem Alter, und ihrer Schönheit, Rollen dieser Art mit der größten Liebe durchführt. Herrn Valet sahen wir als Pastor mit Vergnügen. Herr Mattausch sprach bey seinem Hervorrufen mit Achtung und Liebe von seinem würdigen Freunde Liebich.

Am 14. May Makbeth, worin Herr Mattausch den Makbeth gab. Er hat ein sehr tiefes Stu|dium auf diese Rolle verwendet, und weiß dieses Studium mit Kraft und Leichtigkeit auszuführen. Mad. Schröder als Lady Makbeth ist über alles Lob erhaben, keine Schauspielerinn in ganz Deutschland wird diese Rolle jetzt so vortrefflich geben. Herr Bayer, der wohl auch gegründete Ansprüche auf die Rolle des Makbeth hat, gab diesen Abend den Mubduff, mit so viel Fleiß und Liebe, daß das Publikum es dankbar erkannte. Herr Mattausch, Mad. Schröder und Herr Bayer wurden vorgerufen.

Am 22. May, Makbeth wiederholt.

Am 24. May, zum Vortheile des Herrn Siebert: Das Mädchen im Eichthale, komische Oper in drey Aufzügen mit Tänzen, die Musik von Herrn Ebell, dem Vernehmen nach, hat Hr. Siebert diese Oper verschrieben, wir begreifen nicht, wie Er ein solches Unding von Oper zur Benefiz wählen konnte. In dem Texte ist keine Spur von Menschenverstand anzutreffen, die Musik ist eine Sammlung von bekannten Arien und Duetten. Wenn die Albernheit zu groß ist, die die vorstellenden Personen sprechen, so fangen sie an noch ärgeres Zeug zu singen. Die Oper ward bey der ersten Vorstellung auf ewig begraben; wir bedauern die Mühe, die Sänger darauf verwenden mußten.

Am 25. May, Rollas Tod, oder die Spanier in Peru, worin Herr Mattausch den Rolla gab. Er stellte diesen Natursohn mit all dem Feuer und der Heftigkeit dar, die dazu gehört. Mad. Schröder als Elvira, feyerte wieder einen ihrer glänzendsten Triumphe.

Am 30. May Klara von Hoheneichen, worin Herr Mattausch den Ritter Adelungen gab. Nur das schöne Spiel des Herrn Mattausch und das ¦ eben so herrlich glänzende Talent der Mad. Löwe als Klara, konnte uns noch Interesse für diese veraltete, und aus dem Geiste der Zeit gekommene Dichtung einflößen. Herr Mattausch undMad. Löwe wurden vorgerufen, Herr Mattausch erschien, Mad. Löwe hatte sich bereits entfernet.

Am 2. Juni. Stille Wässer sind tief, worin Herr Mattausch den Baron sehr schön gab. Mad. Schröder als Baroninn erregte wieder unsere Bewunderung. Herr Liebich als Lieutenant Wahlen, war eine höchst erfreuliche Erscheinung, eben so, Mad. Brunetti als Antonie.

(Der Beschluß folgt.)

Editorial

Creation

Responsibilities

Übertragung
Charlene Jakob

    Commentary

    • dterecte “die”.
    • Herr; recte “; Herr ”.
    • Oberförsteriunrecte “Oberförsterinn”.
    • Mubduffrecte “Macduff”.

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