Carl Maria von Weber an Alexander von Dusch in Mannheim
München, 15. Mai 1811

Den Creditbrief* habe ich erhalten u. gehörig an seinem Hofe abgegeben, wo er mit einer höchst unpolitischen Freude empfangen wurde, indem man eigentlich nie sollte blicken lassen, wie sehr ein so lange erwarteter Abgesandter Einen freue.

Aber da es einmal geschehen ist, so kann ich dir es auch nicht verhehlen u. brauche ich keine anderen Repressalien als die, daß ich in Hinsicht des Ceremoniells mich auf gleichen Fuß mit ihm stelle, wie du aus der Uniform u. dem Schnitt des Gegenwärtigen sehen kannst. Doch habe ich dich darin an Höflichkeit übertroffen, daß ich dir einen Titel obenan gesetzt habe, welches dich aber nicht kränken darf, denn von einem so alten ausgequetschten Hofmann übertroffen zu werden als ich bin, ist keine Schande.

Webers Abschied* /: Künstlers Abschied :/ hat sich wieder gefunden, wie mir W. /: Gottfried Weber :/ schreibt, u. somit brauche ich ihn dir nicht zu schicken, welches mir höllisch lieb ist, sintemalen ich vom Abschreiben kein sonderlicher Freund bin, wie bekannt. Du sagst, daß ich Euch fehle. Lieber Gott, was soll da ich erst sagen. Ihr könnt Euch gegenseitig mittheilen u. berathen; in kleinem Umkreise leben vier Brüder beisammen; aber ich stehe allein, ganz allein, u. kenne kein Verbindungsmittel als den armseeligen Gänsekiel, den man vor Ungeduld Millionenmal an die Wand werfen möchte. Ja nie werde ich wieder ein Häufchen solcher Menschen zusammen [Textverlust bzw. Auslassung von Ida Jähns] mit dir herum, aber das Aufschreiben, das Ausarbeiten – du bist einer von jenen Menschen, die sich zum Arbeiten, id est Schreiben, zwingen müssen; denn bis du den Drang dazu bekömmst kannst du Ewigkeiten lauern. Ich kenne dies sehr genau, man träumt sich fort, ist voll Thätigkeit u. thut nichts. Zwinge dich einmal, Alles aufzuschreiben was dir in den Kopf kommt, u. du wirst sehen es flockt, u. binnen kurzem wirst du weit vorrücken, indem sich viel leichter u. ruhiger Ideen sondern u. wählen lassen, die schon geschrieben vor Einem stehen.

Schikt mir ein Paar Gedichtchen ein u. ich will sie wo einrücken lassen*.

Der lieben Gräfin Benzel nebst ihrem Manne empfiehl mich bestens, so wie Copps, Solome etc.

Kommst du noch öfters zu Copps, so sage ihr*, daß ich hier beinahe täglich von ihr mit Lottchen Ewald aus Karlsruhe spreche, die jetzt hier bei ihrer Schwester der Fränzel ist.

Lasse es nicht beim bloßen Versprechen bewenden u. schicke oft einen chargé d’affaires an mich. Jeder dieser Repräsentanten versetzt mich zu Euch, u. daß dann daraus eine frohe Stunde für mich entspringt brauche ich wohl nicht erst [Rest fehlt]

Apparat

Zusammenfassung

hat einen Kreditbrief Duschs abgegeben; Duschs Lied "Webers Abschied" habe sich bei Gottfried wiedergefunden; über fehlende Geselligkeit; drängt Dusch, seine Ideen immer aufzuschreiben u. nicht auf Mußezeit zu warten; bittet um eine paar Gedichte zum Weitergeben

Incipit

Den Creditbrief habe ich erhalten u. gehörig an seinem Hofe

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Kopie: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – PK (D-B)
Signatur: Weberiana, Cl. II B 2a, Nr. 7, S. 809f.

Quellenbeschreibung

  • Abschrift von Ida Jähns (Fragment)

Textkonstitution

    Einzelstellenerläuterung

    • "The unknown man": Ida Jähns merkt in ihrer Abschrift an dieser Stelle in einer Fußnote an: Die Unterschrift, mit welcher Alexander v. Dusch, an den dieser Brief gerichtet ist, damals in Mannheim TheaterKritiken u. andere Artikel über Kunst in öffentlichen Blättern als Anonymus zu zeichnen pflegte. Darauf bezieht sich die scherzhafte Anspielung im obigen Briefe.
    • "Creditbrief": Im TB ist am 9. Mai ein Brief Duschs ohne weitere Angaben erwähnt.
    • "Webers Abschied": Lied Des Künstlers Abschied (JV 105), Text von Alexander Dusch; der Titel wurde erst im Schlesingerschen Druck abgeändert; vgl. Jähns (Werke), S. 122–123.
    • "ein Paar Gedichtchen … wo einrücken lassen": Die einzigen bisher nachweisbaren Gedichte von Alexander von Dusch, die 1811 in einer Zeitschrift erschienen, sind Verkörperung und Das Mondlicht im Bache (Polimeter) in: Privilegirte gemeinnützige Unterhaltungs-Blätter, Nr. 83 (4. Dezember 1811), Sp. 660, deren Veröffentlichung jedoch nicht von Weber vermittelt wurde, sondern auf die direkten Kontakte von Dusch und Gottfried Weber zu Karl Wilhelm Reinhold zurückgehen dürfte. [ist bisher nicht genauer überprüft!!, Münchner Periodika kontrollieren!!!]
    • "zu Copps , so sage ihr": Frau oder Tochter von Friedrich Ulrich Kopp, Christine Konradine oder Amalie

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